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| Eingestellt von: | Christiane Struth |
| Eingestellt am: | 30.03.2010 |
Ein Hesse reist 1547 in die Neue Welt und verfasst einen Reisebericht über seine abenteuerlichen Begegnungen mit „grimmigen Menschenfresser-Leuthen in der Newenwelt America“. Die Originalausgabe der 1557 erschienenen Wahrhaftigen Historia von Hans Staden aus dem nordhessischen Homberg an der Efze könnte bald Teil einer Wanderausstellung mit dem Titel „Hessen hybrid – Fünf Beispiele aus fünf Jahrhunderten“ sein. Fünf Doktorandinnen und Doktoranden des Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK) entwickelten das Ausstellungskonzept als Wettbewerbsbeitrag für den Ideenwettbewerb „Die Dinge und ihre Bedeutungen“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.„Geschichte begreifbar machen“, so lautete das Motto des volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Wettbewerbs. Der Preis wurde im Frühjahr 2009 durch die Hessische Vereinigung für Volkskunde e.V. und das Freilichtmuseum Hessenpark auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zum ersten Mal ausgeschrieben und dient der Erforschung der materiellen Kultur in Hessen. Aus den eingereichten Präsentations- und Ausstellungskonzepten zu historischen Wohn- und Lebensstilen, regionaler Identität, Migration, Religion und Glauben sowie Mediennutzung und Freizeitkultur in Hessen kürte die Fachjury im Februar 2010 die Sieger, darunter auch die erfolgreichen Doktorandinnen und Doktoranden aus Gießen. Ausgehend von der These, dass Kulturen immer schon Spuren des Fremden in sich tragen, rekonstruieren Ina Brandt, Antje Coburger, Lutz Hengst, Moritz Jäger und Caroline von Nicolai, die an der Justus-Liebig-Universität Gießen in kulturwissenschaftlichen Disziplinen promovieren, in der geplanten Ausstellung „Hessen hybrid“ den Einfluss gereister Objekte und Reisender auf die Entwicklung der materiellen Kultur in Hessen. Anhand von Alltagsgegenständen sowie zeitgenössischen Texten aus der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart entwickeln die Doktorandinnen und Doktoranden einen Geschichtsparcours, der Geschichte anschaulich machen soll. Unter den Exponaten befinden sich u.a. eine Thrinentrommel zur Aufbewahrung von Getränken während der Flucht und ein Wandspiegel mit einem Geheimversteck für die protestantische Bibel aus der Hochzeit der Hugenottenverfolgung im 17. Jahrhundert sowie weitere Gebrauchsgegenstände, die die französischen Glaubensflüchtlinge bei ihrer Flucht in die hessischen Territorien importierten. Weitere Stationen des Jahrhundertparcours „Hessen hybrid“ dokumentieren Momentaufnahmen der transkulturellen Geschichte Hessens wie die Reisen des eingangs erwähnten Hans Staden im 16. Jahrhundert und den kulturellen Austausch durch den Einsatz hessischer Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die Erfahrungen und Reisebegleiter der hessischen Amerika-Auswanderer bzw. -Rückwanderer des 19. Jahrhunderts und der Russlanddeutschen im 20. Jahrhundert komplementieren den Geschichtsparcours. Als Symbol der Ausstellung wählten die Doktorandinnen und Doktoranden die Reisekiste hessischer Auswanderer, da sich das Motiv der ‚Reise zwischen den Welten‘ durch die gesamte Ausstellung zieht. Nicht zuletzt auf Grund des Ausstellungsdesgins ging der mit 2.000 Euro dotierte erste Preis an die fünfköpfige Konzeptgruppe der Arbeitsgemeinschaft Museumskultur um AG-Sprecherin Ina Brandt. Zu der Preisverleihung am 18. Februar 2010 reisten die Doktorandinnen und Doktoranden des GGK nach Neu-Anspach (Hochtaunus), um vor der malerischen Kulisse des Hessenpark die Siegerurkunde in Empfang zu nehmen. Gerd Krämer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, würdigte das Ausstellungskonzept als wichtigen volkskundlichen Beitrag zur Erforschung der materiellen Kultur in Hessen, mit den Worten: „Ihre Ideen tragen dazu bei, Geschichte erlebbar zu machen und uns Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen von früher zu geben.“ AG-Sprecherin Ina Brandt war über diese Auszeichnung hocherfreut und bekräftigte: „Wir hoffen, das Konzept letztendlich auch als Ausstellung realisieren zu können. Hieran wurde von mehreren Seiten lebhaftes Interesse geäußert. Jedoch wird die Umsetzung wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da wir noch kein konkretes Angebot haben und wir selbst bisher noch keine Erfahrung als Ausstellungskuratoren sammeln konnten. Umso mehr freuen wir uns über die Chance, die Ausstellung mit Unterstützung der Veranstalter zu organisieren.“ Rückblickend kommt die Doktorandin des GGK zu einem positiven Resümee: „Die Zusammenarbeit im Team und die Entwicklung des Projekts waren für jeden von uns eine bereichernde Erfahrung. Das gesamte Umfeld, die Unterstützung am GGK und vor allem das umwerfende Engagement der Teammitglieder, die neben der Promotion mit viel Disziplin und guten Ideen an der Entwicklung des Konzepts gearbeitet haben, sind für den Erfolg verantwortlich.“ |
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