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News-Board-Eintrag:
Das Glück der Tüchtigen

News-Kategorie:
Eingestellt von: Neill Busse
Eingestellt am: 21.08.2008

Karrierekongress des GGK/GCSC informierte über Möglichkeiten des Berufseinstiegs nach einer kulturwissenschaftlichen Promotion

Nicht an Können, sondern an „Könnensbewusstsein“ fehle es promovierten Geistes- und Sozialwissenschaftlern, stellte der Direktor des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften Prof. Ansgar Nünning bei der Eröffnung des diesjährigen Karrierekongresses fest. Um sich ihrer besonderen Fähigkeiten bewusst zu werden, waren knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag in das Foyer der Gießener Sparkasse gekommen, teilweise extra aus Kassel, Mainz oder sogar Jena angereist. Sicherlich habe das im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderte International Graduate Center for the Study of Culture (GCSC) dazu beigetragen, dass der schon auf eine mehrjährige Tradition zurückblickende Absolventenkongress des GGK dieses Mal stärker auch über Gießen hinaus wahrgenommen wurde, vermutet der Geschäftsführer des GGK/GCSC Dr. Martin Zierold. Unter dem Motto „Promovieren mit Perspektive“ gaben ehemalige Doktoranden sowie Experten aus verschiedenen Berufssparten aktuellen Doktoranden detaillierte und vor allem lebensnahe Auskünfte über ihre Erfahrungen mit dem Berufseinstieg.

Karrierekongress 2008 - Foto: Katharina LuhProf. Marion Gymnich, in Gießen habilitiert und nun an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn tätig, informierte über verschiedene Laufbahnen an der Universität. In jedem Fall brauche es neben einer sehr guten Dissertation weitere Publikationen, die das jeweilige Fach in seiner ganzen Breite abdecken, sowie viel Vortrags- und Unterrichtserfahrung. Denn Fragen zu didaktischen Konzepten würden beim sogenannten „Vorsingen“ immer wichtiger. Auch die Leiterin der Programmabteilung Nord beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), Dr. Annette Julius, betonte, dass es neben dem Doktortitel natürlich weitere Kompetenzen brauche, etwa in der Mitarbeiterführung, der Finanzverantwortung oder Gremienerfahrung. Um beratend und wissenschaftspolitisch tätig zu werden, sei es aber wichtig, selbst Teil des wissenschaftlichen Betriebes gewesen zu sein. Nicola Herweg stellte das Literaturarchiv Marbach und dortige Berufsaussichten vor. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Marbacher Handschriftenabteilung steht kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion am Gießener IPP und ist direkt durch die Forschung für die Doktorarbeit in ihre jetzige Position gekommen.

„Die Gelegenheit in Deutschland ist besser, als man glaubt, und Sie als geisteswissenschaftlich ausgebildete Menschen sind auch besser, als Sie glauben“, sagte Dr. Erwin Otto. Der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Verlags Trier (WVT) bekannte, dass er in seine heutige Position eigentlich nur durch Zufall reingerutscht sei. Der selbsternannte Quereinsteiger wollte eigentlich Sportler werden, zumal gar keine Ausbildung zum Lektor oder gar Verleger existiert. Nach der Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bochum tätig, gründete er mit zwei Kollegen die Zeitschrift „Anglistik und Englischunterricht“, die heute beim Winter Verlag erscheint, um eigene Beiträge besser unterbringen und kumulativ habilitieren zu können. Durch diese praktische Arbeit neben seinem eigentlichen Job hat er sich somit selbst für seine jetzige Rolle qualifiziert. Belesenheit und kommunikative Fähigkeiten müssen heutzutage auch durch wirtschaftliche Qualifikationen ergänzt werden, so Otto, da ein Lektor Projektmanagement betreibt.

Die abschließende Podiumsdiskussion moderierte Dr. Marina Vollstedt, die seit Kurzem das Praktikumsamt der Universität der Bundeswehr in Hamburg leitet und zuvor als Personalreferentin beim Axel-Springer-Verlag in Berlin tätig war. Gerade weil die Karrierewege für Kulturwissenschaftlerinnen und Kulturwissenschaftler nicht vorgezeichnet sind, empfahlen alle Podiumsteilnehmer, zwar ein Ziel vor Augen zu haben, aber trotzdem flexibel zu bleiben. Praxis- und Auslandserfahrung wiegen im Rekrutierungsverfahren schwerer als ein zügig abgeschlossenes Studium. Es sei somit wichtig, neben der Promotion weitere Fähigkeiten zu erwerben, Networking zu betreiben, zum Beispiel auf Karrierekongressen wie diesen, vor allem aber die Dinge mit dem Herzen und mit Engagement zu tun. „Ich habe es immer für einen absoluten Zufall gehalten, ich denke aber heute, ja man braucht ein bisschen Glück, aber es gibt auch das Glück des Tüchtigen“, fasste Dr. Annette Julius ihre Erfahrungen zusammen. Und Prof. Gymnich ergänzte, durch das GGK/GCSC als Imagefaktor und Qualifizierungsmaßnahme „haben Sie in jedem Fall gute Ausgangschancen“.

Mirjam Bitter

© Bild: Katharina Luh