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GGK/GCSC-Newsletter 1/08

Editorial


Liebe Mitglieder von GGK und GCSC, liebe Partner und Freunde des Graduiertenzentrums!

Wir freuen uns, Ihnen heute unseren ersten Newsletter in neuem Design senden zu können, der Sie über einige Höhepunkte am Graduiertenzentrum der letzten Monate informiert und einen Ausblick auf ausgewählte Veranstaltungen und Events der nächsten Wochen bietet. Wir hoffen, dass der Newsletter insbesondere unseren externen Freunden und Partnern einen lebhaften Eindruck von dem vielfältigen Angebot vermittelt, dass das GGK und GCSC den kulturwissenschaftlichen DoktorandInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen der Justus-Liebig-Universität bieten: Eine Tagung mit den führenden Theoretikern zum Thema „Raum“ in den Kulturwissenschaften am GCSC, Master Classes mit Siegfried J. Schmidt und Doris Bachmann-Medick, eine fulminant angenommene Ringvorlesung von DoktorandInnen für Studierende und unser Ende Juni stattfindender Karrierekongress zum Thema „Promovieren mit Perspektive“ sind nur einige Beispiele für die spannenden Veranstaltung am Graduiertenzentrum. Dass GGK und GCSC auch international immer bekannter werden, zeigen weitere Berichte: Lesen Sie, wie der Informationstag für angehende DoktorandInnen Interessierte selbst aus den USA nach Gießen lockte, wie sich das GCSC zu Besuch am weltberühmten MIT in Cambridge (Massachusetts) präsentierte, und welche Ehre einem unserer Postdoc-Stipendiaten in Brasilien zuteil wurde.

Abschließend möchten wir Sie darauf hinweisen, dass nicht nur unser Newsletter in neuem Design erstrahlt: Auch unsere Websites wurden überarbeitet. Sie finden künftig alle wichtigen Informationen über GGK und GCSC auf unseren übersichtlicher gestalteten neuen Seiten:

http://cultdoc.uni-giessen.de (Portal)
http://gcsc.uni-giessen.de (GCSC)
http://ggk.uni-giessen.de (GGK)

Schauen Sie doch einmal vorbei oder werfen Sie einen Blick in die jüngst erschienene neue Ausgabe unseres Online-Rezensionsmagazins KULT_online! Doch zunächst wünschen wir Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieses Newsletters. Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu dieser Ausgabe oder auch zur Arbeit am GGK und GCSC allgemein haben, schreiben Sie uns gerne eine Mail an gcsc@uni-giessen.de. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Herzliche Grüße und die besten Wünsche für ein weiterhin erfolgreiches Sommersemester,

Ansgar Nünning / Martin Zierold
Geschäftsführender Direktor / Geschäftsführer

Inhalt

Rückblick

Erschließung des Raumes in den Kulturwissenschaften

AG RaumDie Kategorie ‚Raum’ wird seit einigen Jahren in den Kulturwissenschaften zunehmend diskutiert. Aus diesem Grund befasst sich die AG „Konzepte und Funktionen des Raums“ seit zwei Jahren aus philosophischer, soziologischer, historischer sowie literaturwissenschaftlicher Sicht mit Grundlagen der Raumtheorie. Der Studientag zur „Erschließung des Raums in den Kulturwissenschaften“ zielte darauf ab, einen Überblick über ein aktuelles und dynamisches Forschungsfeld zu geben und seinen vielfältigen interdisziplinären Nutzen aufzuzeigen. Als Referenten konnten Dr. Jörg Dünne und Dr. Stephan Günzel, die beiden Herausgeber des Suhrkamp-Bandes Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften gewonnen werden.

