Tagungen
Internationale Suche nach regionaler Identität
Die von GCSC, GiZo und Herder-Institut ausgerichtete International Summer School tagte vom 13.-23. Juli auf Schloss Rauischholzhausen sowie im Herder-Institut in Marburg und beschäftigte sich interdisziplinär und mit vielen internationalen TeilnehmerInnen mit ‚Kulturregionen’ und ‚Identitätsregionen’.
"Trotz Jetlag hat sich die Reise für mich heute schon gelohnt, es ist wirklich spannend, die europäische Perspektive auf ‚Regionen’ kennenzulernen", freut sich Sarah Ann Wells nach dem ersten Tag voller intensiver Diskussionen auf Schloss Rauischholzhausen. Zusammen mit über dreißig ausgewählten NachwuchswissenschaftlerInnen sowie renommierten ExpertInnen aus unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus Russland, Polen, Griechenland, Rumänien, Chile und den USA verbrachte die aus Berkeley angereiste Doktorandin der Literaturwissenschaft vom 13. bis 23. Juli 2008 zehn Tage in der Tagungsstätte der Universität Gießen sowie im Marburger Herder-Institut. Gastgeber der International Summer School waren das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) sowie das Herder-Institut Marburg.
Unter dem Motto "Kulturregionen - Identitätsregionen" diskutierten die Teilnehmenden mit ProfessorInnen, PostdoktorandInnen und GastreferentInnen, wie regionale Identitäten konstruiert werden und welche Rolle dabei Kultur spielt. In vier thematischen Workshops, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ihre Promotionsprojekte präsentierten, wurden das Fortleben von Geschichtsregionen, Fragen der Identitätsstiftung durch Sprache und Sprachnormierung sowie die Funktion von regionalen Literaturen, Künsten und alltagskulturellen Praktiken in der Herausbildung von Identitäten debattiert.

Als zentral erwies sich dabei die Einsicht, dass der Begriff der Region einerseits immer in Beziehung zu anderen territorialen Einheiten wie der Nation steht und dass er andererseits immer eine konstruierte Einheit beschreibt, deren Grenzen historisch fließend sind. Regionen können dabei mehrere Länder umfassen, wie beispielsweise die Ostseeregion, mit deren inneren und äußeren Grenzen sich der sowohl lehrreiche als auch sehr unterhaltsame Vortrag von Prof. Michael North aus Greifswald beschäftigte. Umgekehrt können sie auch ein kleineres Gebiet innerhalb eines Landes beschreiben, wie etwa eine angestrebte Metropolregion Nord-West um die Städte Bremen, Bremerhaven und Oldenburg. Zwei Nachwuchssoziologen aus Oldenburg untersuchen in ihrem Projekt, ob diese institutionell geplante Region auch bei den dort lebenden Menschen ankommt, ob es also eine regionale Kultur und Identität Nord-West gibt oder wie diese erst konstruiert wird.
Mit der Rolle der Sprache für regionale Identität am Beispiel der Sorben beschäftigte sich die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag des Slawisten Prof. Christian Prunitsch. Sprache ist zwar kein notwendiger aber doch ein sehr starker Faktor für die Bildung regionaler Identität und für kreatives Potential einer regionalen Kultur. Zu einer Weitung des Blicks in Richtung Lateinamerika und dortiger Kulturregionen führte der Vortrag der chilenischen Professorin Ana Pizarro, die nicht nur für den Vortrag angereist war, sondern die ganze Woche aktiv an den Diskussionen teilnahm.
Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Exkursion ins Frankfurter Museum der Weltkulturen sowie ins Mainzer Institut für Europäische Geschichte, die den Teilnehmenden eine weitere Perspektive auf das Thema der International Summer School bot. Danach konnten die theoretisch erarbeiteten Konzepte an drei Tagen Projekt- und Archivarbeit am Marburger Herder-Institut in konkreter Forschung anhand von Bild- und Kartenmaterialien angewandt werden. "Die interdisziplinäre und interkulturelle Herangehensweise dieser Summer School hat mir ganz neue Perspektiven auf mein eigenes Promotionsprojekt eröffnet", resümiert Gabriela Boangiu aus Rumänien nach zehn Tagen angeregten Diskussionen und freut sich auf ein mögliches Wiedersehen bei zukünftigen Summer Schools.
