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GGK/GCSC-Newsletter 3/08

Liebe Mitglieder von GGK und GCSC,
liebe Partner und Freunde des Graduiertenzentrums!

WeihnachtsgrußWahrscheinlich sind auch Sie gerade mitten im Spagat zwischen dem gehetzten Bemühen, vor Jahresende noch dies oder jenes zu erledigen, und dem täglich größer werdenden Wunsch nach etwas Gemütlichkeit und erholsamer vorweihnachtlicher Stimmung. Die Zeit des Jahreswechsels ist traditionell ein Anlass für Rückblick und Vorausschau – mit diesem Newsletter möchten wir Sie einladen, auf dem Endspurt vor Weihnachten mit uns kurz innezuhalten und noch einmal viele spannende und bereichernde Erlebnisse und Geschichten der letzten Monate Revue passieren zu lassen. Sie werden sehen: GGK/GCSC sind ein so vielfältiger und lebendiger Ort mit einer Vielzahl abwechslungsreicher Veranstaltungen geworden, dass alle, die täglich als Mitglieder, Mitarbeiter oder als externe Kooperationspartner und interessierte Freunde zum Leben am Graduiertenzentrum beitragen, sich einige erholsame Tage mehr als verdient haben. Zugleich lenkt dieser Newsletter den Blick auch auf das neue Jahr, und wir hoffen, wir können neben der Rückschau auch Ihre Vorfreude auf einige Höhepunkte in der Zukunft wecken.

„Change depends on exchange!“ – Dies könnte das Motto nicht nur dieses Newsletters, sondern der Arbeit an GGK/GCSC insgesamt sein. Die Internationalisierung und der wissenschaftliche Austausch bilden zwei zentrale Ziele des Graduiertenzentrums, sie ziehen sich auch wie ein roter Faden durch die vielfältigen Themen dieses Newsletters: Erfahren Sie mehr über unser neues internationales PhD-Network for Literary and Cultural Studies, das fünf internationale Graduiertenzentren zu einem attraktiven Netzwerk für DoktorandInnen verknüpft. Lesen Sie über die vielfältigen von unseren Research Areas organisierten Tagungen, die den wissenschaftlichen Dialog weit über das Graduiertenzentrum hinaus national und international fördern. Und begleiten Sie im Geiste einige Mitglieder von GGK/GCSC auf zahlreiche internationale Reisen der letzten Monate – von einem Doktorandenkolloquium nach Paris über eine Messereise nach Russland und in die Ukraine bis zu einer Präsentationsreise der Exzellenzinitiative in die USA, die neue Dimensionen transatlantischer Kooperationsperspektiven eröffnet hat.

Internationale Zusammenarbeit kann nur Erfolg haben, wenn zunächst vor Ort hervorragende Arbeit geleistet wird. Wir freuen uns, dass in den vergangenen Monaten gleich mehrere Mitglieder für ihre wissenschaftlichen Projekte, aber auch für ihr gesellschaftliches Engagement prämiert worden sind – hierzu lesen Sie unten ebenso mehr wie über die Profile unserer drei Gastwissenschaftler, die einen weiteren wichtigen Beitrag zur Bereicherung des wissenschaftlichen Austauschs leisten. Schließlich wird in Gießen nicht nur über Kunst und Kultur geforscht, sondern auch Kunst ausgestellt: Eine noch im ganzen Semester laufende Ausstellung der Kulturmanagement AG holt zumindest fotografisch den Sommer in den Gießener Winter und lädt zusätzlich zu einem Besuch von GGK/GCSC ein.

Wir wünschen uns, dass das Graduiertenzentrum auch im neuen Jahr ein Ort für vielfältige Initiativen und Engagement auf vielen Ebenen bleibt. Exzellenz ist nie ein abgeschlossenes Ergebnis, sondern ein fortlaufender Prozess und ein andauerndes Bemühen. Wir freuen uns deshalb schon auf die vielen Initiativen und Anregungen, die das neue Jahr bringen wird. Und wir bedanken uns bei Ihnen allen, die im nun endenden Jahr zum spannenden und vielfältigen akademischen Leben am Graduiertenzentrum beigetragen haben und unsere Arbeit mit Interesse und Sympathie verfolgt haben. Allen Mitgliedern, Partnern und Freunden von GGK/GCSC wünschen wir schöne Feiertage und alles Gute für das kommende Jahr!

Herzliche Grüße
Ansgar Nünning / Martin Zierold
Geschäftsführender Direktor / Geschäftsführer

Rückblick


Von Grußworten, Schlössern und weißen Rosen – der Auftakt des akademischen Jahres 2008/09


Feierlich begann das akademische Jahr 2008/09 am 20. Oktober im Alexander-von-Humboldt Gästehaus. Hier wurden die neuen Mitglieder von GCSC, IPP sowie des neuen PhDnet "Literary and Cultural Studies" willkommen geheißen. Zwei Wochen später während des Eröffnungsworkshops vom 4. bis 5. November, verlagerte sich der Veranstaltungsfokus auf wissenschaftliche und organisatorische Aspekte der Promotion, über die sich die neuen Mitglieder mit gleichem Engagement und Enthusiasmus austauschten.

Über 50 weiße Rosen wurden am 20. Oktober 2008 im Gästehaus der Justus Liebig Universität Gießen verteilt. Eine Hochzeit wurde hier allerdings nicht gefeiert, sondern die Begrüßung der neuen Doktorandenjahrgänge. Dabei wurden nicht nur die neuen Mitglieder des GCSC sowie des IPP willkommen geheißen, sondern erstmals auch jene des neuen PhDnet "Literary and Cultural Studies". Insgesamt 39 Studierende aus Deutschland, Österreich, der Ukraine, Polen, Kroatien, Kasachstan, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien erhielten als neue Mitglieder neben einer weißen Rose auch ihre offiziellen Aufnahmeurkunden.

Welcome CeremonyZwei Wochen später, vom 4. bis 5. November, fand der Eröffnungsworkshop auf Schloss Rauischholzhausen statt, an dem auch die Stipendiaten der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) teilnahmen. Damit verlagerte sich der Veranstaltungsfokus in beeindruckender Umgebung auf wissenschaftliche und organisatorische Fragen in Sachen Promotion. In hohen Sälen und verwinkelten Türmchen stellten die Doktoranden des 3. Jahrgangs ihre Projekte vor. Anschließend wurde im Rahmen kleinerer Arbeitsgruppen darüber reflektiert, was es bedeutet, Kulturwissenschaften zu betreiben. Der abendliche Impulsvortrag von Prof. Ansgar Nünning verdeutlichte das Selbstverständnis des GCSC als exzellente learning institution, die sichtbare Beiträge zur kulturwissenschaftlichen Forschung leistet. Angeregt durch die vielfältigen Themen, Fragestellungen und Denkanstöße eines inhaltsreichen ersten Tages wurde abends im Schlosskeller weiter diskutiert.

Am Mittwoch standen Erläuterungen und Hinweise im Mittelpunkt, die vor allem organisatorische Aspekte der Promotionszeit am GCSC betrafen. Der Eröffnungsworkshop ermöglichte es, offene Fragen zu klären, Anregungen und Motivation zu vermitteln und bot Raum für konstruktive Kritik. Darüber hinaus gab er die Möglichkeit, die kulturwissenschaftliche Verortung des eigenen Projektes zu konkretisieren und die Konzeption der GCSC-Research Areas anhand kulturwissenschaftlicher Schlüsselbegriffe nachzuvollziehen. Last but not least ermunterte der Workshop zu leistungsfördernder Selbstreflexion und Selbstkritik.
Der Workshop machte deutlich: Bekenntnis zur Neugier und Bereitschaft zur Leistung stimmen hoffnungsfroh, dass das GCSC sich zum Garanten für Nachhaltigkeit in der geisteswissenschaftlichen Forschung entwickeln wird. In diesem Sinne: join an excellent team!