Die Kooperation mit dem Gießener Mathematikum zeigte, dass Fragestellungen des Raumes für Natur- und Kulturwissenschaften gleichermaßen von Interesse sind. An eine Führung durch die ständige Ausstellung des Mathematikums schloss sich der Abendvortrag „Nach dem spatial turn. Zur Beschreibung räumlicher Strukturen in den Kulturwissenschaften“ von Dr. Stephan Günzel an, der in das Forschungsfeld einführte. Der zweite Tag beinhaltete Werkstattgespräche, in denen die Fruchtbarkeit der theoretischen Ansätze für konkrete Analyseobjekte thematisiert wurde. Dr. Jörg Dünne gab eine praktische Einführung in die Arbeit mit dem Medium ‚Karte’ als Teil der frühneuzeitlichen Medialität und zeigte, wie Fiktionspraktiken sich vor dem Hintergrund neuer Raumvorstellungen ändern können. Dr. Sonja Altnöder präsentierte ihr Projekt zu narrativen Kartographien Londons von 1750 bis zur Gegenwart; Jens Priwitzer stellte Thesen seines Promotionsprojektes zu „Verortungen von Maskulinität in der DDR-Prosa der 1960er Jahre“ vor, und Anja Hübner und Claudia Nickel zeigten anhand eines Textauszugs aus Jurek Beckers Die Mauer die Problematik der Repräsentation von abgeschlossenen Räumen des Ghettos und Lagers auf.

Die Bandbreite der besprochenen Projekte und ihre Verknüpfung mit Theorien unterschiedlicher Disziplinen zeigten die interdisziplinäre Ausrichtung des Studientags, der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Philologien, der Geschichte, Archäologie und der Angewandten Theaterwissenschaft anzog.

Claudia Nickel

Forschungsperspektiven zwischen Hessen und Wisconsin: Workshop „Sprache – Literatur – Migration“

AG Raum Ein gemeinsames Forschungsprojekt zu den kulturellen Wurzeln und der Identität der Deutsch-Amerikaner in Wisconsin planen Professoren und Doktoranden der Universität Gießen und der University of Milwaukee. Daher reisten der Linguist Garry Davis sowie die Germanistinnen Ruth Schwertfeger und Jenny L. Watson Mitte Januar aus Milwaukee an, um mit Angehörigen der Gießener Germanistik und Anglistik Forschungsfragen auszuarbeiten und zu diskutieren. In dem US-Bundesstaat Milwaukee werden die Traditionen der im 19. und 20. Jahrhundert eingewanderten Deutschen, darunter viele Hessen, lebendig gehalten. Die Auswertung der zahlreichen unbearbeiteten Quellen zur Einwanderung der Deutschen in Wisconsin, die in den Archiven von Wisconsin und Hessen liegen, könnte wichtige Erkenntnisse über Amerikanerinnen und Amerikaner mit deutschem Migrationshintergrund liefern. Im Rahmen des veranstalteten Workshops „Sprache – Literatur – Migration“ wurden Forschungsprojekte aus der germanistischen und anglistischen Sprach- und Literaturwissenschaft vorgestellt, die sich mit Sprachwandel, Kulturaustausch und Identität beschäftigen. Die Themen reichten vom Sprachgebrauch in so genannten Internet-Ethno-Foren über den Zusammenhang von Dialekt und Identität bis zu literarischen Identitätsentwürfen in der Romantik und zur deutsch-türkischen Gegenwartsliteratur. Interessierte DoktorandInnen können sich noch an dem Forschungsprojekt beteiligen. Ansprechpartner sind Prof. Gerhard Kurz sowie die Promovierenden Christiane Nowak und Thorsten Brato.

Christiane Nowak

GCSC bei der MIT-European Career Fair vertreten

Career Fair In diesem Jahr war das GCSC erstmalig mit einem Stand bei der jährlichen MIT European Career Fair präsent, die das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung Anfang Februar in Cambridge (Massachusetts) veranstaltete. Über 4000 AbsolventInnen und junge NachwuchsforscherInnen besuchten die Messe, die in diesem Jahr unter dem Motto „Research in Germany – Land of Ideas“ stand, um sich über Karrieremöglichkeiten nach dem Studium zu informieren. Dort erhielten sie die Möglichkeit, Gespräche mit Vertretern deutscher Unternehmen, führender Wissenschafts¬organisationen und Förderungsinstituten wie der Hochschulrektorenkonferenz, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt Stiftung sowie ausgewählter deutscher Universitäten und Graduiertenschulen zu führen, die internationalen NachwuchswissenschaftlerInnen exzellente Forschungs- und Karrieremöglichkeiten bieten.

