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Lehrveranstaltung im SS 12
Doris Bachmann-Medick: Beschreiben oder Erzählen

 
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  • Workshop: GGK/GCSC/IPP | GCSC-Post Graduates | Gemeinsame Veranstaltungen/Conjoint Courses | Master Classes
  • Workshop: GGK/GCSC/IPP | GGK-Post Graduates | Gemeinsame Veranstaltungen/Conjoint Courses | Master Classes
  • Workshop: GGK/GCSC/IPP | IPP-Post Graduates | Gemeinsame Veranstaltungen/Conjoint Courses | Master Classes
Semester: SS 12
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
  • Di, 22.05.2012, 10:00-14:00, Raum 29 / Room 29 (Phil. I, Haus B / Phil. I, Building B)
  • Mi, 11.07.2012, 14:00-17:00, Raum 29 / Room 29 (Phil. I, Haus B / Phil. I, Building B)
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Erste Veranstaltung: 22.05.2012
Teilnahme-
voraussetzung:
  • Anmeldung
Hinweise: Beschreiben und Erzählen – dies sind nicht nur zwei unterschiedliche Darstellungsmethoden, sondern auch “grundlegend verschiedene Stellungen zur Wirklichkeit” (Georg Lukács). Von Lessing bis Lukács wurde das Beschreiben lange Zeit abgewertet, während das Erzählen als Mittel der sprachlichen Selbstentfaltung des handelnden Menschen Vorrang erhielt.


Die Master Class richtet sich auf die gegenwärtige Neubewertung der Beschreibung als einer wichtigen Kulturtechnik im 20./21. Jh., ausgelöst durch die sogenannte “Krise der Repräsentation”. Ob man gegenüber (anderen) Kulturen oder den eigenen Untersuchungsobjekten eher eine Haltung der Beschreibung wählt (und damit Wahrnehmungen, Zuständen und Bildhaftigkeit Raum gibt) oder eine Haltung der Erzählung (womit Geschichte/n, Sinn und Handlungen in den Vordergrund rücken) – dies ist nicht zuletzt eine Frage der ethischen, ästhetischen, aber auch wissenschaftlichen Repräsentationautorität.


Die Frage “Beschreiben oder Erzählen?” ist für alle Projekte relevant, die mit der Repräsentation von Kulturen, sozialen Gruppen, Personen usw. zu tun haben, die literarische, ethnographische, postkoloniale, historische Darstellungsweisen reflektieren (vgl. Writing Culture Debatte; “dichte Beschreibung”, “teilnehmende Beobachtung”) und die überhaupt narrative Praktiken und Strategien in ihren weitreichenden (auch gesellschaftlichen und politischen) Konsequenzen kritisch überdenken:


Wieweit ist das Beschreiben mit Zuschauen, das Erzählen mit Teilnehmen verknüpft? Inwieweit ist das Beschreiben auf Dinge, das Erzählen auf Menschen bezogen? Nicht zuletzt durch die gegenwärtige Fokussierung auf Dinge in den Kulturwissenschaften, welche die Vorstellung von einem autonom handelnden Subjekt relativiert, wird neuerdings die Kulturtechnik der Beschreibung noch weiter aufgewertet und für die unterschiedlichsten Disziplinen der Kulturwissenschaften fruchtbar gemacht.


Wird die Beschreibung zu einer kritischen Herausforderung der Erzählung, gerade weil sie eine explizite Methode der Vermeidung von Sinnzuschreibungen ist? Jedenfalls ist sie – auch in der eigenen Arbeit – immer dann angebracht, wenn es um den Erhalt von Fremdheit, um Räumlichkeit statt zeitliche Entwicklung, um Relativierung von Autorität und hierarchischer Sinnordnung, um Aufwertung des Einzelnen gegenüber dem Ganzen geht.


Die Master Class soll ausloten, in welchen Feldern die Kategorie der Beschreibung gerade auch für die jeweiligen Dissertationsprojekte neue Erkenntnisimpulse vermitteln kann: etwa angesichts von Bildern, Fotografie, Raum, Kultur, Dingwahrnehmung, Fremdem und Unheimlichem, von Detailerforschung, Körper, Gewalt. Kann hier die Beschreibung gerade in Situationen von Traditionsbruch und Trauma, von Störungen und Fragmentierungen noch Unbeschreibbares andeuten, wo die Erzählung schon längst keinen Sinn mehr verleihen kann?


Die MC besteht in ihrem 1. Teil aus einer Einführungsvorlesung, im 2. Teil aus einer Lektürediskussion. Im 3. Teil werden (aufgrund vorher eingereichter Fragen) konkrete Anwendungsbezüge zu den eigenen Arbeiten hergestellt, die sich dann in einer sog. „Ertragssitzung“ gegen Ende des Semesters noch vertiefen lassen.


Diskussionsgrundlage: Klaus R. Scherpe, Beschreiben, nicht Erzählen! Beispiele zu einer ästhetischen Opposition: von Döblin und Musil bis zu Darstellungen des Holocaust. Antrittsvorlesung HU Berlin 20. Juni 1994: http://edoc.hu-berlin.de/humboldt-vl/scherpe-klaus/PDF/Scherpe.pdf

 
Stolzenberg Award 2013
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