GCSC-DoktorandInnenringvorlesung
WS 08/09
Leitung: Prof. Dr. Silke Tammen und Prof. Dr. Horst Carl, DoktorandInnen der Geschichts- und Kulturwissenschaften des Fachbereichs 04 und des GCSC
Die von DoktorandInnen des Fachbereichs 04 bestrittene Ringvorlesung wird einen Überblick über die Vielfalt neuerer Konzepte der Geschichts- und Kulturwissenschaften, deren „turn and „terms“, ausgehend von konkreten Dissertationsprojekten geben. Die DoktorandInnen stammen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – aus Kunstgeschichte und Geschichte, zwei Disziplinen, die trotz differierenden Erkenntnishorizonten und Diskussionen etwa um eine „historische Bildwissenschaft“ vor einer ähnlichen Herausforderung stehen: Die Grundproblematik einer historisch angemessenen Kontextualisierung und theoretischen Perspektivierung eines Untersuchungsgegenstandes soll daher auch weniger fortgeschrittenen Studierenden vermittelt werden. Das Themenspektrum ist breit und wird aus den Dissertationsprojekten heraus Fragen nach Raum- und Blickkonzepten, nach Geschlecht und Habitus, Memoria und Wissenskulturen, nach Kulturtransfer und Transnationalität, nach neueren mediengeschichtlichen Ansätzen und dem Bild in rezeptionsästhetischen, frömmigkeitsgeschichtlichen, intermedialen und transkulturellen Perspektiven stellen.
Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuoreintierungen in den Kulturwissenschaften, 2. Aufl. Hamburg 2007.
Ute Daniel, Kompendium Kulturgeschichte. Theorie, Praxis, Schlüsselwörter, 5. Aufl. Frankfurt 2006.
Geschichte - Nicht modularisiertes Lehrangebot
Kunstgeschichte - Nicht modularisiertes Lehrangebot
14.10. Prof. Dr. Horst Carl und Prof. Dr. Silke Tammen: Einführung
21.10. Caroline von Nicolai (Vor- und Frühgeschichte):
„Jäger des verlorenen Schatzes“?
28.10. Maike Mügge (Kunstgeschichte)
Ereignis, Bild, Erinnerung − Zeitgenössische Denkmäler als kunsthistorische Gattung
04.11. Florian Schnürer (Neue Geschichte)
11.11. Saskia Hennig von Lange (Kunstgeschichte)
Bilder wahrnehmen − Wie der Rahmen den Blick lenkt
18.11. Moritz Jäger (Kunstgeschichte)
Zu viele Bilder? Mittelalterliche Bilder und Bildsysteme
25.11. Jan Philipp Altenburg (Neue Geschichte)
Stadt – Raum – Macht: Philadelphia 1920. Raumtheoretische Zugriffe der stadthistorischen Forschung
02.12. Hehn-Chu Ahn (Kunstgeschichte)
09.12. Mario Baumann (Gräzistik)
16.12. TERMINÄNDERUNG: Tina Bawden (Kunstgeschichte)
13.01. Neill Busse (Neue Geschichte)
20.01. Ingo Trüter (Neuere Geschichte):
27.01. Sandra Börngen (Geschichte/Kunstgeschichte)
03.02. Daniel Stange (Neue Geschichte)
10.02. Tina Bawden (Kunstgeschichte)
„Ante Portas“. Raum, Wahrnehmung und der bewegte Betrachter – zentrale Konzepte einer (mittelalterlichen) Bildwissenschaft
Caroline von Nicolai, 21.10.
Häufig werden Archäologen von den Medien als furchtlose, den Dschungel durchstreifende Schatzjäger oder aber als weltfremde Scherbenzähler im stillen Studierkämmerlein dargestellt. Keines dieser beiden Klischees entspricht der Wirklichkeit: die prähistorische Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte verfügt über wissenschaftliche Methoden und erforscht die Geschichte aller nicht-schriftkundigen Kulturen der Erde, von der Entstehung der Menschheit bis ins Mittelalter. Nichtsdestotrotz ist das Fach seit seiner Entstehung im frühen 19. Jahrhundert immer in die politischen und gesellschaftlichen Diskurse der jeweiligen Zeit eingebettet gewesen. Beispielhaft möchte die Vorlesung daher zum einen die Rolle der prähistorischen Archäologie als „vaterländische Altertumskunde“ bei der Konstruktion nationaler Identitäten im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich erläutern, wie etwa die Instrumentalisierung des Faches durch die Nationalsozialisten. Zum anderen soll ein aktuelles Forschungsvorhaben zur Entstehung früher Städte in der späten Eisenzeit Mitteleuropas (2.-1. Jh. v. Chr.) zeigen, welche Interpretationsmöglichkeiten sich durch eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise eröffnen.