Für das GCSC, das mit dem Geschäftsführer Dr. Martin Zierold und der Forschungskoordinatorin Dr. Sibylle Baumbach in Boston vertreten war, bot die Messe eine hervorragende Gelegenheit, interessierte Bachelor- und Master-Absolventen sowie DoktorandInnen und Postdocs, darunter zahlreiche Studierende der University of Harvard, über das Forschungsprofil und aktuelle Ausschreibungen von Stipendien und Fellowships zu informieren. Darüber hinaus nutzten sie die Career Fair, um AbsolventInnen auf die Vielzahl von weiteren attraktiven Forschungsprogrammen der Justus-Liebig-Universität Gießen aufmerksam zu machen. Angesichts der großen Nachfrage am GCSC-Informationsstand und der vielen Einzelgespräche, die an den Folgetagen der Messe mit interessierten KandidatInnen geführt wurden, beantwortete sich die Frage der zum Auftakt der Career Fair geführten Podiumsdiskussion ‚Is European Research Competitive?’ schon fast von selbst.

Großen Andrang gab es auch bei dem von der DFG geleiteten Panel zur Exzellenzinitiative, zu dem sich rund 200 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Marriott Hotel versammelten, um sich einen Überblick über die deutsche Forschungslandschaft und Karrieremöglichkeiten in Deutschland zu verschaffen. Gemeinsam mit Vertretern anderer Exzellenzinitiative-Einrichtungen stellte Dr. Martin Zierold kulturwissenschaftliche Forschung und insbesondere die exzellenten Bedingungen für Nachwuchswissenschaftler am GCSC vor.

Sibylle Baumbach und Martin Zierold

GCSC gratuliert ersten AbsolventInnen

Disputation Lola Als erste Doktoranden des GCSC konnten André Hahn und Perpetua Kininla Lola Nkamanyang aus Kamerun ihr Promotionsverfahren erfolgreich abschließen. Unter der fachlichen Betreuung von Prof. Herbert Grabes verfasste André Hahn seine Dissertation zur „Darstellung und Kritik nationaler Mythen im amerikanischen Drama“ und absolvierte im November vergangenen Jahres seine Disputation. Zur Disputation von Frau Nkamanyang reiste im März eigens ihre Co-Betreuerin Prof. O. M. Njikam Savage aus Kamerun an. Betreut von ihrem Doktorvater Prof. Ansgar Nünning erlangte Frau Nkamanyang auch als erste ihres Jahrgangs des Internationalen Promotionsprogramms „Literatur und Kulturwissenschaft“ (IPP) innerhalb von zwei Jahren den Doktortitel. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit dem anglistischen Thema „Forms and Functions of Narration and Focalization in Poetry Analysis: A Study of Some Selected Poems of Lord Byron“. Kurz nach ihrer Disputation kehrte Frau Nkamanyang nach Kamerun zu ihrem Mann und ihren zwei Kindern zurück, um an der Universität in Douala ihre Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen. Wir gratulieren Frau Nkamanyang und Herrn Hahn und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft.

Katja Urbasch

Angehende DoktorandInnen aus aller Welt informieren sich über kulturwissenschaftliches Promovieren in Gießen

