Direkt zur zweiten Navigationsebene, fallls vorhanden.Direkt zum Seiteninhalt

News-Board-Eintrag:
Karrierekongress Sinn // Krise

News-Kategorie:
Eingestellt von: Angela Harter
Eingestellt am: 12.07.2012

Über ‚Sinn//Krise‘ diskutierten am 23. Juni 2012 TeilnehmerInnen und ReferentInnen beim Karrierekongress des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften in den Räumlichkeiten der Gießener Stadtsparkasse. Die Themenwahl mag verwundern, hatte das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) doch eine Woche zuvor, am 15. Juni, die Nachricht erhalten, dass es weitere fünf Jahre von der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert wird.
Doch unabhängig von solchen institutionellen Erfolgen beschäftigen Sinnfragen und Krisengefühle offenbar zahlreiche DoktorandInnen der unterschiedlichsten Fachbereiche. So begründete die Rechtspsychologin Valerie Hauch ihre Teilnahme am Karrierekongress: „Das Thema hat mich angesprochen. Nicht, dass ich völlig in der Krise stecken würde. Doch man fragt sich während der Promotion natürlich schon immer mal wieder: ‚Welchen Sinn hat das für die Zukunft?‘ Das gilt nicht nur in fachlicher, sondern auch in persönlicher Hinsicht.“
Der persönliche Aspekt sowie der Hinweis, dass Krisen auch Chancen bieten können, zogen sich als roter Faden durch die Veranstaltung. Diese begann mit Grußworten von Dr. Wolfgang Bergenthum, Direktor der Sparkasse, Gunter Ratz vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit, Dr. Martin Zierold, Geschäftsführer des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften, und Prof. Andreas Langenohl, Mitglied des GCSC-Direktoriums. Letzterer erläuterte, der Begriff Krise komme eigentlich aus der Medizin und stehe für einen Umschlagspunkt. Als solch ein Punkt, der Entscheidungen unumgänglich macht, könne er positive Veränderungen herbeiführen und Chancen eröffnen.
Als erster Umschlagspunkt des Kongresses diente dann ein Workshop von Dr. Bernd Schmid. Statt einen Vortrag zu halten, lud der Gründer des Instituts für systemische Beratung das Publikum ein, sich in Zweiergruppen „intuitiv kennenzulernen“. Viele Stimmen schwirrten alsbald durcheinander und nach einer Dreiviertelstunde zierten Strichmännchen, Pfeile und diverse Kritzeleien die Notizbücher der TeilnehmerInnen, zum Beispiel das von Franziska Edler.
„Wir sollten die Erzählungen unserer Übungspartner mit spontanen Zeichnungen begleiten“, erläutert die GCSC-Doktorandin, „das war eine gute Auflockerung und ich fand auch das anschließende Gespräch sehr aufschlussreich“
Einblicke in ihre persönlichen Lebenswege erlaubten danach die ReferentInnen Dr. Christoph Anz, Leiter der Bildungspolitik der BMW Group, Dr. Daniel Tyradellis, Geschäftsführer der Praxis für Ausstellungen und Theorie, sowie Katja Urbatsch, Gründerin der Initiative Arbeiterkind.de und GCSC-Doktorandin. Alle drei hoben hervor, dass erfolgreich und geradlinig erscheinende Lebenswege durchaus auch Produkte von Misserfolgen und Zufällen seien. Anz stellte gleich zu Beginn die Frage: „Was ist eigentlich erfolgreich?“ Dass seine eigene Vita die ein oder andere Auseinandersetzung mit seinem damaligen Doktorvater beinhalte, verursachte im Publikum hörbar Erleichterung. In diesem Zusammenhang sprach er auch seine Anerkennung für die Angebote des Graduiertenzentrums aus. Solche Angebote wie den Karrierekongress, die HochschulabsolventInnen auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, habe er während seiner Promotionszeit schmerzlich vermisst. Seine Eingangsfrage beantwortete er schließlich durch eine Alternative: „Die entscheidende Frage ist für mich heute: Was hält mich gesund?“
Wie der Bildungspolitik-Leiter der BMW Group Anz blieb auch Tyradellis trotz Promotion nicht im Wissenschaftsbetrieb. Vielmehr nutzte er bereits die Dissertationsphase, um als Kurator zu arbeiten. Derzeit kann man sein Werk als Kulturverschaffender und somit als „verkörperte Sinnkrise“ im Senckenbergmuseum in Frankfurt kennenlernen. Die Ausstellung beschäftigt sich unter dem Titel „Was tun?“ passenderweise mit der Frage danach, was eigentlich Arbeit ausmacht.
Katja Urbatsch schließlich, sprach den TeilnehmerInnen Mut zu, Chancen zu nutzen. „Man muss sich auch mal was trauen und auch Niederlagen einstecken.“ Dabei war es der Anglistin mit Unternehmergeist wichtig hervorzuheben, dass jeder individuell feststellen müsse, „welcher Typ“ er oder sie sei. „Für mich war es genau das Richtige, die Initiative Arbeiterkind.de zu gründen, durch die ich mittlerweile acht MitarbeiterInnen beschäftige. Das war natürlich eine ganz individuelle Entscheidung. Ich möchte nur alle hier ermutigen, sich auch etwas zuzutrauen und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben.“
Bei Valerie Hauch, die mit Zweifeln und Sinnfragen zum Kongress gekommen war, scheint dieser Aufruf Gehör gefunden zu haben. „Ich bin wirklich sehr froh, dass ich hier war. Die Veranstaltung war inspirierend und ich habe Selbstvertrauen im Hinblick auf die Zeit nach der Promotion gewonnen.“
 
zum Videoblog: www.uni-giessen.de/videoblog-gcsc/

Text: Elisa Antz
Fotos: Rolf Wegst