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| Eingestellt von: | Hans Christian Fromm |
| Eingestellt am: | 25.01.2011 |
DoktorandInnen der Research Area 1 „Memory Cultures“ initiierten im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Konstanzer Forschungsgruppe „Geschichte + Gedächtnis“ einen Kooperationsworkshop zu dem Thema „Film und Erinnerung“, der die überregionale Vernetzung des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) mit anderen Forschungszentren förderte. Anlass des Kooperationstreffens am 24. November 2010 in Konstanz war der Vortrag von Moshe Zimmermann (Tel Aviv) zu „‚The Good German‘ – deutsche Geschichte im Spielfilm“. In dem Vortrag untersuchte Zimmermann anhand der Figur des ‚guten Deutschen‘, wie Geschichte in Hollywood-Spielfilmen dargestellt wird. Die Workshop-Gespräche der ForscherInnen aus Gießen und Konstanz knüpften unmittelbar an den Vortrag von Zimmermann an, der am Vorabend des Kooperationsworkshops im Rahmen des Konstanzer Kolloquiums zur Erinnerungsforschung stattgefunden hatte. Nach einem gemeinsamen Abendessen trafen sich die TeilnehmerInnen am folgenden Tag zu einem intensiven Arbeitsgespräch mit ausgewählten Projektpräsentationen von DoktorandInnen des GCSC. ![]() Das Narrativ des ‚guten Deutschen‘ wurde bereits in Hollywood-Produktionen der frühen 1940er Jahre implementiert, so die Argumentation von Moshe Zimmermann. Die ProduzentInnen hätten dieses Narrativ frühzeitig gezielt auf die Verhandlungs- und Versöhnungsphase der Nachkriegszeit ausgelegt. In seinen Erläuterungen wies der renommierte Wissenschaftler auf die enge Verflechtung zwischen Hollywood-Studiopolitik und amerikanischer Kriegspolitik hin. Ein Punkt, den auch Birgit Schwelling (Konstanz) in der anschließenden Diskussion aufgriff. Anhand von Charlie Chaplins The Great Dictator zeigte Birgit Schwelling die problematische Verbindung von Politik und Filmschaffenden auf. Die Wortmeldungen zu Zimmermanns Vortrag waren zahlreich und vielfältig. Rainer Wirtz (Konstanz) betonte, dass neben den Charakteristika des fiktionalen Films, wie Personalisierung, Dramatisierung und Emotionalisierung, besonders der Aspekt der moralisierenden Darstellung von Geschichte im Film kritische Aufmerksamkeit verdiene. Abschließend lenkte Joachim Paech (Konstanz) die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen Filme, die Geschichte abbilden, untersucht werden können. Er stimmte mit dem Vortragenden Moshe Zimmermann überein, dass Filme nicht nur Dokumente einer Epoche verkörperten, sondern immer eine Form der Geschichtsinterpretation darstellen. Gemeinsam mit Aleida Assmann (Konstanz) und Moshe Zimmermann setzten die TeilnehmerInnen des Kooperationsworkshops die Diskussion am Vormittag des nächsten Tages fort. Aleida Assmann regte an, den Film als Medium der Massenpädagogik aufzufassen. Dies lasse sich sowohl in Diktaturen als auch in Demokratien beobachten. In diesem Kontext erörterten die TeilnehmerInnen die erinnerungspolitischen Aspekte von Filmproduktionen. Davon ausgehend entwickelte sich eine Diskussion, inwiefern das Medium Film in einem rekonstruktiven Modus funktioniert bzw. nicht funktioniert und inwiefern Filme alternative „Erinnerungsstränge“ zu etablierten Bildern formen. Gerade die Wirkmächtigkeit des Mediums Films wurde in diesem Zusammenhang von den TeilnehmerInnen problematisiert. Am Nachmittag präsentierten drei DoktorandInnen des GCSC ihre Projekte. Marija Sruk, Mitglied des GCSC und IPP, eröffnete die Präsentationsreihe mit ihrem Kurzvortrag über „Lachen nach Auschwitz: Ethik und Ästhetik der Filmkomödie zum Holocaust“. In ihrem Dissertationsprojekt beschäftigt sich Marija Sruk mit den verschiedenen Formen des Lachens im Film und einer differenzierten Wirkungsästhetik der Holocaust-Komödie. Die TeilnehmerInnen des Workshops diskutierten die Fragen, warum Komödien zum Holocaust produziert werden und inwiefern die ProduzentInnen ihre Motivation offenlegen. Im Anschluss stellten Friederike Klemm und Robert Stock ihre Promotionsprojekte vor. Friederike Klemm sprach über die Darstellung der Résistance und Kollaboration im französischen Film. Neben der Analyse der filmischen Narration konzentrierte sich Friederike Klemm auf die unterschiedlichen Entwicklungslinien und Konjunkturen der filmischen Inszenierung. Robert Stock stellte im Anschluss daran sein Dissertationsprojekt zur mosambikanischen Dekolonisierung vor. Er konfrontierte die TeilnehmerInnen mit den erinnerungskulturellen Implikationen des mosambikanisch-portugiesischen Dokumentarfilms. Vor allem Fragen nach dem Umgang der DokumentarfilmerInnen mit dem kolonialen bzw. mit dem post- und antikolonialen Archiv standen im Mittelpunkt des Vortrags und der anschließenden Diskussion. Dabei kristallisierten sich fundamentale Unterschiede zwischen den Dokumentarfilmen aus der Kolonialzeit und solchen aus der Zeit des Postkolonialismus heraus. ![]() Am Ende eines forschungsintensiven Nachmittags resümierte Ines Schubert, eine der Teilnehmerinnen, die am GCSC zum historischen Roman promoviert, den Film-Workshop in Bezug auf ihr Projekt wie folgt: „Viele der in den Gesprächen diskutierten Thesen über die Funktion des Films als Medium der Erinnerung lassen sich auch auf das Medium der Literatur übertragen. Daher habe ich wichtige Impulse für mein Dissertationsprojekt erhalten.“ Die Gießener Doktorandin Caroline Rothauge ergänzte: „Für meinen Teil war der Konstanz-Workshop ‚Erinnerung und Film‘ dazu dienlich, meinen eigenen theoretisch-methodischen Zugriff nochmals eingehend zu reflektieren und mein Vorgehen zu festigen.“ Aufgrund der positiven Resonanz planen die VeranstalterInnen des Kooperationsworkshops bereits die Anschlussveranstaltung zu „Konstanz 2010“. Die TeilnehmerInnen dürfen also auf ein Wiedersehen – dieses Mal vielleicht in Gießen – hoffen. Der thematische Schwerpunkt wird dann, voraussichtlich, auf der „Transnationalisierung und Kosmopolitisierung von Erinnerungskulturen“ liegen. Text: Friederike Klemm, Andreas Hübner & Christiane Struth Fotos: Anja Weigel, Andreas Hübner |
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