„Ein tolles Angebot“ – Informationstag Promotion am GCSC begeistert Teilnehmende

Infotag Trotz des Schneechaos auf den Straßen und Bahnstrecken rund um Gießen ließen sich über achtzig angehende DoktorandInnen am 7. April nicht aufhalten, am Informationstag Promotion des Internationalen Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität teilzunehmen. Aus ganz Deutschland, dem europäischen Ausland und sogar den USA reisten Interessierte an, um sich über das strukturierte Promotionsangebot des Graduiertenzentrums zu informieren. „Was Sie schon immer über’s Promovieren wissen wollten – und bisher nicht zu fragen wagten“, konnten die Studierenden und AbsolventInnen in einem breit gefächerten Angebot aus Vorträgen und Workshops erfahren. In einem Infocafé berichteten aktuelle DoktorandInnen und PostdoktorandInnen über ihre Forschungsprojekte und ihr Engagement am Gießener Graduiertenzentrum, und als mögliche künftige Doktorväter und -mütter standen über zwanzig ProfessorInnen aus den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen in individuellen Beratungsgesprächen Rede und Antwort.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich von dem Programm, das am GCSC bereits zum zweiten Mal angeboten wurde, mehr als begeistert und waren so optimal vorbereitet, um sich um eins der zehn Stipendien oder eine Mitgliedschaft am Graduiertenzentrum zu bewerben. „Der Informationstag ist ein tolles Angebot! Man kommt hier mit den Doktoranden und den Professoren sofort ins Gespräch, das gibt es anderswo nicht“, sagte Caroline Rothauge aus Frankfurt. Dort absolviert sie gerade ein Verlagsvolontariat und möchte im Anschluss promovieren. Überrascht über das Programm zur Qualifizierung von Hochschullehrenden war Michael Podschadel-Hoff aus Essen: „Ich finde es sehr interessant, dass hier ein Teaching Centre Kurse in der Hochschuldidaktik anbietet und man ein Zertifikat erwerben kann, das die späteren Chancen auf eine Karriere an der Hochschule erhöht. Ich wusste nicht, das es so etwas überhaupt gibt.“ Ob das Graduiertenzentrum „das Richtige“ für sie ist und wie man sich um eins der zehn jährlich ausgeschriebenen Doktorandenstipendien oder um Mitgliedschaft am GCSC bewerben kann, wollte Fabienne Imlinger aus Innsbruck wissen. Sie würde sich wünschen, dass auch andere Universitäten Informationstage für angehende DoktorandInnen anbieten. Und die studierte Komparatistin Martina Kopf fand es darüber hinaus besonders ermutigend, dass sie im Graduiertenzentrum Ansprechpartner getroffen hat, die selbst schon erfolgreich promoviert haben. Bevor Sie den Heimweg nach Mainz antrat, lautete daher ihr Fazit: „Es hat sich gelohnt, hierher zu kommen!“

Katja Urbatsch

Graduiertenzentrum Partner bei LOEWE-Förderantrag der JLU

LOEWE Mit dem Projekt „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ hat sich die Justus-Liebig-Universität in Kooperation mit der Fachhochschule Gießen-Friedberg und dem Marburger Herder Institut um eine Schwerpunktförderung im Rahmen des hessischen Förderprogramms LOEWE beworben. ‚LOEWE’ steht für „Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ und soll Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hessen eine Schwerpunktbildung sowie eine intensivere Vernetzung von außeruniversitärer Forschung, Wirtschaft und Wissenschaft erleichtern. Gefördert werden unter anderem Schwerpunktprojekte an hessischen Hochschulen oder zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren mit jährlich 800.000 bis 1,5 Millionen Euro. Neben dem von Prof. Dr. Henning Lobin geleiteten Zentrum für Medien und Interaktivität, das den Antrag federführend betreute, sind an der JLU auch das Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse sowie das GGK/GCSC und zahlreiche ProfessorInnen der kulturwissenschaftlichen Fachbereiche mit Projektteilen an dem Antrag beteiligt. Der Beitrag des Graduiertenzentrums besteht sowohl in der Bereitstellung der Infrastruktur für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als auch in der Vernetzung der wissenschaftlichen Teilprojekte des Schwerpunkts „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ mit den Forschungsgruppen des GCSC.

Anfang April besuchte eine Gutachterkommission die JLU Gießen und begutachtete dabei auch das Graduiertenzentrum. Bei Bewilligung der LOEWE-Förderung kann das Graduiertenzentrum weitere Doktoranden- und Postdocstipendien innerhalb des neuen Forschungsschwerpunkts vergeben. Die Entscheidung über den Antrag wird voraussichtlich im Juni gefällt werden.