Caroline Rothauge und Elisa Antz

© Foto: Stephanie Nickel

Start des neuen European PhDnet "Literary and Cultural Studies"


Erst kurz vor Semesterbeginn fiel die Entscheidung: Der DAAD finanziert das neue European PhDnet "Literary and Cultural Studies". Dies ermöglicht DoktorandInnen der JLU sowie der Partnerinstitutionen in Helsinki, Stockholm, Bergamo und Lissabon einen akademischen Doppelabschluss. Zur Einführungswoche im Oktober kamen alle Mitglieder in die "Hauptstadt der Doktoranden" nach Gießen.

PhD-net SeminarKaum vom DAAD bewilligt, setzte das PhDnet schon in der Einführungswoche vom 20.-23. Oktober 2008 Akzente für interaktive und länderübergreifende Forschung. Basis des neuen Netzwerkes sind bilaterale Abkommen zwischen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und vier weiteren Hochschulen in Helsinki, Bergamo, Stockholm und Lissabon. Ingesamt zwölf NachwuchsforscherInnen kulturwissenschaftlicher Fächer, darunter vier DoktorandInnen der JLU, nehmen an dem akademischen Pilotprojekt teil. Nach Beendigung des dreijährigen Programms werden sie den Doktorgrad von der Heimat- sowie von der Partneruniversität verliehen bekommen.

Trotz der kurzfristigen Vorbereitungszeit reisten die Professorinnen Isabel Capeloa Gil, Andrea Locatelli, Pirjo Lyytikäinen und Elisabeth Waghall Nivre sowie die ausgewählten DoktorandInnen pünktlich zur Einführungswoche an. Kerstin Lundström räumt ein, sich am Anfang gefragt zu haben, welche Kriterien wohl die Stadt Gießen vor allen anderen Städten Deutschlands auszeichnen mögen? Während der induction week sei ihr jedoch rasch bewusst geworden: Gießen ist "Germany’s capital for PhDstudents" – Deutschlands "Hauptstadt der Doktoranden". Denn in Gießen, so Lundström, würden PhDstudents nicht sich selbst überlassen, sondern systematisch in vielseitige Netzwerke integriert.

PhD-net GruppenbildVon der Gießener Arbeitsatmosphäre zeigten sich die Besucher beeindruckt. So war Diana Goncalves überrascht von der Vielseitigkeit der Dissertationsthemen. Diese reichen von Hanna Makelas Untersuchungen von mimetischem Verlangen in zeitgenössischen englischen Romanen, über Lieven Ameels Betrachtung literarischer Helsinki-Darstellungen zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts bis zu Vincenzo Martellos Frage nach der Bedeutung des Kulturbegriffs bei der westdeutschen Identitätsbildung in den Nachkriegsjahren. Alle Dissertationsvorhaben wurden nicht nur vorgestellt, sondern – wie Linda Karlsson anmerkte – durch "ebenso intensive wie inspirierende Diskussionen" ergänzt. Diesem Urteil können sich die deutschen TeilnehmerInnen Robert Vogt, Anna Rettberg, Sarah Rauf und Elisa Antz nur anschließen.

Praktisch bedeutet die Mitgliedschaft im PhDnet für die DoktorandInnen in den nächsten drei Jahren unter anderem die Teilnahme an je einem Symposium und einer Konferenz pro Semester, die Beteiligung in zwei Research Groups sowie einen neunmonatigen Aufenthalt an der jeweiligen Partneruniversität. Die Portugiesin Teresa Ferreira schätzt das akademische Pilotprojekt deshalb zwar als "enorm anspruchsvoll" ein. Sicher ist sie jedoch: "So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben – die muss man nutzen."

© Foto: Stephanie Nickel

Tagungen


Internationale Suche nach regionaler Identität


Die von GCSC, GiZo und Herder-Institut ausgerichtete International Summer School tagte vom 13.-23. Juli auf Schloss Rauischholzhausen sowie im Herder-Institut in Marburg und beschäftigte sich interdisziplinär und mit vielen internationalen TeilnehmerInnen mit ‚Kulturregionen’ und ‚Identitätsregionen’.

"Trotz Jetlag hat sich die Reise für mich heute schon gelohnt, es ist wirklich spannend, die europäische Perspektive auf ‚Regionen’ kennenzulernen", freut sich Sarah Ann Wells nach dem ersten Tag voller intensiver Diskussionen auf Schloss Rauischholzhausen. Zusammen mit über dreißig ausgewählten NachwuchswissenschaftlerInnen sowie renommierten ExpertInnen aus unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus Russland, Polen, Griechenland, Rumänien, Chile und den USA verbrachte die aus Berkeley angereiste Doktorandin der Literaturwissenschaft vom 13. bis 23. Juli 2008 zehn Tage in der Tagungsstätte der Universität Gießen sowie im Marburger Herder-Institut. Gastgeber der International Summer School waren das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) sowie das Herder-Institut Marburg.

Unter dem Motto "Kulturregionen - Identitätsregionen" diskutierten die Teilnehmenden mit ProfessorInnen, PostdoktorandInnen und GastreferentInnen, wie regionale Identitäten konstruiert werden und welche Rolle dabei Kultur spielt. In vier thematischen Workshops, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ihre Promotionsprojekte präsentierten, wurden das Fortleben von Geschichtsregionen, Fragen der Identitätsstiftung durch Sprache und Sprachnormierung sowie die Funktion von regionalen Literaturen, Künsten und alltagskulturellen Praktiken in der Herausbildung von Identitäten debattiert.

AG Raum Als zentral erwies sich dabei die Einsicht, dass der Begriff der Region einerseits immer in Beziehung zu anderen territorialen Einheiten wie der Nation steht und dass er andererseits immer eine konstruierte Einheit beschreibt, deren Grenzen historisch fließend sind. Regionen können dabei mehrere Länder umfassen, wie beispielsweise die Ostseeregion, mit deren inneren und äußeren Grenzen sich der sowohl lehrreiche als auch sehr unterhaltsame Vortrag von Prof. Michael North aus Greifswald beschäftigte. Umgekehrt können sie auch ein kleineres Gebiet innerhalb eines Landes beschreiben, wie etwa eine angestrebte Metropolregion Nord-West um die Städte Bremen, Bremerhaven und Oldenburg. Zwei Nachwuchssoziologen aus Oldenburg untersuchen in ihrem Projekt, ob diese institutionell geplante Region auch bei den dort lebenden Menschen ankommt, ob es also eine regionale Kultur und Identität Nord-West gibt oder wie diese erst konstruiert wird.

Mit der Rolle der Sprache für regionale Identität am Beispiel der Sorben beschäftigte sich die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag des Slawisten Prof. Christian Prunitsch. Sprache ist zwar kein notwendiger aber doch ein sehr starker Faktor für die Bildung regionaler Identität und für kreatives Potential einer regionalen Kultur. Zu einer Weitung des Blicks in Richtung Lateinamerika und dortiger Kulturregionen führte der Vortrag der chilenischen Professorin Ana Pizarro, die nicht nur für den Vortrag angereist war, sondern die ganze Woche aktiv an den Diskussionen teilnahm.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Exkursion ins Frankfurter Museum der Weltkulturen sowie ins Mainzer Institut für Europäische Geschichte, die den Teilnehmenden eine weitere Perspektive auf das Thema der International Summer School bot. Danach konnten die theoretisch erarbeiteten Konzepte an drei Tagen Projekt- und Archivarbeit am Marburger Herder-Institut in konkreter Forschung anhand von Bild- und Kartenmaterialien angewandt werden. "Die interdisziplinäre und interkulturelle Herangehensweise dieser Summer School hat mir ganz neue Perspektiven auf mein eigenes Promotionsprojekt eröffnet", resümiert Gabriela Boangiu aus Rumänien nach zehn Tagen angeregten Diskussionen und freut sich auf ein mögliches Wiedersehen bei zukünftigen Summer Schools.

Ein ausführlicher Tagungsbericht wurde auf H-Soz-u-Kult veröffentlicht, eine Publikation der Beiträge im Rahmen unserer GCSC Schriftenreihe ist in Arbeit.

