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| Eingestellt von: | Mirjam Bitter |
| Eingestellt am: | 16.12.2008 |
Die von GCSC, GiZo und Herder-Institut ausgerichtete International Summer School tagte vom 13.-23. Juli auf Schloss Rauischholzhausen sowie im Herder-Institut in Marburg und beschäftigte sich interdisziplinär und mit vielen internationalen TeilnehmerInnen mit ‚Kulturregionen’ und ‚Identitätsregionen’. "Trotz Jetlag hat sich die Reise für mich heute schon gelohnt, es ist wirklich spannend, die europäische Perspektive auf ‚Regionen’ kennenzulernen", freut sich Sarah Ann Wells nach dem ersten Tag voller intensiver Diskussionen auf Schloss Rauischholzhausen. Zusammen mit über dreißig ausgewählten NachwuchswissenschaftlerInnen sowie renommierten ExpertInnen aus unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus Russland, Polen, Griechenland, Rumänien, Chile und den USA verbrachte die aus Berkeley angereiste Doktorandin der Literaturwissenschaft vom 13. bis 23. Juli 2008 zehn Tage in der Tagungsstätte der Universität Gießen sowie im Marburger Herder-Institut. Gastgeber der International Summer School waren das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) sowie das Herder-Institut Marburg. Unter dem Motto "Kulturregionen - Identitätsregionen" diskutierten die Teilnehmenden mit ProfessorInnen, PostdoktorandInnen und GastreferentInnen, wie regionale Identitäten konstruiert werden und welche Rolle dabei Kultur spielt. In vier thematischen Workshops, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ihre Promotionsprojekte präsentierten, wurden das Fortleben von Geschichtsregionen, Fragen der Identitätsstiftung durch Sprache und Sprachnormierung sowie die Funktion von regionalen Literaturen, Künsten und alltagskulturellen Praktiken in der Herausbildung von Identitäten debattiert. ![]() Als zentral erwies sich dabei die Einsicht, dass der Begriff der Region einerseits immer in Beziehung zu anderen territorialen Einheiten wie der Nation steht und dass er andererseits immer eine konstruierte Einheit beschreibt, deren Grenzen historisch fließend sind. Regionen können dabei mehrere Länder umfassen, wie beispielsweise die Ostseeregion, mit deren inneren und äußeren Grenzen sich der sowohl lehrreiche als auch sehr unterhaltsame Vortrag von Prof. Michael North aus Greifswald beschäftigte. Umgekehrt können sie auch ein kleineres Gebiet innerhalb eines Landes beschreiben, wie etwa eine angestrebte Metropolregion Nord-West um die Städte Bremen, Bremerhaven und Oldenburg. Zwei Nachwuchssoziologen aus Oldenburg untersuchen in ihrem Projekt, ob diese institutionell geplante Region auch bei den dort lebenden Menschen ankommt, ob es also eine regionale Kultur und Identität Nord-West gibt oder wie diese erst konstruiert wird. Mit der Rolle der Sprache für regionale Identität am Beispiel der Sorben beschäftigte sich die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag des Slawisten Prof. Christian Prunitsch. Sprache ist zwar kein notwendiger aber doch ein sehr starker Faktor für die Bildung regionaler Identität und für kreatives Potential einer regionalen Kultur. Zu einer Weitung des Blicks in Richtung Lateinamerika und dortiger Kulturregionen führte der Vortrag der chilenischen Professorin Ana Pizarro, die nicht nur für den Vortrag angereist war, sondern die ganze Woche aktiv an den Diskussionen teilnahm. Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Exkursion ins Frankfurter Museum der Weltkulturen sowie ins Mainzer Institut für Europäische Geschichte, die den Teilnehmenden eine weitere Perspektive auf das Thema der International Summer School bot. Danach konnten die theoretisch erarbeiteten Konzepte an drei Tagen Projekt- und Archivarbeit am Marburger Herder-Institut in konkreter Forschung anhand von Bild- und Kartenmaterialien angewandt werden. "Die interdisziplinäre und interkulturelle Herangehensweise dieser Summer School hat mir ganz neue Perspektiven auf mein eigenes Promotionsprojekt eröffnet", resümiert Gabriela Boangiu aus Rumänien nach zehn Tagen angeregten Diskussionen und freut sich auf ein mögliches Wiedersehen bei zukünftigen Summer Schools. Ein ausführlicher Tagungsbericht wurde auf H-Soz-u-Kult veröffentlicht, eine Publikation der Beiträge im Rahmen unserer GCSC Schriftenreihe ist in Arbeit. Mirjam Bitter © Foto: Dorothea Walter |
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