Katja Urbatsch

About Schmidt – Vortrag und Master Class mit S. J. Schmidt

SJ Schmidt Getreu dem Prinzip der GCSC Master Classes, keine Referate über andere Arbeiten zu bieten, sondern renommierte Wissenschaftler selbst einen Einblick in ihre aktuellen Forschungen geben zu lassen, konnte nun mit Siegfried J. Schmidt ein besonders prominenter Vertreter aktueller kulturwissenschaftlicher Theoriedebatten gewonnen werden. Schmidt steht dabei in Deutschland wie kaum ein anderer für die Auseinandersetzung mit dem sogenannten radikalen Konstruktivismus, der die intellektuellen Debatten der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat. Inzwischen hat der Münsteraner Denker jedoch auf empirischer wie theoretischer Ebene eine Weiterentwicklung seines Forschungsprogramms vollzogen, der auch die Struktur der Giessener Doppelveranstaltung in gewisser Weise folgte. So stellte Schmidt zunächst am Beispiel „Virtueller Friedhöfe“ im Internet eine Fallstudie aus dem Bereich dessen vor, was er als empirische Medienkulturwissenschaft bezeichnet. Der Vortrag hinterließ dabei nicht zuletzt aufgrund der visuellen Evidenz des analysierten Materials einen nachhaltigen Eindruck bei den gespannten Zuhörerinnen und Zuhörern. Auch die sich daran anschließende engagierte Diskussion des Themas konnte zwar die von Schmidt aufgeworfene Frage, ob es hier tatsächlich um „Indikatoren einer neuen medialen Todeskultur“ handelte, nicht verbindlich klären, verwies jedoch noch einmal mit Nachdruck auf die Aktualität des Themas.

Der folgende Vormittag stand ganz im Zeichen der Master Class, in der Schmidt seine Philosophie der „Geschichten und Diskurse“ vorstellte und mit den anwesenden DoktorandInnen und Postdocs diskutierte. Schmidt schlug eine Revision des klassischen konstruktivistischen Ansatzes vor, die eine dualistische Denkweise – die letztlich unauflöslich um die Differenz einer postulierten Realität und ihrer subjektiven Konstruktion kreist – zugunsten eines praktisch orientierten nondualistischen Modells aufhebt. Der von Schmidt eingeforderte pragmatische Umgang mit der Erkenntnistheorie, der sich mehr auf die Praxis alltäglicher Problemlösungen konzentriert als hochtrabende epistemologische Debatten zu inszenieren, fand bei dem durchaus nicht nur aus Konstruktivisten zusammengesetzten Kreis großes Interesse und erwies sich vor allem in der Erörterung konkreter empirischer Projekte als außerordentlich fruchtbar. Von der Diskussion um die weibliche Genitalbeschneidung über „social software“ bis hin zu klassischen Fragen der Geschichtstheorie gelang es Schmidt immer wieder, sich nicht nur auf die Fragen des Publikums einzulassen, sondern diese im Rahmen des eigenen Denkansatzes zu reformulieren und produktiv weiterzudenken. Die gesamte Veranstaltung war somit nicht nur Ausdruck eines gelungenen Dialogs unterschiedlicher Forschergenerationen und Ansätze, sondern auch der innovativen Praxis kulturwissenschaftlichen Denkens und Forschens.