Mirjam Bitter

© Foto: Dorothea Walter

Internationale Konferenz "Anders: Identitäten"


Mit der internationalen Konferenz "Anders: Identitäten", die vom 6. bis zum 8. November 2008 im Gästehaus der JLU stattfand, präsentierte die GCSC-Research Area Culture & Identities ihre Forschungsergebnisse und diskutierte zusammen mit den Gastrednern Prof. Peter Zima und Prof. Sabine Sielke vielfältige Fragen im Zusammenhang mit Identitätskonstruktionen, deren (literarischer) Problematisierung und mit Prozessen der Identifizierung.

Mit der internationalen Konferenz "Anders: Identitäten" (6.-8. November 2008) setzte die Research Area (RA) Culture & Identities des GCSC eine erste Wegmarke der durchgeführten Aktivitäten und erzielten Ergebnisse seit ihrer formellen Konstitution vor etwa eineinhalb Jahren.

Aufbauend auf die in den Jahren 2007 und 2008 veranstalteten internen Lektüreworkshops und den zahlreichen Dialogen mit auswärtigen Gästen durch Workshops, Master Classes oder Vorträge, entwickelte sie ein Tagungskonzept, das die vielfachen Perspektiven innerhalb der Research Area zu spiegeln und produktiv zu machen suchte. In sechs Sektionen wurden so von Gießener und auswärtigen WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Kirgisistan, Kolumbien und Japan vielfältige Fragen im Zusammenhang mit Identitätskonstruktionen und Identifizierungen zur Diskussion gestellt, die Brüche/Brüchigkeit, literarische Problematisierung, medialen Umgang, Körperlichkeit, Verlusterfahrung sowie das Wechselverhältnis von Moderne und Postmoderne einschlossen.

Für den Eröffnungsvortrag konnte der Komparatist Prof. Peter V. Zima von der Universität Klagenfurt gewonnen werden, der anhand einer sehr profunden Reflexion über "Narzissmus zwischen Ichideal und Idealich" das Augenmerk auf grundlegende Probleme postmoderne Identitätsbildungen lenkte. Die anschließende, intensive und teilweise kontroverse Diskussion um Handhabungen und Bewertungen der subjektiven Identitätskonstruktion und ihrer kulturellen Einbettung bot den denkbar besten Auftakt für die dreitägige Konferenz, denn auch die Sektionsarbeit war von sehr produktiven und kritischen Diskussionen geprägt.

Anders IdentitätenEinen nicht weniger idealen Abschluss bildete der Plenarvortrag der Amerikanistin Prof. Sabine Sielke von der Universität Bonn zu "Identities under Erasure". Mit ihrer These einer dringend notwendigen Ausweitung der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit Identitätsfragen, die die Natur- und speziell die Neurowissenschaften einbezieht, provozierte sie eine substanzielle Selbstbefragung des kulturwissenschaftlichen Arbeitens und lieferte einen möglichen Ausblick für zukünftiges Denken und weitere Projekte auch innerhalb der RA Culture & Identities.

Insgesamt waren die drei Tage intensiven Dialogs und Arbeitens von einer angenehmen Atmosphäre gegenseitigen Interesses und Respekts geprägt, aus der Kontakte, Vernetzungen, Austausch und Anregungen entstanden, die in der künftigen Arbeit der RA Culture & Identities fruchtbar gemacht werden können. Die OrganisatorInnen Dr. Sonja Altnöder, Martin Lüthe und Dr. Marcel Vejmelka bedanken sich bei allen TeilnehmerInnen und denjenigen, deren Hilfe im Vorfeld und bei der Durchführung die Tagung "Anders: Identitäten" erst möglich gemacht haben. Vor allem aber gilt der Dank der RA Prof. Hartmut Stenzel. Eine Publikation der Beiträge ist in Vorbereitung.

Dr. Sonja Altnöder, Martin Lüthe, Dr. Marcel Vejmelka

© Foto: Katharina Luh


Tagungsbericht Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke (14.-15.11.2008)


Mit ihrer Tagung über "Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke" hat die AG Hochschuldidaktik exemplarische Modelle für gelungene Lehrveranstaltungen diskutiert und dabei zugleich die Frage in den Blick genommen, welche Rolle didaktische Kompetenzen über die Lehre hinaus in Wissensgesellschaften spielen.

LehrstückeDie Tagung Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke der AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaft gab dem Austausch der in Literatur- und Kulturwissenschaften Lehrenden ein Forum. NachwuchswissenschaftlerInnen, DozentIinnen und ProfessorInnen diskutierten mit großem Engagement die spezifischen didaktischen Aufgaben, die sich in der literatur- und kulturwissenschaftlichen Lehre stellen. Dabei wurden Aufgaben und Formen literatur- und kulturwissenschaftlicher Hochschullehre konturiert und Modelle sowie konkrete Handreichungen für die Planung und Durchführung von Seminaren und einzelnen Lehreinheiten präsentiert. Zu Beginn der Tagung fokussierte Wolfgang Hallet die Bedeutung der Didaktik und der Literatur für die Wissensgesellschaft. Walter Delabar ging detailliert auf die Funktion der Universitätslehrer als Wissenschaftscoaches ein, die die Studierenden auch auf außerfachliche Berufsfelder vorbereiteten. Als ein Angebot in diese Richtung kann das Teaching Centre des GCSC gesehen werden, das durch Stefanie Bock vorgestellt wurde. Auf großes Interesse und Bereitschaft zur Mitwirkung stieß der Vorschlag von Dorothee Birke und Stella Butter, im Anschluss an die bisherige Arbeit der AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaft eine hochschuldidaktische Materialsammlung im Internet zu verwalten, die für alle Lehrende offen stehen und auf gegenseitigem Geben und Nehmen von innovativen und bewährten Unterrichtsvorschlägen basieren soll.

Als erste Beiträge zu einer solchen Datenbank können die im weiteren Verlauf vorgestellten konkreten Unterrichtsbeispiele und Methoden der literaturwissenschaftlichen Hochschullehre verstanden werden, die ein breites Spektrum an Anregungen umfassten. Hier wurde sowohl der Herausforderung großer Seminargruppen mit spezifischen Arbeitsformen begegnet (Volkhard Wels), als auch Formen teilnehmerzentrierter Lehre in angemessenen Seminargrößen diskutiert, die das kooperative und gruppendynamische Lernen der Studierenden in den Vordergrund stellen (Kirsten Prinz). Hania Siebenpfeiffer unterstrich in diesem Sinne die Bedeutung selbstverantwortlichen Lernens und ersten Forschens in freier, doch moderierter Gruppenarbeit. Katrin Lehnen profilierte das Potenzial des Schreibens im Studium, das in der Lehre stärker als Lernmedium genutzt werden sollte. Daran anschließend stellte Sarah Heinz vor, wie das Schreiben einer Autobiographie Theorie, Literatur und gelebte Erfahrung verbinden kann. Welchen Lernerfolg Schauspiel im Literaturunterricht haben kann, zeigte Cora Dietl anschaulich am Beispiel des im Rahmen der 400-Jahr-Feier der JLU Gießen aufgeführten Theaterstücks "Prinzenraub". Mit der Problematisierung der Dichotomie von Form und Inhalt (Daniel Randau) sowie der Vermittlung ästhetischer Diskurse (Monika Sproll) wurden klassische Unterrichtsgegenstände der Literaturwissenschaft in forschungsnahen Lehrkonzepten fruchtbar gemacht. Schließlich führte Sabine Fritz anhand des Konzepts EVA (Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen) in die Möglichkeiten eines gruppenorientierten Landeskundeunterrichts ein.

