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Hinweise:
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Die postphilologische Linguistik des 20. Jahrhunderts (Strukturalismus und linguistischen Kognitivismus) hat das Problem der Kulturalität von
Sprache in die Peripherie der linguistischen Theoriebildung verdrängt und sich als Wissenschaft geradezu dadurch definiert, allein die ‚Sprache
an und für sich selbst‘ ohne ihre kulturellen Prozessierungsbedingungen in den Blick zu nehmen (Jäger 1993; 1994; 2006). Am Ende des 20. und am
Beginn des 21. Jahrhunderts scheint sich aber eine deutliche Veränderung des paradigmatischen Selbstverständnisses der Sprachwissenschaft
abzuzeichnen. Die das internationale Meinungsklima lange Zeit beherrschende strukturalistisch-kognitivistische Episteme ist dabei, ihre
selbstverständliche Dominanz über die normalwissenschaftliche Tätigkeit der Linguisten zu verlieren. Ethnographische und interaktionstheoretische
Ansätze rücken im Zuge einer allgemeinen Renaissance langue- und performanzorientierter Theorien (Linke/Feilke 2009) wieder stärker in das
disziplinäre Zentrum der Sprachwissenschaft (Günthner/Linke 2006; Günthner 2011), ebenso wie der Medialitäts-Diskurs der Kulturwissenschaften
beginnt, die Linguistik zu erreichen (Deppermann/Linke 2010). Gleichwohl gibt es auch gegenwärtig „noch kein übergreifend-integratives
‚Programm’ einer kulturanalytischen Linguistik […] und auch eine sprachtheoretische Selbstverständigung […] über Gemeinsamkeiten und Divergenzen
der jeweiligen Sprach- und Kulturbegriffe ist noch zu leisten“ (Günthner/Linke 2006, 19). Ein solcher Prozess theoretischer Selbstver-ständigung
hätte sicher verschiedene blinde Flecken in der disziplinären Diskursgeschichte aufzuarbeiten. Unter diesen scheint mir die zeichen- und
symboltheoretische Begründung einer Theorie der kulturellen Semiosis ein besonders dringendes Desiderat zu sein. Um die Konturen dieser
Fragestellung zu umreißen, könnte es reizvoll sein, zwei theoretischen Positionen kontrastiv zu lesen, die einerseits für das systematische
Überspringen des Zeichenproblems am Beginn der jüngeren Sprachwissenschaftsgeschichte und andererseits für seine systematische Ausfaltung stehen
können: Hermann Pauls Konzeptualisierung der Linguistik als Kulturwissenschaft und Ernst Cassirers Konzeptualisierung der Sprache als
symbolische Form.
Lektüreempfehlung:
- Primärtexte:
- Ernst Cassirer, Philosophie der Symbolischen Formen, Erster Teil: Die Sprache, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1964, 17-54
- Hermann Paul, Prinzipien der Sprachgeschichte, Halle: Max Niemeyer 1920, 1-36
- Hermann Paul (Hg.), Grundriss der Germanischen Philologie, Strassburg: Trübner 1901, 159-178
- Sekundärtexte:
- Konrad Ehlich, Die Vertreibung der Kultur aus der Sprache. 13 Reflexionen zu einem reflexionsresistenten Thema. ZGL 34.1 (2006), 50-63
- Susanne Günthner, Angelika Linke, Linguistik und Kulturanalyse – Ansichten eines symbiotischen Verhältnisses. In: ZGL 34.1 (2006), 1-27
- Ludwig Jäger, „ein nothwendiges Uebel der Cultur“. Anmerkungen zur Kulturwissenschaftlichkeit der Linguistik. ZGL 34.1 (2006), 28-49
Sonstige Literatur:
- Peter Auer, Die Linguistik auf dem Weg zur Kulturwissenschaft? In: Freiburger Universitätsblätter 147 (2000), 55-68
- Arnulf Deppermann, Angelika Linke (Hg.), Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton, Berlin New York: Walter de Gruyter 2010
- Thomas Göller, Zur Frage der Auszeichnung der Sprache in Cassirers Philosophie der symbolischen Formen. In: Hans-Jürg Braun, Helmut Holzhey, Ernst Wolfgang Orth (Hg.), Über Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen, Frankfurt: Suhrkamp 1988, 137-155
- Susanne Günthner: Sprache im Kontext kultureller Praktiken. Facetten einer anthropologischen Linguistik. In: Silke Meyer, Armin Owzar (Hg.), Disziplinen der Anthropologie, Münster: Waxmann 2011, 121-143;
- Ludwig Jäger: “Language, what ever that may be.” Die Geschichte der Sprachwissenschaft als Erosionsgeschichte ihres Gegenstandes. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS) 12,1 (1993), S. 77-106;
- Ludwig Jäger: Die Linguistik des Innern. Historische Anmerkungen zu den zeichen- und erkenntnistheoretischen Grundlagen der kognitivistischen Sprachwissenschaft. In: Ludwig Jäger/Bernd Switalla (Hg.): Germanistik in der Mediengesellschaft, München 1994, S. 291-326
- Ludwig Jäger (2009c): Sprach/Kultur – Sprach/Natur. Zur Konfliktgeschichte linguistischer Gegenstandskonstitutionen. In: Thomas Anz (Hg.): Natur - Kultur. Zur Anthropologie von Sprache und Literatur. Beiträge zum Deutschen Germanistentag 2007 von Georg Braungart, Heinrich Detering, Karl Eibl, Michael Hagner, Ludwig Jäger, Peter von Matt und Gerhard Neumann. Paderborn: mentis, S. 31-53
- Angelika Linke, Helmut Feilke (Hg.), Oberfläche und Performanz. Untersuchungen zur Sprache als dynamische Gestalt, Tübingen: Niemeyer 2009
- Martin Wengeler, Linguistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in diesen Band. In: Ders. (Hg.), Linguistik als Kulturwissenschaft, Hildesheim Zürich New York 2006: Olms, 1-23
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