Ein
ausführlicher Tagungsbericht wurde auf H-Soz-u-Kult veröffentlicht, eine Publikation der Beiträge im Rahmen unserer GCSC Schriftenreihe ist in Arbeit.
Mirjam Bitter © Foto: Dorothea Walter Internationale Konferenz "Anders: Identitäten"
Mit der internationalen Konferenz "Anders: Identitäten", die vom 6. bis zum 8. November 2008 im Gästehaus der JLU stattfand, präsentierte die GCSC-Research Area Culture & Identities ihre Forschungsergebnisse und diskutierte zusammen mit den Gastrednern Prof. Peter Zima und Prof. Sabine Sielke vielfältige Fragen im Zusammenhang mit Identitätskonstruktionen, deren (literarischer) Problematisierung und mit Prozessen der Identifizierung. Mit der internationalen Konferenz "Anders: Identitäten" (6.-8. November 2008) setzte die Research Area (RA) Culture & Identities des GCSC eine erste Wegmarke der durchgeführten Aktivitäten und erzielten Ergebnisse seit ihrer formellen Konstitution vor etwa eineinhalb Jahren.
Aufbauend auf die in den Jahren 2007 und 2008 veranstalteten internen Lektüreworkshops und den zahlreichen Dialogen mit auswärtigen Gästen durch Workshops, Master Classes oder Vorträge, entwickelte sie ein Tagungskonzept, das die vielfachen Perspektiven innerhalb der Research Area zu spiegeln und produktiv zu machen suchte. In sechs Sektionen wurden so von Gießener und auswärtigen WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Kirgisistan, Kolumbien und Japan vielfältige Fragen im Zusammenhang mit Identitätskonstruktionen und Identifizierungen zur Diskussion gestellt, die Brüche/Brüchigkeit, literarische Problematisierung, medialen Umgang, Körperlichkeit, Verlusterfahrung sowie das Wechselverhältnis von Moderne und Postmoderne einschlossen.
Für den Eröffnungsvortrag konnte der Komparatist Prof. Peter V. Zima von der Universität Klagenfurt gewonnen werden, der anhand einer sehr profunden Reflexion über "Narzissmus zwischen Ichideal und Idealich" das Augenmerk auf grundlegende Probleme postmoderne Identitätsbildungen lenkte. Die anschließende, intensive und teilweise kontroverse Diskussion um Handhabungen und Bewertungen der subjektiven Identitätskonstruktion und ihrer kulturellen Einbettung bot den denkbar besten Auftakt für die dreitägige Konferenz, denn auch die Sektionsarbeit war von sehr produktiven und kritischen Diskussionen geprägt.

Einen nicht weniger idealen Abschluss bildete der Plenarvortrag der Amerikanistin Prof. Sabine Sielke von der Universität Bonn zu "Identities under Erasure". Mit ihrer These einer dringend notwendigen Ausweitung der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit Identitätsfragen, die die Natur- und speziell die Neurowissenschaften einbezieht, provozierte sie eine substanzielle Selbstbefragung des kulturwissenschaftlichen Arbeitens und lieferte einen möglichen Ausblick für zukünftiges Denken und weitere Projekte auch innerhalb der RA Culture & Identities.