Die vielfältigen Beiträge regten lebhafte Diskussionen an, in denen die Einsatzoptionen unterschiedlicher Arbeitsformen im jeweiligen Lehrkontext ausgelotet und die Übertragbarkeit dieser Konzepte erwogen wurde. Mit der Tagung Literaturwissenschaftliche Lehr-Stücke hat die AG Hochschuldidaktik Literaturwissenschaften eine kreative Diskussion über hochschuldidaktische Fragen der Literatur- und Kulturwissenschaft initiiert, über dessen Fortsetzung Einigkeit unter den Teilnehmenden besteht. In Kürze werden die Beiträge in einer Publikation dokumentiert.

Monika Sproll und Ursula Arning

© Foto: Katharina Luh

'Narrative Networks' - Eine Tagung der Research Area Culture and Narration


In Geschichten verstrickt – Eine Tagung der Research Area Culture and Narration begab sich auf die Suche nach Fakten und Fiktionen

Vom 5.-7. Dezember fand die Tagung "Narrative Networks" im Alexander-von-Humboldt-Gästehaus der Justus-Liebig-Universität statt. Organisiert wurde die Veranstaltung mit 22 erkenntnisreichen Vorträgen von der Research Area Culture and Narration.


Der Mensch ist schon als Handelnder immer in Geschichten verstrickt, die Vorgänge Handeln-Erleben-Wahrnehmen-Erzählen lassen sich also nicht sauber voneinander trennen und linear anordnen. Auf diese Erkenntnis des Juristen und nebenberuflichen Philosophen Wilhelm Schapp griff Dr. Axel Rüth (Köln) bei seinem Keynote-Vortrag zum Verhältnis von Fiktionalität, Narration und Kultur am ersten Tagungstag von "Narrative Networks: Kultur und Narration im Spannungsfeld von Fakten und Fiktionen" zurück. Zu der Tagung mit ihren 22 erkenntnisreichen Vorträgen eingeladen hatte die GCSC-Research Area Culture and Narration vom 5.-7. Dezember im Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Ganz im Sinne der Ubiquität von Erzählungen und der Erkenntnis, dass literarische Erzählungen, folgt man Prof. Wolfgang Müller-Funk (Wien), nur den Sonderfall einer generellen Praxis unserer Kultur darstellen, wurden narrative Netzwerke über Disziplinengrenzen hinweg geknüpft. So beschrieb etwa Barbara Dieris aus Münster, welche zusätzlichen Erkenntnisse das Einbeziehen literarisch-fiktionaler Texte für ihre psychologische Analyse erbrachten; und auch die Pädagogin Claudia El Hawary aus Köln zieht im Rahmen interkultureller Bildungsforschung und Untersuchungen zu Sprachmigration autobiographische Romane mit heran, da diese das Material bereits anordnen und deuten und eine entwickeltere Reflexionskompetenz vorweisen als die Erzählungen narrativer Interviews.

Narrative NetworksKeynote Speaker PD Dr. Gerald Echterhoff (Bremen) erläuterte aus psychologischer Sicht seine datengestützte Erkenntnis, dass Erzählen nicht nur die Zuhörer, sondern den Erzähler selbst beeinflussen kann, der durch das Anpassen seiner Geschichte an die angenommene Meinung der Zuhörer seine eigene Erinnerung modifiziert.

Dass Fiktionalisierung – vielleicht durch eben jenen Effekt? – eine Möglichkeit sein kann, mit faktischen und eventuell traumatischen Ereignissen der beiden Weltkriege umzugehen, wurde ebenso anhand verschiedener Vorträge verdeutlicht, wie scheinbar eindeutig faktuale Texte, etwa offizielle Berichte über den Untergang der "Estonia", auf ihre Erzählstrategien untersucht und mit solchen fiktionaler Filme verglichen wurden.

Die Macht der Fiktion in einer Erzählgemeinschaft zeigt sich besonders deutlich an kulturellen Ursprungsnarrativen. Am Beispiel von John Fords Western The Man Who Shot Liberty Valance veranschaulichte der Gießener Kultursoziologe PD Dr. Jörn Ahrens den darin enthaltenen sozialen Gründungsmythos der USA, handelt doch der Western stets von der Urbarmachung der Wildnis. Dabei muss das Gründungsereignis, das hier dem archaischen Opfer ähnelt, gar nicht wirklich stattgefunden haben, solange es eine Geschichte gibt, die dies behauptet.
Während Melina Gehring im zunehmend menschlichen Antlitz des Minotaurus in zeitgenössischen Adaptionen aus den USA eher eine Entmythisierung vorfand, ist in der Erzählgemeinschaft Islands für mindestens 80 Prozent der Einwohner Fakt, was andere Europäer eindeutig der Fiktion zuordnen würden: das unsichtbare Huldufolk. Mit dieser poetischen Aufladung des isländischen Alltags wird nach Maren Conrad (Kiel) der bei drei Einwohnern pro Quadratkilometer recht weite Raum zwischen den Einwohnern Islands mit Narration gefüllt und die Erzählgemeinschaft durch die Elfenpopulation narrativ vergrößert.
Dass es nicht nur im heutigen Europa Unterschiede in der Wahrnehmung von Fakten und Fiktionen gibt, sondern dass die Klassifizierung eines Textes als fiktional oder faktual auch von historischen Wandlungen abhängt, zeigt sich an einer Textsorte wie der Heiligenlegende, deren bildlicher Darstellung sowie den Erzählstrategien des Mediums Bild sich Miriam Hoffmann (Kiel) widmete.

Die Unwahrheitsvermutung gegenüber Erzählungen, die sich im österreichischen Ausspruch "Erzähl keine G’schichtn!" kondensiert, lässt sich nicht nur auf inhaltlicher Ebene untersuchen. Auch strukturell können Texte lügen, wie der Wiener Germanist und Philosoph Prof. Wolfgang Müller-Funk, der im kommenden Semester Senior Research Fellow am GCSC sein wird, in seinem Keynote-Vortrag "Zur Ethik der Ästhetik des Erzählens" plausibel anhand der in Norbert Gstreins Roman Das Handwerk des Tötens kritisierten epischen Naivitität journalistischer Kriegserzählungen veranschaulichte.

In den vernetzenden Diskussionen, deren Fruchtbarkeit und Kollegialität im Abschlussgespräch besonders gelobt wurden, konnte allerdings ebenso wenig abschließend geklärt werden, wo in diesem Geschichtengeflecht, in dem wir uns alle befinden, der Ort des Erzählers ist – oder ob es sich eher um ein multidimensionales, nicht-hierarchisches, dezentrales Netzwerk in beständiger Transformation wie etwa das Rhizom handelt, das Daniela Meinhardt (Gießen) am Beispiel des Wissensmodells in Umberto Ecos Il pendolo di Foucault erläuterte –, wie die Frage nach den möglichen Grenzen zwischen Fakten und Fiktionen, die je nach Perspektive anders gezogen werden, allerdings gerade durch das beständige Überschreiten sichtbar werden.

Das Netz aus wissenschaftlichen Narrationen wird zunächst ein ausführlicher Tagungsbericht weiterspinnen, den die sechs OrganisatorInnen im Rahmen unseres Rezensionsmagazins KULT_online veröffentlichen werden. Darüber hinaus steht die Publikation eines Tagungsbandes in Aussicht.

Mirjam Bitter

© Foto: Katharina Luh

Internationalisierung


Deutsch-Französisches Doktorandenseminar an der Sorbonne


An einem deutsch-französischen Seminar in Paris beteiligten sich acht DoktorandInnen und zwei PostdoktorandInnen des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) mit ihrem Leiter Prof. Hartmut Stenzel vom 14. bis zum 15. November. Die Gießener DoktorandInnen nahmen sich die kulturwissenschaftlichen Konzepte zum Vorbild, die sie am Graduiertenzentrum durch die Forschungsgebiete reisen lassen, und folgten der Einladung von Prof. Christian Jouhaud an die Pariser Sorbonne. Gemeinsam mit zehn französischen Doktoranden der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales und der Ecole d’études doctorales der Sorbonne stellten sie sich dort der interkulturellen und wissenschaftlichen Herausforderung, jeweils ein Forschungsprojekt der anderen Seite vorzustellen, kritisch zu befragen und im Plenum zu diskutieren. Dabei zeigte sich, dass die Pariser zwar ebenso wie die Gießener DoktorandInnen interdisziplinär und kulturwissenschaftlich forschen, sich die Herangehensweisen jedoch erheblich unterscheiden und von der französischen bzw. deutschen Wissenschaftstradition geprägt sind.

