Direkt zur zweiten Navigationsebene, fallls vorhanden.Direkt zum Seiteninhalt

News-Board-Eintrag:
Karrierekongress

News-Kategorie:
Eingestellt von: Angela Harter
Eingestellt am: 04.07.2011

"Zukunft – Die Planung des Unplanbaren"
Karrierekongress des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften (GGK/GCSC) am 2. Juli 2011 mit Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig, Trendforschungskritiker Prof. Dr. Holger Rust, Marcellus Menke, Vorsitzender des Career Service Netzwerkes Deutschland und Prof. Heiner Goebbels, Präsident der Hessischen Theaterakademie.

 "Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?" Diese Frage wird in Bewerbungsgesprächen gern gestellt. Gerade in Phasen des biografischen Übergangs, wie am Ende einer Promotion, drängen sich ähnliche Fragen auch persönlich auf: Wo soll es hingehen? Was möchte ich erreichen? Was ist mir wichtig? Und selbst wenn man seine Zukunftsziele kennt, bleibt die ungewisse Frage, ob und wie sie sich realisieren lassen.

Der diesjährige Karrierekongress des GGK/GCSC widmete sich unter der Überschrift "Zukunft – Die Planung des Unplanbaren" solchen Fragen und richtet sich insbesondere an Doktorandinnen und Doktoranden aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Dabei ging es nicht um banale Rezepte zum Abhaken für vermeintlich erfolgreiche Karrieren. Vielmehr sollte die Frage nach der Zukunft(splanung) so vielfältig thematisiert werden, wie sie sich DoktorandInnen stellt, also unter anderem mit Themen wie: Was lässt sich im (Berufs-)Leben planen, was auch nicht? Wie gehe ich mit der Unsicherheit akademischer Lebenswege um? Wie kann ich Karriereziele und andere Lebenswünsche vereinbaren? Welches Gewicht möchte bzw. sollte ich der Frage nach der eigenen Zukunft geben?

Für den Karrierekongress konnten namhafte Referentinnen und Referenten gewonnen werden. Die erste unter ihnen, die Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2006 Kathrin Passig, konnte man jedoch erst auf den zweiten Blick erkennen. Denn ihre Tipps, wie man einen Teil seines Lebens auch mal "mit Unsinn" zubringen und trotzdem erfolgreich sein könne, veranschaulichte die Schriftstellerin im lebensgroßen Krokodilskostüm.
Auch der Soziologe Prof. Dr. Holger Rust von der Universität Hannover – profilierter Kritiker einer plakativen "Zukunftsforschung" – äußerte sich skeptisch im Hinblick auf allzu geradlinigen Karriereplanungen. Schließlich ist er überzeugt: "Alle Zukünfte werden anders als geplant. Sie stürmen auf uns ein, und wir müssen sie gestalten."

Als Vorsitzender des Career Service Netzwerks Deutschland ermutigte Marcellus Menke diejenigen, die noch sorgenvoll in die Zukunft blicken, zum Umdenken. Unter dem Motto "Das Positiv-Prinzip" zeigte er, wie sich aus den eigenen Stärken und Erfahrungen erfolgversprechende Berufsziele entwickeln lassen. Denn aus seiner eigenen Arbeitspraxis hat Menke die Erkenntnis gewonnen, dass in jedem Menschen mindestens drei Berufe steckten. Das gilt auch noch, wenn man sich bereits für ein bestimmtes Studium entschieden hat. Deshalb betonte Prof. Heiner Goebbels, Direktor des Instituts für angewandte Theaterwissenschaften an der JLU, dass er seine Studierenden animiere, sich nicht zu früh auf eine bestimmte Berufslaufbahn festzulegen und sich dadurch womöglich Chancen zu verbauen

Solche Gelegenheiten können sich mitunter an unerwarteter Stelle auftun. So arbeitet etwa der Historiker Jan Philipp Altenburg, der seine Promotion über das Großstadtleben in Philadelphia und Frankfurt am Main in den 1920er Jahren verfasste, heute in der Kommunikationsabteilung eines mittelständischen hessischen Unternehmens mit Schwerpunkt Umwelttechnik.

Im Verlauf des Karrierekongresses trat somit "das Unplanbare" im Bezug auf individuelle Berufslaufbahnen immer stärker in den Vordergrund, verlor zunehmend seinen unheimlichen Unterton und offenbarte sich vielmehr als ein breites Feld von Möglichkeiten, die sich gerade auch KulturwissenschaftlerInnen eröffnen können – wenn sie den bereit sind, sich darauf einzulassen. 




Foto: Katharina Luh
Text: Newsletter Redaktion