Caroline von Nicolai studierte Vor- und Frühgeschichte (Prähistorische Archäologie), Alte Geschichte, Provinzialrömische Archäologie und Ägyptologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der Université de Paris I Panthéon-Sorbonne und der Universität Leipzig. Seit 2007 ist sie Stipendiatin am GCSC und promoviert am Institut für Altertumswissenschaften der JLU Gießen bei A. Klöckner und an der École Pratique des Hautes Études Paris bei S. Verger zum Thema „Sichtbare und unsichtbare Grenzen. Zur Funktion späteisenzeitlicher Befestigungsanlagen“. Außerdem ist sie Mitglied des Laboratoire „Archéologies d’Orient et d’Occident“ der École Normale Supérieure Paris und des Centre National de la Recherche Scientifique.
Maike Mügge, 28.10.
Maike Mügge M.A. studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Seit November 2006 arbeitet sie als Stipendiatin des Graduiertenkollegs „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“ (JLU Giessen) an einem kunsthistorischen Dissertationsprojekt zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, das von Frau Prof. Dr. Silke Tammen, JLU Giessen, betreut wird.
Florian Schnürer, 04.11.
In den vergangenen beiden Jahren hatte der Luftkrieg des Ersten Weltkrieges in den Medien Hochkonjunktur. Kurz nacheinander kamen die Filme „Flyboys“ (2006) und „Der Rote Baron“ (2008) in die Kinos. Daraus wird deutlich, wie populär noch heute die so genannten „Ritter der Lüfte“ sind. Dabei wird der Luftkrieg im Gegensatz zu den Grabenkämpfen am Boden stark romantisiert. Nur in der Luft schienen ‚saubere’ und ‚faire’ Kämpfe möglich gewesen zu sein. Ihren Ausgangspunkt hat diese Deutung bereits in der Zeitungsberichterstattung der Kriegsjahre, in der die Flieger zu sportlichen, ritterlichen Draufgängern stilisiert wurden. Die transnationale Perspektive, deren Nutzen und Probleme ebenfalls angesprochen werden sollen, macht deutlich, dass dieses Phänomen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Nationen zu beobachten ist. Der Vortrag geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte, dass die Berichterstattung über den Luftkrieg aus der Gesamtdarstellung des Krieges scheinbar losgelöst wurde und erbitterte Kriegsgegner auch über die Leistungen feindlicher Flieger berichteten.
Florian Schnürer wurde 1978 in Frankfurt am Main geboren. Von 1998 bis 2005 studierte er die Fächer Mittlere und Neuere Geschichte, Politologie, Soziologie sowie Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig Universität Gießen. Seit April 2005 arbeitet der Doktorand als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der JLU im Bereich „Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung des 19. und 20. Jahrhunderts“. Gleichzeitig ist er im Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“ assoziiert. Das Thema seiner von Prof. Dr. Friedrich Lenger betreuten Dissertation lautet: „Der Luftkrieg im Ersten Weltkrieg als transnationales Medienereignis: Die Berichterstattung deutscher, englischer und französischer Zeitungen im Vergleich“.
Saskia Hennig von Lange, 11.11.
Die Vorlesung soll Fragen nach der Bildwahrnehmung, also dem nicht immer leicht zu durchschauenden Spiel zwischen Bild und Betrachter nachgehen. Die Annahme ist, dass bei diesem komplexen Vorgang zwischen Bild (picture), Welt und Betrachter, dessen Ergebnis erst die Produktion eines Bildes (image) ist, dem Rahmen eine nicht zu unterschätzende Funktion zukommt: Spielt doch der Rahmen eine, wenn nicht die maßgebliche Rolle sowohl bei der Erzeugung als auch bei der Identifizierung eines Bildes als Bild. Wie der Rahmen den Blick des Betrachters zu lenken in der Lage ist, welche Bedeutung er für die Wahrnehmung eines Bildes hat und auch, wie er dafür instrumentalisiert werden kann, will die Vorlesung anhand vor allem spätmittelalterlicher Beispiele zeigen. Dazu sollen nicht nur Überlegungen zu mittelalterlichen Bild- und Wahrnehmungstheorien und aktuellen Ansätzen und Methoden der Bildwissenschaft/Kunstgeschichte herangezogen, sondern auch Theorien anderer Disziplinen in den Blick genommen werden.