„Der Gedankenaustausch war sehr produktiv, sodass die Doktorandinnen und Doktoranden wichtige Anregungen und neue Perspektiven für ihre Projekte mit nach Hause nehmen“, resümierte Prof. Hartmut Stenzel erfreut. Die Pariser Professoren lobten auch die sehr guten Französischkenntnisse der Gießener und waren beeindruckt, wie hervorragend sich alle DoktorandInnen kurzfristig in fachfremde Forschungsthemen eingearbeitet hatten.

Das Fächerspektrum der vorgestellten Projekte reichte von der Amerikanistik, Germanistik und Romanistik bis zur Ethnologie und der Geschichte. Ebenso groß war das Themenspektrum, das unter anderem Rittererzählungen des Mittelalters, Konzepte der Furcht im französischen Religionskrieg, das Pariser Theaterleben unter der Julimonarchie sowie Großstadtliteratur, das Verhältnis von Text und Bild in der Historie der Naturwissenschaften und Erinnerung anhand von Familienfotos umfasste. Der Beitrag der Gießener Doktorandin Nadine Pippel zur aktuellen französischen Kulturpolitik erregte besondere Aufmerksamkeit, da dieser äußerst kontrovers diskutiert wurde und auch emotionale Reaktionen seitens der französischen TeilnehmerInnen hervorrief. „Das Infragestellen eines traditionellen Kulturbegriffs in der französischen Kulturpolitik ist ein vielfach tabuisiertes Thema, daher schlagen schnell die Emotionen hoch“, sagte die Doktorandin. Sie fühle sich dadurch jedoch umso mehr in der Relevanz ihrer Forschungsarbeit bestätigt und motiviert. Auch der Pariser Professor Christian Jouhaud zeigte sich von dem deutsch-französischen Austausch begeistert und schlug daher die Weiterführung des Doktorandenseminars vor. Im Namen der Gießener TeilnehmerInnen lud Prof. Hartmut Stenzel die Pariser DoktorandInnen daher zu einem nächsten Seminar nach Gießen ein.

ParisfahrtVor der symbolträchtigen Kulisse der Sorbonne führten die Gießener und Pariser NachwuchswissenschaftlerInnen ihren Gedankenaustausch auf Einladung der französischen GastgeberInnen auch abends auf informeller Ebene fort, und dabei durften natürlich französische Spezialitäten und auch ein Glas Rotwein nicht fehlen.

Katja Urbatsch

© Foto: Katja Urbatsch

GCSC und GiZo auf Messe-Tournee in Osteuropa


Erstmalig nahm das GCSC vom 29. Oktober bis 9. November 2008 gemeinsam mit dem Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) an der durch den DAAD und GATE-Germany veranstalteten Messereise deutscher Universitäten durch die Ukraine und Russland teil. An den drei Messestandorten St. Petersburg, Kiew und Charkow präsentierten GCSC und GiZo zahlreichen InteressentInnen ihr vielseitiges Forschungs- und Studienprogramm.

Messetour OsteuropaDie JLU Gießen war durch Natallia Savitskaya (GiZo) und Vera Stadelmann (GCSC) vertreten und stellte so, gemeinsam mit RepräsentantInnen anderer Hochschulen, Stiftungen und Exzellenzprogrammen, die deutsche Hochschullandschaft vor. Im Rahmen von Vorträgen und persönlichen Beratungsgesprächen ergab sich zudem die Möglichkeit, Kontakte zu Studierenden, AbsolventInnen und ProfessorInnen zu knüpfen. Dabei stießen das Masterprogramm des GiZo und das durch die Exzellenzinitiative geförderte Promotionsprogramm des GCSC aufgrund ihrer interdisziplinären Forschungsbereiche und der innovativen Studienkonzepte auf besonderen Zuspruch der internationalen Messebesucher. Zusätzlich konnte auch die JLU Gießen sowie die Studienregion Mittelhessen als attraktiver Studienstandort einem breiten Publikum nähergebracht werden.

Die durch diese Reise entstandenen engen Kontakte zu VertreterInnen osteuropäischer Hochschulen stellen eine weitere Bereicherung und Ausweitung der internationalen und interdisziplinären Programme von GCSC und GiZo dar. Des Weiteren veranschaulichte die Reise, welches Potential der osteuropäische Markt für zukünftige Kooperationen mit deutschen Einrichtungen birgt.

Natallia Savitskaya und Vera Stadelmann

© Foto: Natallia Savitskaya


Gemeinsame Standards - individuelle Profile: Ein internationaler Dialog über die Doktorandenausbildung in Berlin


Wenn es um die Weiterentwicklung der Hochschullandschaft geht, wird oft auf internationale Standards verwiesen. Zumeist wird dabei Amerika als leuchtendes Beispiel ins Feld geführt. Eine Ausdifferenzierung und dabei zugleich bereichernde Präzisierung dieser sonst oft recht allgemein gehaltenen Diskussionen um internationale Perspektiven der Doktorandenausbildung bot am 9. Oktober der vom DAAD veranstaltete "International Dialogue on Education" in Berlin.

IDE PodiumUnter dem Titel "Exploring Difference - The Challenge of (Post)Graduate Education" stellten ExpertInnen aus Australien, Großbritannien, Kanada und den USA Besonderheiten der Graduiertenausbildung aus ihren Ländern vor. Unter der Moderation von Ansgar Nünning zeigte sich dabei vor allem die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der existierenden Modelle. Diese machte den Dialog zum einen überaus produktiv, verdeutlichte zum anderen aber auch, dass es keinen simplen Import "des amerikanischen Modells" geben kann – weil es 'das' amerikanische Modell ebenso wenig gibt wie das britische, kanadische oder australische. Die zentralen Ergebnisse der Veranstaltung bringen auch für die Weiterentwicklung der deutschen Graduiertenausbildung wichtige Erkenntnisse. Ansgar Nünning hat sie für den DAAD dokumentiert: Herausforderungen und Perspektiven für die Reform der Doktorandenausbildung: Zusammenfassung der Ergebnisse.

© Foto: Reiner Zensen

Roadshow der Exzellenzinitiative


Roadshow der Exzellenzinitiative: Exzellente Forschung "Made in Germany" findet großen Anklang in den USA

Die Exzellenzinitiative hat in den deutschen Universitätsstrukturen große Veränderungen hervorgerufen: Exzellenzuniversitäten, Exzellenzcluster und Graduiertenschulen schufen "Berge und Täler" in der akademischen Landschaft, wie Andreas Schmidt, Mitglied des GAIN-Beirats in Berkeley, beobachtet. Gerade für den Ausbau transatlantischer Beziehungen birgt die Exzellenzinitiative eine Vielzahl von Chancen: Diese neuen Perspektiven für die Internationalisierung vorzustellen und damit auch die exzellenten deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen in den USA sichtbarer zu machen war das erklärte Ziel der Excellence Initiative Information Tour USA.

Mit dieser "Roadshow der Exzellenzinitiative" reiste eine Delegation von VertreterInnen verschiedener über die Exzellenzinitiative geförderter Einrichtungen auf Einladung der DFG, des DAAD und der Alexander von Humboldt Stiftung in die USA. Je drei Vertreter der Förderlinien "Exzellenzuniversitäten", "Exzellenzcluster" und "Graduiertenschulen" nutzten diese erstmalig angebotene Gelegenheit, um ihre im Zeichen der Exzellenzinitiative gewonnenen Erfahrungen im internationalen Vergleich auszutauschen. In den drei Ballungsräumen Washington D.C., San Francisco und Los Angeles trafen die Angereisten mit ihren amerikanischen KollegInnen zusammen, um gemeinsam über universitäre Zukunftskonzepte, die Internationalisierung der Graduiertenausbildung und internationale Karriereoptionen für junge WissenschaftlerInnen in Deutschland und den USA zu diskutieren.

