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Lehrveranstaltung im WS 11/12
Doris Bachmann-Medick: Dinge und Materialität in den Kulturwissenschaften

 
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  • Workshop: GGK/GCSC/IPP | GCSC-Post Graduates | Gemeinsame Veranstaltungen/Conjoint Courses | Master Classes
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  • Workshop: GGK/GCSC/IPP | IPP-Post Graduates | Gemeinsame Veranstaltungen/Conjoint Courses | Master Classes
Semester: WS 11/12
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
  • Di, 10.01.2012, 10:00-14:00, Raum 29 / Room 29 (Phil. I, Haus B / Phil. I, Building B)
  • Di, 07.02.2012, 11:00-13:00, Raum 29 / Room 29 (Phil. I, Haus B / Phil. I, Building B)
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Erste Veranstaltung: 10.01.2012
Teilnahme-
voraussetzung:
  • Anmeldung
Hinweise: Kultur ist nicht nur Text, nicht nur Zeichen und Konstrukt, sondern auch Dinglichkeit und Materialität. Nach dem Verblassen des linguistic turn und den Übertreibungen des Textualismus und Konstruktivismus richten die Kulturwissenschaften in jüngster Zeit ihren Fokus verstärkt auf physische Präsenz und Evidenz, auf material culture, auf Dinge/Objekte/Sachen als Akteure (vor allem in den Science Studies: Bruno Latour, Lorraine Daston). Was bedeutet diese Rehabilitation der Dinge und ihre Loslösung aus Sinn- und Diskursbezügen für unsere kulturwissenschaftliche Arbeit? Wird von hier aus ein spezifisches Konzept von Kultur nahegelegt? Wieweit ist damit eine Abkehr von der Subjektfixierung verbunden, ein neuer Schlüssel zu Wirklichkeitsbezügen? Auch Dinge haben eine Geschichte, sie sind für „Identitätsbildungen“ von Subjekten zentral; auch sie können wichtige historische „Quellen“ und selbst gedächtnisbildend sein.

In der Master Class sollen Ansätze der interdisziplinären Dingforschung aus der Sicht der Material Culture Studies, der Technik-, Konsum- und Kunstgeschichte diskutiert werden. Gefragt werden soll nicht nur: Wie werden Dinge analysiert? Sondern auch: Wie gewinnen Dinge in spezifischen Beziehungen und Austauschprozessen zwischen Subjekten und Objekten ein eigenes Handlungsvermögen? Wie eröffnen sich von da aus neue Erkenntnismöglichkeiten jenseits der Fixierung auf die Autonomisierung der Subjekte gegenüber den Dingen, wie sie für die Moderne zu lange als charakteristisch galt. Für die eigene Arbeit wird zu prüfen sein, wieweit auch dort Subjektfixierungen am Werk sind, wieweit Dinge als Akteure auf gleicher Augenhöhe mit Menschen in den Blick kommen können, welche Rolle Dinge im Zusammenhang von Erinnerung und Gedächtnis spielen, inwieweit das Feld der „travelling concepts“ auch auf „travelling objects“ hin ausgedehnt werden sollte. Wenn in neuerer Zeit von „the social life of things“ (Arjun Appadurai), von der Unverfügbarkeit und Eigensinnigkeit der Dinge, ja von Fetischisierungen die Rede ist, dann wird ein weiter Horizont kultureller Objektphänomene zwischen Dingen, Objekten, Waren, Fetischen, Gaben, Kunstwerken, aber auch Müll abgeschritten, ebenso ein weites Problemfeld von Ausstellen, Sammeln, Aneignen, Konsumieren. Doch auch im Feld der symbollastigen Literaturwissenschaften wäre zu fragen, wieweit selbst dort eine neue Rückkehr zur Materialität und zur „Wirklichkeit“ im Gange ist.

Die MC wird in ihrem 1. Teil aus einer Einführungsvorlesung in das Problemfeld bestehen, im 2. Teil aus der Diskussion einiger kurzer Texte. Im 3. Teil sollen konkrete Anwendungsbezüge zu den eigenen Arbeiten hergestellt werden, die durch vorher eingereichte Fragen effektiver vorbereitet werden können. In einer sog. „Ertragssitzung“ gegen Ende des Semesters wird Gelegenheit gegeben, aus einem Abstand heraus die konkreten Anwendungsmöglichkeiten noch einmal zu überdenken, sie zur Diskussion zu stellen und zu vertiefen.


Diskussionsgrundlage:

- Bernhard Siegert: Türen. Zur Materialität des Symbolischen, in: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 1 (2010), 151-170.
- Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt/M. 2008, S. 7-21; ders.: Die Hoffnung der Pandora. Frankfurt/M. 2002, S. 211-219.
- Hartmut Böhme: Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne. Reinbek 2. Aufl. 2006, S. 84-90; S. 94-100.