Saskia Hennig von Lange studierte Angewandte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen; seit 2005 promoviert sie dort bei Prof. Dr. Silke Tammen über „Die Figuration der Bildgrenze als Einschnitt und Übergang. Erscheinung, Gestalt und Funktion mittelalterlicher Rahmensysteme“.
Moritz Jäger, 18.11.
Kirchenwände, die über und über mit Bildern versehen, Altäre, die szenenreich Heiligenviten erzählen, ja selbst Reliquiare und kirchliches Gerät, wie Kelche, Bischofstäbe oder Mantelschließen strotzen nur so vor Bildern – das ist typisch Mittelalter! Gemeinhin wird diese Bilderflut auf den Horror vacui, die Angst vor der leeren Fläche zurückgeführt. In der Vorlesung soll nun exemplarisch gezeigt werden, dass hinter diesen vielen (für den heutigen Geschmack vielleicht zu vielen) Bildern durchaus System steckt. An einigen konkreten Beispielen, wie der bemalten Holzdecke der Kirche St. Martin in Zillis oder einem kleinen Dornenreliquiar aus dem Besitz der französischen Könige, soll gezeigt werden, wie man sich in diesen vielen Bildern zurecht finden kann, wie sie „gelesen“ und verstanden werden wollen.
Jan Philipp Altenburg, 25.11.
Städtischer Raum ist immer auch umkämpfter Raum. Proteste gegen den Bau von Moscheen in deutschen Städten als Symbole "unchristlicher" Werte oder Diskussionen um die staatliche Überwachung öffentlicher Plätze sind Ausdruck komplexer Aushandlungsprozesse um Macht, Identität, Selbst- und Fremdbestimmung. Die Bedeutung des Raumes geht hierbei weit über die eines bloßen Schauplatzes von Ereignissen hinaus, der Raum ist maßgeblicher Bestandteil solcher Auseinandersetzungen. Mit der Frage, wie sich die Funktion des Raumes analytisch und theoretisch fassen lässt, hat sich unter anderem der linke Sozialtheoretiker Henry Lefebvre auseinandergesetzt und sein Modell von der "Produktion des Raumes" findet Anwendung in der geographischen, soziologischen und historischen Forschung. Anhand der durch Korruption und Segregation gezeichneten Stadt Philadelphia in den 1920er Jahren, soll die Anwendung dieses theoretischen Modells an einem konkreten Beispiel vor Augen geführt werden.
Jan Philipp Altenburg ist seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er schloss sein Studium der Geschichtswissenschaft mit den Nebenfächern Germanistik und Vor- und Frühgeschichte in Gießen, Marburg und Münster im Jahr 2006 ab. Im gleichen Jahr begann er bei Prof. Dr. Friedrich Lenger sein Dissertationsprojekt zur Aneignung des Stadtraumes, in dem er das Großstadtleben in Philadelphia und Frankfurt am Main in den 1920er Jahren untersucht. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2008 erhielt er ein Stipendium am Deutschen Historischen Institut in Washington DC, das ihm einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in den USA ermöglichte.
Hehn-Chu Ahn, 02.12.
Hehn-Chu Ahn absolvierte ihren Magisterabschluss in Kunstgeschichte an der Universität Hamburg 2005 mit einer Arbeit zum Thema Julius Bissiers Tuschen. Das Paradigma der Leere erlangt. Im Jahre 2006 war sie als Doktorandin am Institut der Kunstgeschichte für Ostasien an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg tätig. Seit 2007 ist sie im Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“ an der Justus-Liebig-Universität Giessen als Stipendiatin aufgenommen worden. Das Dissertationsprojekt Die visuelle „Propagierung“ des Neokonfuzianismus in den Holzschnitt Illustrationen des frühen Choson-Reiches wird von Frau Prof. Dr. Silke Tammen betreut.