Ansgar Nünning, der das GCSC auf dieser Reise vertrat, kehrte inspiriert von den äußerst ergiebigen Veranstaltungen und mit einer Reihe neuer Perspektiven im Gepäck nach Gießen zurück. Konkret ergeben sich für das GCSC vielfältige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung seiner transatlantischen Kooperationen. Denn auch im internationalen Vergleich fand das Gießener Modell großen Anklang und ergab eine Reihe spannender Kooperationsperspektiven mit den Universitäten in Berkeley, Davis und Los Angeles. Auch auf der nationalen Ebene entstanden Kooperationsvorhaben mit anderen, durch die Exzellenzinitiative geförderten Universitäten und Forschungseinrichtungen. Insbesondere die Vernetzung der deutschen Geisteswissenschaften ist durch die gemeinsamen Präsentationen in den USA einen großen Schritt voran gekommen.

Schnell getaktet und äußerst gut organisiert ermöglichte die Excellence Initiative Information Tour, den Blick über den Tellerrand zu anderen deutschen Exzellenzeinrichtungen und über den Atlantik hin zu Erfolgsmodellen der amerikanischen Graduiertenausbildung zu richten. Gerade in Zeiten des Wandels im eigenen Land ist es der internationale Austausch, der die Perspektive schärft und neue Wege weist. Wie Ansgar Nünning resümiert: "30 000 Flugmeilen in weniger als einer Woche! Doch diese Treffen und Gespräche mit absoluten Größen der nationalen und internationalen Doktorandenausbildung machen solche Strapazen schnell vergessen, denn – wie Claudia Mitchell-Kernan von der University of California sagte – ‚change depends on exchange’".

Sonja Altnöder

Projekte


Bundeskanzlerin Merkel würdigt Initiative von GCSC-Mitglied Katja Urbatsch


Die Initiative ArbeiterKind.de von GCSC-Mitglied Katja Urbatsch zählte bei der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs startsocial am 29. September 2008 im Berliner Bundeskanzleramt zur Bundesauswahl der besten 25 Projekte.

Verleihung Start Social"Die Idee für das Projekt hatte ich eigentlich schon lange – spätestens seit meiner ersten Hausarbeit", resümiert Katja Urbatsch die Anfänge von Arbeiterkind.de. "Da habe ich bemerkt, dass Kommilitonen aus Familien mit akademischem Hintergrund einfach schon viel mehr mitbekommen als ich, die als erste aus der Familie zur Uni geht." Damit meint die Doktorandin des internationalen Promotionsprogramms Literatur- und Kulturwissenschaften (IPP) und Hans-Böckler-Stipendiatin keinesfalls nur die finanzielle Unterstützung, sondern insbesondere das mangelnde Selbstbewusstsein von jungen Menschen, die sich auf die in ihren Familien noch nicht beschrittenen, unbekannten Hochschulpfade begeben. "Ein Satz, den ich oft höre, ist zum Beispiel: ‚Ein Stipendium? Das bekomme ich doch sowieso nicht.'"

Deshalb will Arbeiterkind.de in erster Linie eins: Zum Studium ermutigen. Und zwar ebenso informativ wie informell. Zu diesem Zweck schuf die 29-Jährige das Internetportal ArbeiterKind.de, das seit Mai 2008 Schülerinnen und Schülern aus Familien ohne akademischen Hintergrund bereits zu Beginn des Studiums, aber auch in dessen Verlauf bei der Planung und Organisation ihrer Hochschulausbildung unterstützt. Schon seit Monaten engagieren sich neben Katja Urbatsch zwei weitere GCSC-Doktorandinnen tatkräftig für das Projekt. Nadine Pippel hat insbesondere der unbürokratische Ansatz überzeugt. Kirsten Pohl fügt hinzu: "Die Notwendigkeit für ein solches Projekt kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen und freue mich, wenn ich heute helfen kann, Kommunikationslücken zu schließen."

ArbeiterkindDer „startsocial“-Wettbewerb war für Katja Urbatsch der konkrete Anlass, ihre Idee in die Tat umzusetzen und das Internetportal zu gründen. Mehr als 300 ehrenamtliche Initiativen bewarben sich in diesem Jahr bei dem Wettbewerb, dessen Ziel es ist, mit know-how aus der Wirtschaft das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland nachhaltig zu fördern.

Was für eine gewaltige Resonanz Arbeiterkind.de finden würde, hat allerdings sogar die Gründerin des Projekts überrascht. Nicht allein die Internetseite ist stark frequentiert, auch das Mentorenprogramm stößt auf großes Interesse.

Nach nur sechs Monaten engagierten sich deutschlandweit bereits über 500 ehrenamtliche MentorInnen, die SchülerInnen und Studierenden in über 70 lokalen Gruppen als AnsprechpartnerInnen vor Ort zur Verfügung stehen. Kein Wunder also, dass Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Katja Urbatsch und ihrem Teamkollegen Wolf Dermann am 29. September im Bundeskanzleramt eine Urkunde überreichte, die Arbeiterkind.de als eine der 25 besten Initiativen beim "startsocial"-Wettbewerb 2008 auszeichnet. "Das war schon ein besonderer Moment für Arbeiterkind", erinnert sich Urbatsch, fügt dann jedoch hinzu: "Aber eigentlich habe ich jeden Tag ganz besondere Momente. Denn jeden Tag bekomme ich Mails, in denen steht: ‚Danke für euren Einsatz, genau so etwas hat noch gefehlt.’"

Kontaktinformationen:
Internet: www.arbeiterkind.de
E-Mail: urbatsch@arbeiterkind.de

Elisa Antz

© Fotos: Privat/Stephanie Nickel


Vernissage am 22.10.08 „Sommer im Winter – eine Jahreszeit reist durch Europa“
oder wie die Quietscheenten das GCSC eroberten …


Als „zeitlos“ kündigte der Gießener Express die Kunstausstellung „Sommer im Winter – Eine Jahreszeit reist durch Europa“ der hiesigen Fotografin Monika Brand in der Sonderbeilage zum Wintersemesterbeginn 08/09 an. „Kulturforscher machen Kultur“ war dort zu lesen, denn, ja, die Kulturmanagement AG des GCSC wollte sich mit diesem Projekt nicht nur ins Gießener Kulturleben einklinken, sondern das Graduiertenzentrum ebenso von einer ganz anderen Seite präsentieren: als einen Ort, an dem Kultur wissenschaftlich erforscht und aktiv mitgestaltet werden kann.

Vernissage Sommer im Winter 1Im Gießener Anzeiger hieß es nach der Vernissage in der Ausgabe vom 24.10.: „Die Wissenschaft macht heute vieles möglich, neuerdings sogar die Verschiebung der Jahreszeiten.“ Und genau diese Verschiebung lockte am Mittwochabend mehr als 70 Besucher ins Graduiertenzentrum. Dort staunten sie nicht nur über die großartigen Werke der Künstlerin, sondern ebenfalls über die Invasion der gelben Quietscheenten, die sich auf den Fluren des Graduiertenzentrums tummelten.

Es war ein anderes GCSC, das sich dem Betrachter an diesem Abend bot. Die Gänge erschienen wie die einer Kunstgalerie, gespickt mit Schwarz-weiß- und Farbfotografien in unterschiedlichen Formaten und durchsetzt mit Zitaten zum Thema ‚Sommer’ und ‚Winter’. Lebendige Unterhaltungen waren zu hören über die Bilder, die Künstlerin, die Räumlichkeiten, die Quietscheenten … Man (und frau) nippte am Sekt, bestaunte die Strand-Dekoration und genoss die sommerliche und entspannte Stimmung.