Insgesamt waren die drei Tage intensiven Dialogs und Arbeitens von einer angenehmen Atmosphäre gegenseitigen Interesses und Respekts geprägt, aus der Kontakte, Vernetzungen, Austausch und Anregungen entstanden, die in der künftigen Arbeit der RA Culture & Identities fruchtbar gemacht werden können. Die OrganisatorInnen Dr. Sonja Altnöder, Martin Lüthe und Dr. Marcel Vejmelka bedanken sich bei allen TeilnehmerInnen und denjenigen, deren Hilfe im Vorfeld und bei der Durchführung die Tagung "Anders: Identitäten" erst möglich gemacht haben. Vor allem aber gilt der Dank der RA Prof. Hartmut Stenzel. Eine Publikation der Beiträge ist in Vorbereitung.
Dr. Sonja Altnöder, Martin Lüthe, Dr. Marcel Vejmelka
© Foto: Katharina Luh Tagungsbericht Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke (14.-15.11.2008)
Mit ihrer Tagung über "Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke" hat die AG Hochschuldidaktik exemplarische Modelle für gelungene Lehrveranstaltungen diskutiert und dabei zugleich die Frage in den Blick genommen, welche Rolle didaktische Kompetenzen über die Lehre hinaus in Wissensgesellschaften spielen. 
Die Tagung Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke der AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaft gab dem Austausch der in Literatur- und Kulturwissenschaften Lehrenden ein Forum. NachwuchswissenschaftlerInnen, DozentIinnen und ProfessorInnen diskutierten mit großem Engagement die spezifischen didaktischen Aufgaben, die sich in der literatur- und kulturwissenschaftlichen Lehre stellen. Dabei wurden Aufgaben und Formen literatur- und kulturwissenschaftlicher Hochschullehre konturiert und Modelle sowie konkrete Handreichungen für die Planung und Durchführung von Seminaren und einzelnen Lehreinheiten präsentiert. Zu Beginn der Tagung fokussierte Wolfgang Hallet die Bedeutung der Didaktik und der Literatur für die Wissensgesellschaft. Walter Delabar ging detailliert auf die Funktion der Universitätslehrer als Wissenschaftscoaches ein, die die Studierenden auch auf außerfachliche Berufsfelder vorbereiteten. Als ein Angebot in diese Richtung kann das Teaching Centre des GCSC gesehen werden, das durch Stefanie Bock vorgestellt wurde. Auf großes Interesse und Bereitschaft zur Mitwirkung stieß der Vorschlag von Dorothee Birke und Stella Butter, im Anschluss an die bisherige Arbeit der AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaft eine hochschuldidaktische Materialsammlung im Internet zu verwalten, die für alle Lehrende offen stehen und auf gegenseitigem Geben und Nehmen von innovativen und bewährten Unterrichtsvorschlägen basieren soll.
Als erste Beiträge zu einer solchen Datenbank können die im weiteren Verlauf vorgestellten konkreten Unterrichtsbeispiele und Methoden der literaturwissenschaftlichen Hochschullehre verstanden werden, die ein breites Spektrum an Anregungen umfassten. Hier wurde sowohl der Herausforderung großer Seminargruppen mit spezifischen Arbeitsformen begegnet (Volkhard Wels), als auch Formen teilnehmerzentrierter Lehre in angemessenen Seminargrößen diskutiert, die das kooperative und gruppendynamische Lernen der Studierenden in den Vordergrund stellen (Kirsten Prinz). Hania Siebenpfeiffer unterstrich in diesem Sinne die Bedeutung selbstverantwortlichen Lernens und ersten Forschens in freier, doch moderierter Gruppenarbeit. Katrin Lehnen profilierte das Potenzial des Schreibens im Studium, das in der Lehre stärker als Lernmedium genutzt werden sollte. Daran anschließend stellte Sarah Heinz vor, wie das Schreiben einer Autobiographie Theorie, Literatur und gelebte Erfahrung verbinden kann. Welchen Lernerfolg Schauspiel im Literaturunterricht haben kann, zeigte Cora Dietl anschaulich am Beispiel des im Rahmen der 400-Jahr-Feier der JLU Gießen aufgeführten Theaterstücks "Prinzenraub". Mit der Problematisierung der Dichotomie von Form und Inhalt (Daniel Randau) sowie der Vermittlung ästhetischer Diskurse (Monika Sproll) wurden klassische Unterrichtsgegenstände der Literaturwissenschaft in forschungsnahen Lehrkonzepten fruchtbar gemacht. Schließlich führte Sabine Fritz anhand des Konzepts EVA (Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen) in die Möglichkeiten eines gruppenorientierten Landeskundeunterrichts ein.