Mario Baumann, 09.12.
Die Eikones (zu Deutsch: Bilder) des Philostrat (ca. 170-245 n. Chr.) treiben die in der antiken Literatur häufig eingesetzte Kunst der Bildbeschreibung auf die Spitze: Dieser Text besteht vollständig aus einer langen Reihe von Gemäldebeschreibungen, die sich nach Auskunft des Vorwortes auf die Bilder einer Galerie beziehen. Mit dieser intermedialen Konstellation beschäftigt sich diese Vorlesung. Ausgehend von einem Blick auf den kulturellen Kontext der Eikones – das kulturelle Leitkonzept der damaligen Zeit ist die Bildung – stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie geht der Sprecher der Eikones als gebildeter Betrachter mit den Gemälden um? Und was ist das für ein Text und damit ein imaginativer Raum, den er in Auseinandersetzung mit den Bildern schafft? Bemerkenswert ist an den Eikones vor allem, dass sie den Leser mit einer Ästhetik der Vielfalt, ja der Widersprüche konfrontieren. Diese Vielfalt nachzuzeichnen und dabei zu untersuchen, wie aus literaturwissenschaftlicher Sicht mit einem solchen Befund umgegangen werden kann, ist wesentliches Anliegen dieser Vorlesung.
Mario Baumann studierte von 2001-2006 Klassische Philologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der JLU Gießen. Nach seinem Abschluss war er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gießener SFB Erinnerungskulturen tätig. Seit Herbst 2006 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Altertumswissenschaften der JLU bei Prof. Dr. Peter von Möllendorf (Griechische Philologie). Er arbeitet gegenwärtig an seiner Dissertation zum Thema „Die schöne Padeia. Bildung und ästhetisches Programm in Philostrats Eikones“. Das Projekt wird betreut von Prof. Dr. Peter von Möllendorff.
Neill Busse, 13.01.
Neill Busse studierte an der JLU Gießen und der University of Bristol Mittlere und Neuere Geschichte, Fachjournalistik, Anglistik und Politikwissenschaften. Nach dem Examen (Magister Artium) begann er 2006 seine Promotion im Fach Geschichte zum Netzwerk der Schüler Justus Liebigs. Nach Stationen am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse und im Universitätsarchiv Gießen arbeitet er seit August 2007 am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), wo er seit Juni 2007 Mitglied ist. Daneben Lehrtätigkeit am Historischen Institut.
Ingo Trüter, 20.01.
Ingo Trüter studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Geschichte und Französisch und schloss im Juli 2007 mit dem ersten Staatsexamen ab. Der Titel seiner Examensarbeit lautete Bildung, Beziehung und Beruf. „Karriere“ in Egodokumenten spätmittelalterlicher Gelehrter. Im Oktober 2007 wurde er Mitglied am International Graduate Centre for the Study of Culture in Gießen und erhielt ebenda ein Promotionsstipendium. Der Arbeitstitel seines Dissertationsprojekts lautet: „Gelehrtenhabitus“ um 1500 – oder: Wie stifteten Akademiker sich Identität(en)? Betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Christine Reinle.
Sandra Börngen, 27.01.
Um kaum eine Berufsgruppe ranken sich mehr Mythen als um die der Künstler. In der Vorlesung werden diese Künstlermythen und die damit verbundenen Vorstellungsbilder von Künstlern systematisiert. Im Mittelpunkt steht der Begriff des "Künstlerhabitus" welcher aus der Habitustheorie Pierre Bourdieus abgeleitet wird. Die Vorstellungen, die wir mit Künstlern verknüpfen, sind europäischer Natur. In diesem Beitrag wird nach Künstlerbildern und dem Künstlerhabitus in außereuropäischen Gesellschaften gefragt. Am Beispiel Südafrika soll die “kreative Individualität” eines afrikanischen Landes entfaltet werden. Als ehemalige europäische Kolonie hatte das Land stets einen europäischen Bezugspunkt. Dies gilt ganz besonders für die Kunst, denn die moderne Galerie hat als solche im 20. Jahrhundert den Raum für Kunst kolonialisiert. Insofern treffen in Südafrika afrikanische und europäische Vorstellungen von künstlerischer Tätigkeit aufeinander. An distinkten Künstlertypen wird die Annäherung an einen südafrikanischen Künstlerhabitus versucht.