Vernissage Sommer im Winter 2Zur Begrüßung und offiziellen Eröffnung der Ausstellung waren so viele Gäste anwesend, dass der Multifunktionsraum buchstäblich aus allen Nähten platzte. Nicht jeder fand einen Platz und so mancher versuchte durch die Tür noch einen Blick auf die Muscheln, Moskitonetze und Kerzen zu werfen, die den Raum schmückten. Andächtig lauschte man der sommerlichen Musik und den literarischen Ausführungen von Karola Drews, die die Ausstellung auf ihre ganz eigene kreative Weise kontextualisierte. Man freute sich mit den Mitgliedern der Kulturmanagement AG und der Künstlerin selbst über den gelungenen Abend.

So mancher wird wohl mit einer Quietscheente im Arm abends, von europäischen Landen und warmen Gefilden träumend, auf dem Sofa eingeschlafen sein. Denn sie alle gingen mit einem Lächeln auf den Lippen; sie hatten den Sommer im Winter gespürt. Die Ausstellung „Sommer im Winter – eine Jahreszeit reist durch Europa“ ist bis zum 13. Februar 2009, wochentags von 9 bis 18 Uhr im Gebäude des GCSC zu sehen.

Katharina Luh

© Foto: Katharina Luh

Mitglieder und Alumni


Exzellente Ausbildung zahlt sich aus – Preise und Auszeichnungen für Ehemalige


Die Doktorandenausbildung des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) sowie des Internationalen Promotionsprogramms Literatur- und Kulturwissenschaften (IPP) trägt Früchte: Dr. Dorothee Birke hat einen Ruf auf eine Juniorprofessur an der Universität Mainz erhalten. Dr. Janine Hauthal, Dr. Michael Basseler und Dr. Stella Butter wurden für ihre herausragenden Dissertationen mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnet.

Birke und ButterÜber eine besondere Auszeichnung durfte sich Dr. Dorothee Birke (im Bild links) freuen. Die ehemalige Geschäftsführerin von GGK und GCSC, die derzeit als Junior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) tätig ist, erhielt einen Ruf auf eine Juniorprofessur an der Universität Mainz. Als Doktorandin des IPP von 2002 bis 2007 beschäftigte sie sich mit Krisen der Erinnerung in zeitgenössischen britischen Romanen. Momentan forscht Dr. Birke im Rahmen des FRIAS zum Thema "Lesen als kulturelle Praxis im englischen Roman des 18. bis 21. Jahrhunderts".

Dr. Stella Butter (im obigen Bild rechts) nahm auf dem diesjährigen Anglistentag vom 5. bis 8. Oktober in Tübingen den renommierten Preis des Deutschen Anglistenverbandes für Nachwuchswissenschaftler entgegen. Die ehemalige Koordinatorin des IPP und zeitweilige Geschäftsführerin des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften (GGK) erhielt die Auszeichnung für ihre Dissertation über literarische Transversalität und Vernunftkritik im englischen und amerikanischen Gegenwartsroman, die sie von 2003 bis 2006 im Rahmen des IPP verfasste und mit summa cum laude abschloss. Früher habe man eine Dissertation gern mit einem ‚Gesellenstück’ verglichen, dem mit der Habilitationsschrift das ‚Meisterstück’ folgen möge, so der Bonner Anglist Prof. Dr. Klaus P. Schneider in seiner Laudatio auf die Preisträgerin. Dr. Butter sei bereits mit ihrer Dissertation solch ein ‚Meisterstück’ gelungen. Derzeit arbeitet die Habilitandin als akademische Rätin am Institut für Anglistik der Universität Mannheim an ihrem eigentlichen ‚Meisterstück’. Der Arbeitstitel ihrer Habilitationsschrift lautet: "Anonymität als kulturelles Phänomen in englischer und amerikanischer Literatur".

Janine HauthalDr. Janine Hauthal erhielt den Dissertationspreis der German Society for Contemporary Theatre and Drama in English (CDE) für ihre Dissertation mit dem Titel "Metaisierungen im Drama: Zur Theatralität zeitgenössischer Schreibweisen in englischsprachigen Theatertexten". "Der Preis hat mich erst überrascht, aber dann natürlich sehr gefreut. Die Anerkennung einer größeren scientific community, die genau in meinem Bereich arbeitet, bedeutet mir sehr viel", sagt Dr. Hauthal, die parallel zu ihrer Promotion am IPP von 2002 bis 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an GGK und GCSC tätig war. Die Erfahrungen, die sie dabei sammelte, kommen ihr für ihre jetzigen Tätigkeit zugute: Seit Juni 2007 ist Dr. Hauthal Geschäftsführerin des Zentrums für Graduiertenstudien (ZGS) der Bergischen Universität Wuppertal.

Michael BasselerDr. Michael Basseler, IPP-Mitglied von 2003 bis 2007 und ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anglistik, bleibt der Justus-Liebig-Universität vorerst erhalten. Der Stipendiat des Gießener Postdoktorandenprogramms JUST’US wurde am 28. November 2008 mit dem Promotionspreis der JLU ausgezeichnet. "Der Preis ist eine sehr schöne Anerkennung und eine Bestätigung der Arbeit, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Und natürlich ist er auch ein Ansporn für die Zukunft", so Dr. Basseler. Von diesem Ansporn profitiert nun sein Habilitationsprojekt. Während er sich in seiner Dissertation mit kultureller Erinnerung und Trauma im zeitgenössischen afroamerikanischen Roman beschäftigte, gilt das Interesse seiner Habilitationsschrift der englischsprachigen Kurzgeschichte als Genre von Lebenswissen.

Ihr und den drei PreisträgerInnen gratulieren die MitarbeiterInnen und Mitglieder von GGK, GCSC und IPP ganz herzlich und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute!

Regine Leitenstern

© Foto(s): Katharina Luh


Drei Fellows erweitern das Curriculum des GCSC


Für das akademische Jahr 2008/09 konnte das GCSC drei international renommierte Wissenschaftlerinnen als Fellows gewinnen. Dr. Martha Blassnigg, Prof. Ulrike Brunotte und Dr. Michi Knecht bereichern das Curriculum des GCSC durch ihre vielseitigen akademischen Interessenfelder. Darüber hinaus sind die Wissenschaftlerinnen auch Anlaufstellen für DoktorandInnen, die ihre Projekte besprechen möchten, und bringen ihre Expertise und Erfahrung in die Forschungsarbeiten der Research Areas ein.

Martha BlasniggTeaching Fellowships sind ein neues Programm für GastforscherInnen, welches das GCSC in enger Zusammenarbeit mit der Doktorandenvertretung entwickelt hat. Das GCSC freut sich, nun die Favoritin der DoktorandenvertreterInnen, Dr. Martha Blassnigg, als erste Teaching Fellow für das gesamte Wintersemester 2008/09 begrüßen zu dürfen. Die Medienanthropologin lehrte an der Universität Wien, Köln und Amsterdam und promovierte an der Universität Wales. Sie interessiert sich insbesondere für die Anfangsjahre des Kinos in Bezug auf zeitgenössische philosophische Auseinandersetzungen mit Zeit und Raum. Während ihres Aufenthalts in Gießen setzt die Forscherin, die selbst schon zwei Dokumentarfilme produziert und vorübergehend als Filmrestaurateurin gearbeitet hat, mit der Workshopreihe Time as Cultural Construction: Direct Experience of Time versus Time-based Mediations in Audio-Visual Media neue Akzente im Curriculum.
Überdies ist Dr. Martha Blassnigg derzeit als Visiting Fellow an der Universität Plymouth im Forschungsbereich "Transtechnology" und für das Leonardo Reviews als assoziierte Redakteurin und Gremiumsmitglied tätig.