Die vielfältigen Beiträge regten lebhafte Diskussionen an, in denen die Einsatzoptionen unterschiedlicher Arbeitsformen im jeweiligen Lehrkontext ausgelotet und die Übertragbarkeit dieser Konzepte erwogen wurde. Mit der Tagung Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke hat die AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaften eine kreative Diskussion über hochschuldidaktische Fragen der Literatur- und Kulturwissenschaft initiiert, über dessen Fortsetzung Einigkeit unter den Teilnehmenden besteht. In Kürze werden die Beiträge in einer Publikation dokumentiert.
Monika Sproll und Ursula Arning
© Foto: Katharina Luh
'Narrative Networks' - Eine Tagung der Research Area Culture and Narration
In Geschichten verstrickt – Eine Tagung der Research Area Culture and Narration begab sich auf die Suche nach Fakten und Fiktionen
Vom 5.-7. Dezember fand die Tagung "Narrative Networks" im Alexander-von-Humboldt-Gästehaus der Justus-Liebig-Universität statt. Organisiert wurde die Veranstaltung mit 22 erkenntnisreichen Vorträgen von der Research Area Culture and Narration. Der Mensch ist schon als Handelnder immer in Geschichten verstrickt, die Vorgänge Handeln-Erleben-Wahrnehmen-Erzählen lassen sich also nicht sauber voneinander trennen und linear anordnen. Auf diese Erkenntnis des Juristen und nebenberuflichen Philosophen Wilhelm Schapp griff Dr. Axel Rüth (Köln) bei seinem Keynote-Vortrag zum Verhältnis von Fiktionalität, Narration und Kultur am ersten Tagungstag von "Narrative Networks: Kultur und Narration im Spannungsfeld von Fakten und Fiktionen" zurück. Zu der Tagung mit ihren 22 erkenntnisreichen Vorträgen eingeladen hatte die GCSC-Research Area Culture and Narration vom 5.-7. Dezember im Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Ganz im Sinne der Ubiquität von Erzählungen und der Erkenntnis, dass literarische Erzählungen, folgt man Prof. Wolfgang Müller-Funk (Wien), nur den Sonderfall einer generellen Praxis unserer Kultur darstellen, wurden narrative Netzwerke über Disziplinengrenzen hinweg geknüpft. So beschrieb etwa Barbara Dieris aus Münster, welche zusätzlichen Erkenntnisse das Einbeziehen literarisch-fiktionaler Texte für ihre psychologische Analyse erbrachten; und auch die Pädagogin Claudia El Hawary aus Köln zieht im Rahmen interkultureller Bildungsforschung und Untersuchungen zu Sprachmigration autobiographische Romane mit heran, da diese das Material bereits anordnen und deuten und eine entwickeltere Reflexionskompetenz vorweisen als die Erzählungen narrativer Interviews.

Keynote Speaker PD Dr. Gerald Echterhoff (Bremen) erläuterte aus psychologischer Sicht seine datengestützte Erkenntnis, dass Erzählen nicht nur die Zuhörer, sondern den Erzähler selbst beeinflussen kann, der durch das Anpassen seiner Geschichte an die angenommene Meinung der Zuhörer seine eigene Erinnerung modifiziert.
