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LVA-Plan im WS 09/10
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Nostalgie
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Semester:
WS 09/10
Dozenten/-innen:
Dr. Sünne Juterczenka
Dr. Kai Marcel Sicks
Zeit und Ort:
Fr, 04.12.2009, 10:00-14:00, Raum 001/Room 001 (Phil. I, GCSC Gebäude/Phil. I, GCSC Building)
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Erste Veranstaltung:
04.12.2009
Teilnahme-
voraussetzung:
Anmeldung
Hinweise:
Als individuelles wie kollektives Phänomen ist Nostalgie im landläufigen Sinn die Sehnsucht nach Vergangenem, das unwiederbringlich verloren ist. Sie äußert sich besonders in "retro"-Moden und der Bewahrung (oder Wiederbelebung) vergangener ästhetischer Stile. Mitunter wird Nostalgie auch zum bestimmenden Lebensgefühl.
Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Nostalgie allerdings als vielschichtige Erscheinung, die seit der frühen Neuzeit erhebliche semantische Verschiebungen durchlief: Als medizinischer Befund bezeichnete sie ursprünglich das Heimweh bei Schweizer Söldnern, von dem man meinte, dass es sich in körperlichen Symptomen äußere und sogar zum Tod führen könne. In diesem Verständnis bezog sich Nostalgie vor allem auf ferne (und potentiell unerreichbare) Orte und spielte noch in der Romantik eine zentrale Rolle. Mit der begriffsgeschichtlichen Verschiebung, die die Nostalgie zu einer rein psychischen Befindlichkeit machte, wechselte im 19. Jahrhundert auch die Bezugsgröße. Nostalgie bezeichnete seither eine Hinwendung zur "guten alten Zeit", die – inzwischen weitgehend von pathologisierenden Konnotationen befreit – in vielen verschiedenen Formen gepflegt wird: Das Spektrum reicht von der kommodifizierten "Ostalgie" in den neuen Bundesländern über das auf Umgangsformen und Kleidung zielende Ideal des englischen "Chap" bis zum situativen Nachempfinden vergangener Ereignisse und Epochen in historischen (Re-)inszenierungen.
So harmlos und zweckfrei sie daher kommt, impliziert die Nostalgie doch häufig ein schwieriges Verhältnis zur Gegenwart und sagt mehr über dieses aus als über die Vergangenheit, auf die sie sich bezieht. Ebenso wie ihr auf die Zukunft zielendes Pendant, die Utopie, erweckt sie damit den Verdacht des Eskapismus – oder aber (und hier wird deutlich, dass Nostalgie keineswegs unpolitisch ist) der rückwärtsgewandten Ablehnung bzw. sogar Leugnung gegenwärtiger Zustände: "If the future is cyberspace, then what better way to soothe techno-peasant anxieties than to yearn for a Mont Blanc fountain pen?" (Linda Hutcheon)
Häufig wird die Nostalgie auf ihre populärkulturellen Ausprägungen oder auf ihre spezifische Bedeutung für die Romantik reduziert. Ihre allgegenwärtige Präsenz, die verschiedenste Lebensbereiche von der Kunst bis zum Alltagsleben prägt, legt jedoch eine nähere Untersuchung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive nahe. In gemeinsamer Textarbeit sollen aus der Sicht verschiedener Disziplinen und methodischer Zugänge die Operationen, die nostalgische Erinnerung wirksam werden lassen, und deren Implikationen diskutiert werden. Die vorzubereitenden Texte werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt.
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