Sandra Börngen studierte von 2000 bis 2006 Kulturwissenschaften sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig. Mit Kunst und Künstlern Südafrikas beschäftigt sie sich seit einem Auslandssemester an der Universität Stellenbosch im Jahr 2004. Weitere Aufenthalte folgten und im Ergebnis entstand die Magisterarbeit mit dem Titel: „Der südafrikanische Künstler. Eine kulturgeschichtliche Analyse des 20. Jahrhunderts“.
Seit Oktober 2007 ist sie Stipendiatin des GCSC. Ihre Dissertation knüpft an die Magisterarbeit an und analysiert die Kultur- und Sozialgeschichte südafrikanischer Künstler im 20. Jahrhundert. Betreut wird das Projekt von Professor Winfried Speitkamp.
Daniel Stange, 03.02.
Als Quelle der Geschichtswissenschaften sind autobiographische Textformen seit langem umstritten, man versteht sie heute eher als quasi fiktionale Selbststilisierung denn als faktische Beschreibung eines Lebens und dessen Kontexts. Doch gerade in diesem Sinne werden Autobiographien für die Geschichtswissenschaft wieder interessant: Wo sie in größerer Zahl vorliegen, wo sie intensiv rezipiert werden, dort nehmen ihre Leser diese Selbststilisierungen und nicht zuletzt auch die Geschichtsbilder auf, die von den Autoren entworfen werden. Im subsaharischen Afrika nehmen seit der Phase der Dekolonisation (auto-)biographische Textformen eine zentrale Rolle ein im Wettstreit um eine autoritative Geschichte der "jungen" Nation. Es geht dabei nicht allein um die Frage der Darstellung von persönlichem Status und Macht, sondern auch um die Deutungshoheit im Spannungsfeld zwischen "Tradition" und "Moderne", zwischen (Neo-) Kolonialismus und "echter", "afrikanischer" Identität, und nicht zuletzt um literarisches "Nation Building". Autobiographische Textformen sind in diesem Kontext mehr als schlichte "emerging literatures", also als Vorstufe einer "großen Literatur" zu verstehende Textformen: In einem autoritären nachkolonialen Staat eröffnet eine populäre Gattung wie die Autobiographie einen Weg von Geschichts- und Erinnerungskultur jenseits einer offiziösen nationalen Geschichtswissenschaft.
Daniel Stange, M.A., (*1976) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 434 „Erinnerungskulturen“ und Doktorand am historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er studierte Geschichte, Fachjournalistik, Politikwissenschaften und Philosophie in Gießen (2000-2006). Sein von Prof. Dr. Winfried Speitkamp betreutes Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit „Autobiographie in Kenia zwischen Politik und Tradition“. Neben der Geschichte Ostafrikas im 20. Jahrhundert und der Kolonialgeschichte liegen seine Arbeitsschwerpunkte auf der Geschichte der Bildung im östlichen Afrika und der historischen Energieforschung im Rahmen des Gießener SEPA-Arbeitskreises.
Tine Bawden, 10.02.
Die Begriffe „Raum“ und „Wahrnehmung“ sind für die Untersuchungsgegenstände der Kunstgeschichte zentral. Gerade im Mittelalter sind Bilder stark an bestimmte Orte gebunden, ihre Wahrnehmung ist von dieser Ortsgebundenheit abhängig. Am konkreten Beispiel mittelalterlicher Portale wird erörtert, welchen Nutzen eine breitere kulturwissenschaftliche Diskussion für spezifische, in ihrem historischen Kontext zu verortende Bilder hat.
Tina Bawden (geb. 1980 in Regensburg) studierte 1999-2003 Kunstgeschichte, Philosophie und Englische Literaturwissenschaft an der University of Glasgow in Schottland und an der Università degli Studi di Firenze in Italien. Seit 2004 promoviert sie an der JLU im Fach Kunstgeschichte bei Prof. Dr. Silke Tammen über die Schwelle als Bildmotiv und Bildort im Mittelalter. Ihre Arbeit wurde mit einem Graduiertenstipendium der JLU gefördert.