Ulrike BrunotteProf. Ulrike Brunotte begann ihren Aufenthalt als Senior Research Fellow des GCSC im November 2008. Sie promovierte an der Humboldt-Universität, wo sie von 2001 bis 2006 als Oberassistentin an der Fakultät für Kunst- und Kulturwissenschaften arbeitete und nun als außerordentliche Professorin für Religionswissenschaften, Philosophie und Kulturwissenschaften tätig ist. Im Wintersemester 2007/08 war Prof. Brunotte als Senior Research Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien, bevor sie im Sommersemester als Gastprofessorin an die Universität Göttingen ging. Ihre Forschungsschwerpunkte behandeln Religions- und Ritualtheorien, Wissenschaftsgeschichte, Gender- und postkoloniale Studien, die Rezeption der Antike, Heldenfiguren, Migration und Männlichkeitsstudien. Unter ihren jüngsten Publikationen sind eine Monographie mit dem Titel Zwischen Eros und Krieg: Männerbund und Ritual in der Moderne (2004) sowie der Sammelband Männlichkeiten und Moderne: Die Rolle von Geschlecht in Wissensdiskursen um 1900 (2008). Diese reichhaltigen Themen spiegelten auch Prof. Brunottes Veranstaltungen am GCSC wieder, so ihr Vortrag zum Thema Bild, Ritual und Geschlecht. Jane E. Harrisons Werk im Kontext moderner Aneignungen der Antike um 1900 (19. November 2008) und die Master Class Männlichkeit und Männerbund im Kontext politischer Krisendiskurse um 1900: Diskursanalyse zu Wissen, Macht und Geschlecht (10. Dezember 2008).

Michi KnechtAuch Dr. Michi Knecht kommt von der Humboldt-Universität Berlin, wo sie als Postdoctoral Research Assistant im DFG-Sonderforschungsbereich "Repräsentationen sozialer Ordnung im Wandel" forscht. Sie studierte Ethnologie, Soziologie und Psychologie in Köln und promovierte an der Universität Tübingen mit einer Dissertation des Titels Zwischen Religion, Biologie und Politik: Eine kulturanthropologische Analyse der Lebensschutzbewegung in der Bundesrepublik Deutschland (Berlin 2006). Sie ist Mitglied des Executive Committee der interdisziplinären Forschungsgruppe "C:SL, Collaboratory Social Anthropology and Life Sciences". Ihre derzeitigen Forschungsprojekte fokussieren ethnographische Produktionen von Wissen in den Lebenswissenschaften. Dr. Knecht wird das GCSC von Dezember 2008 bis Februar 2009 besuchen und einen Vortrag über In-Vitro-Fertilisation (IVF) als globale Form: Ethnographisches Wissen und die Transnationalisierung von Reproduktionstechnologien (14. Januar 2009, 18–20 Uhr) sowie eine Master Class zum Thema "Assemblage": Praxis- und wissensanthropologische Perspektiven (27. Januar 2009, 10–14 Uhr) halten.

© Foto(s): Stephanie Nickel


Neue Gesichter am GCSC


Für das GCSC Team brachten die letzten Monate gleich mehrere personelle Veränderungen. Sowohl für das akademische Profil, welches die Projekte der DoktorandInnen widerspiegelt und gleichzeitig kontinuierlich mit Impulsen versorgt, wie auch für die organisatorischen Bereiche konnten hervorragende Mitglieder und MitarbeiterInnen gewonnen werden.

Nicht nur unter den DoktorandInnen gibt es seit dem Wintersemester 2008/09 wieder zahlreiche neue Gesichter, auch im Team des GCSC gab es einige Veränderungen. PD Dr. Birgit Neumann, die vielen vermutlich schon durch ihre zahlreichen akademische Leistungen und Funktionen – wie zum Beispiel als Forschungskoordinatorin des Sonderforschungsbereichs "Erinnerungskulturen" oder als Gastprofessorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft – bekannt sein wird, ist bereits seit 2006 als Prinicpal Investigator mit dem GCSC assoziiert. Geprägt durch zahlreiche Auslandsaufenthalte, zuletzt als Visiting Professor an der University of Madison, Wisconsin, erweitert sie nun als Researcher im Bereich Kulturtheorie nicht nur das Curriculum des GCSC, sondern stärkt dessen internationale Ausrichtung.

Dr. Kai Sicks, der seine Dissertation über "Stadionromanzen. Der Sport in der Weimarer Republik" im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK 421) an der Universität Köln schrieb, koordiniert nun das neue European PhDnet "Literary and Cultural Studies". Dr. Sünne Juterczenka, vormalige Postdoc-Stipendiatin an der Universität Rostock im Graduiertenkolleg "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs", forscht seit Beginn dieses Semesters als Postdoc-Stipendiatin am GCSC. Ihr besonderes Interesse gilt der medialen Inszenierung europäischer Forschungsreisen im Pazifik von 1766 bis 1815. Gleichzeitig bereichern Dr. Sicks und Dr. Juterczenka Lehrangebot und Forschungsprofil des GCSC durch ihre Teilnahme an Workshops, Research Areas und weiteren Veranstaltungen.

Berenike Schröder wechselte vom Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) zum GCSC, um hier zu promovieren und den Career Service zu betreuen. Damit übernimmt sie die Funktion von Irene Lamberz, die im Sommer ihre Dissertation einreichte. Gleich zwei Mitglieder des GCSC, Katja Urbatsch und Stefanie Bock, erhielten in den letzten Monaten ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung. Katja Urbatsch übergab den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit an Elisa Antz, die in diesem Semester Ihre Promotion im siebten Jahrgang des IPP begann. Stefanie Bock kümmert sich weiterhin im Rahmen ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft um das Teaching Centre; unterstützt wird sie von Meike Hoelscher, die bislang im Sonderforschungsbereich "Erinnerungskulturen" (SFB 434) tätig war. Nadine Pippel, seit 2007 als wissenschaftliche Hilfskraft am GCSC tätig, ist seit August 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Curriculum verantwortlich. Vera Stadelmann hat in diesem Semester ihre Promotion im Fach Linguistik begonnen und übernimmt von Dorothea Walther den Bereich Internationalisierung.

Auch unter den studentischen Hilfskräften gibt es etliche Neuzugänge. So hilft Claudia Weber Dr. Sicks bei der Organisation des PhDnet. Anna Beck folgte PD Dr. Neumann ans GCSC. Katharina Zilles unterstützt seit November den Bereich Forschungskoordination und Nina Lange verstärkt das Organisationsteam des GGK und GCSC.

Wir begrüßen alle neuen MitarbeiterInnen sehr herzlich und freuen uns über die vielfältige Bereicherung, die das Team vom GGK/GCSC schon jetzt durch viele neue Anregungen und Inputs erfahren durfte!

Ausblick


GCSC- (Post-) Doktorandenstipendien ausgeschrieben


StipendienausschreibungZum Oktober 2009 schreibt das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) erneut bis zu neun DoktorandInnenstipendien sowie ein Postdoc-Stipendium aus. Die Stipendien in Höhe von rund 1100 Euro monatlich werden zunächst für ein Jahr verliehen mit der Möglichkeit einer Verlängerung auf insgesamt drei Jahre. Kandidaten, die ein exzellentes, interdisziplinäres Forschungsumfeld suchen, werden am GCSC ideale Arbeitsbedingungen finden, die maximale Unterstützung sowie ein umfassendes Mentoring-Programm in allen Phasen der Promotion beinhalten. Die Bewerbungsfrist für das zweistufige Verfahren ist der 01. März 2009.

Für Studierende und AbsolventInnen, die sich für ein Promotionsstudium am GCSC interessieren, bietet das GCSC am 02. Februar 2009 einen Informationstag an. Unter dem Motto "Was Sie schon immer über’s Promovieren wissen wollten, aber nicht zu fragen gewagt haben" werden ProfessorInnen, PostdoktorandInnen und DoktorandInnen in Workshops und in individuellen Gesprächen InteressentInnen über eine Promotion am GCSC, Finanzierungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven informieren. Nähere Informationen zu den GCSC-Stipendien und dem Bewerbungsverfahren finden Sie online auf unserer Homepage unter http://gcsc.uni-giessen.de/applications.

Wir würden uns freuen, wenn Sie auch interessierte Studierende und DoktorandInnen auf die Ausschreibung hinweisen.

© Foto: Stephanie Nickel

Impressum


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