Dass Fiktionalisierung – vielleicht durch eben jenen Effekt? – eine Möglichkeit sein kann, mit faktischen und eventuell traumatischen Ereignissen der beiden Weltkriege umzugehen, wurde ebenso anhand verschiedener Vorträge verdeutlicht, wie scheinbar eindeutig faktuale Texte, etwa offizielle Berichte über den Untergang der "Estonia", auf ihre Erzählstrategien untersucht und mit solchen fiktionaler Filme verglichen wurden.
Die Macht der Fiktion in einer Erzählgemeinschaft zeigt sich besonders deutlich an kulturellen Ursprungsnarrativen. Am Beispiel von John Fords Western The Man Who Shot Liberty Valance veranschaulichte der Gießener Kultursoziologe PD Dr. Jörn Ahrens den darin enthaltenen sozialen Gründungsmythos der USA, handelt doch der Western stets von der Urbarmachung der Wildnis. Dabei muss das Gründungsereignis, das hier dem archaischen Opfer ähnelt, gar nicht wirklich stattgefunden haben, solange es eine Geschichte gibt, die dies behauptet.
Während Melina Gehring im zunehmend menschlichen Antlitz des Minotaurus in zeitgenössischen Adaptionen aus den USA eher eine Entmythisierung vorfand, ist in der Erzählgemeinschaft Islands für mindestens 80 Prozent der Einwohner Fakt, was andere Europäer eindeutig der Fiktion zuordnen würden: das unsichtbare Huldufolk. Mit dieser poetischen Aufladung des isländischen Alltags wird nach Maren Conrad (Kiel) der bei drei Einwohnern pro Quadratkilometer recht weite Raum zwischen den Einwohnern Islands mit Narration gefüllt und die Erzählgemeinschaft durch die Elfenpopulation narrativ vergrößert.
Dass es nicht nur im heutigen Europa Unterschiede in der Wahrnehmung von Fakten und Fiktionen gibt, sondern dass die Klassifizierung eines Textes als fiktional oder faktual auch von historischen Wandlungen abhängt, zeigt sich an einer Textsorte wie der Heiligenlegende, deren bildlicher Darstellung sowie den Erzählstrategien des Mediums Bild sich Miriam Hoffmann (Kiel) widmete.
Die Unwahrheitsvermutung gegenüber Erzählungen, die sich im österreichischen Ausspruch "Erzähl keine G’schichtn!" kondensiert, lässt sich nicht nur auf inhaltlicher Ebene untersuchen. Auch strukturell können Texte lügen, wie der Wiener Germanist und Philosoph Prof. Wolfgang Müller-Funk, der im kommenden Semester Senior Research Fellow am GCSC sein wird, in seinem Keynote-Vortrag "Zur Ethik der Ästhetik des Erzählens" plausibel anhand der in Norbert Gstreins Roman Das Handwerk des Tötens kritisierten epischen Naivitität journalistischer Kriegserzählungen veranschaulichte.
In den vernetzenden Diskussionen, deren Fruchtbarkeit und Kollegialität im Abschlussgespräch besonders gelobt wurden, konnte allerdings ebenso wenig abschließend geklärt werden, wo in diesem Geschichtengeflecht, in dem wir uns alle befinden, der Ort des Erzählers ist – oder ob es sich eher um ein multidimensionales, nicht-hierarchisches, dezentrales Netzwerk in beständiger Transformation wie etwa das Rhizom handelt, das Daniela Meinhardt (Gießen) am Beispiel des Wissensmodells in Umberto Ecos Il pendolo di Foucault erläuterte –, wie die Frage nach den möglichen Grenzen zwischen Fakten und Fiktionen, die je nach Perspektive anders gezogen werden, allerdings gerade durch das beständige Überschreiten sichtbar werden.
Das Netz aus wissenschaftlichen Narrationen wird zunächst ein ausführlicher Tagungsbericht weiterspinnen, den die sechs OrganisatorInnen im Rahmen unseres Rezensionsmagazins KULT_online veröffentlichen werden. Darüber hinaus steht die Publikation eines Tagungsbandes in Aussicht.
Mirjam Bitter
© Foto: Katharina Luh