Marian Füssel

Publikationen

Sechzehnte Ausgabe von KULT_online erschienen

KLUT_online Neun Rezensionen relevanter kulturwissenschaftlicher Neuerscheinungen geben in dieser Ausgabe Leseanregungen sowohl für ein breit interessiertes Publikum als auch für Spezialistinnen und Spezialisten. Populärkulturelle Themen, wie die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs – die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz – oder der ‚Kulturraum Internet’ und die neuen Bildungschancen und -hindernisse, die dieser bereit hält, sind ebenso vertreten, wie die gewichtigen Fragen nach dem friedensstiftenden Potential von Religion oder nach der nationalen Sinnstiftung von Personendenkmälern. Zudem geben die Rezensentinnen und Rezensenten Auskunft über Bände, die sich dem Kalendergenre ‚Hinkender Bote’, den Dialogen zwischen Text und Fotografie in sogenannten Foto-Texten, höfischen Kompromissen in mittelalterlicher Epik, der zwischen cultural, cognitive und generic turn angesiedelten fiktionalen Metabiographie oder der Hofmannsthal-Forschung der letzten fünfzehn Jahre widmen.

KULT_online erscheint zwei Mal im Semester und bietet Nachwuchswissenschaftlern einen idealen Einstieg in das wissenschaftliche Publizieren. Die fachliche Exzellenz der Rezensionen garantiert ein fächerübergreifender und interdisziplinär zusammengesetzter wissenschaftlicher Beirat, der der Redaktion bei Fachfragen zur Seite steht. Sollten Sie Lust haben, selbst eine Rezension zu verfassen, lesen Sie hier weiter. Rezensionsanregungen gibt die KULT_Bibliographie, es können aber auch eigene Vorschläge eingebracht werden. Die siebzehnte Ausgabe von KULT_online erscheint Ende des Sommersemesters 2008. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe von KULT_online ist der 15. Juni 2008.

Mirjam Bitter

Ausblick

Kulturwissenschaftliche Ringvorlesung – von DoktorandInnen für Studierende

Ringvorlesung Mit dem Start des Sommersemesters hat die erste kulturwissenschaftliche Doktorandenringvorlesung des GCSC Teaching Centre am Institut für Anglistik begonnen. Unter großem Andrang seitens der Studierenden gab Meike Hölscher am 02. April einen Überblick über Kultur und Literatur des englischen Modernismus und bereitete ihr Promotionsthema gut verständlich und studierendengerecht auf. Auch Uwe Mayer, Stefanie Bock und Stephan Freißmann boten bereits anschauliche Einblicke in Schlüsselthemen der Anglistik. In diesem neuen Veranstaltungsformat am GCSC stellen Doktoranden zentrale Themen und Hauptgebiete ihres Faches aus der Perspektive innovativer Forschungsansätze für Studierende aller Semester vor. Gleichzeitig sammeln die DoktorandInnen erste Erfahrungen in der Vorbereitung und Durchführung von Vorlesungen. Die Vorlesungsreihe zu „Schlüsselthemen in der Anglistik / Key Topics in English Studies“ als Pilotprojekt der Ringvorlesung stieß bei den Studierenden der Anglistik auf großes Interesse: Seit Beginn verfolgen etwa hundert Studierende die Vorlesung. Aufgrund dieses Erfolges sind in den kommenden Semestern weitere Ringvorlesungen an anderen am GCSC beteiligten Fachbereichen geplant. Das fortlaufende Veranstaltungsprogramm finden Sie unter http://cultdoc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/cultdoc/Doktorandenringvorlesung

Stefanie Bock und Nadine Pippel

Promovieren mit Perspektive – Der GGK/GCSC Karrierekongress

Ehemalige Doktoranden sowie Expertinnen aus verschiedenen Berufsfeldern informieren am 28. Juni über den Berufseinstieg nach der Promotion.

KarrierekongressHoch qualifiziert und trotzdem Berufsanfänger? Manchmal fragen sich Doktorandinnen und Doktoranden während ihrer Doktorarbeit nicht ohne Sorgen, was wohl nach der Promotion folgen wird. Dabei gibt es allen Grund zu Selbstbewusstsein, denn die Qualifikationen, die Studierende durch eine Doktorarbeit weit über ihre fachlichen Kompetenzen hinaus erwerben sind enorm. Was ehemalige Doktoranden im Nachhinein über ihre Promotion denken und vor allem wie sie Arbeitgeber von ihren Kompetenzen überzeugt und eine passgenaue berufliche Tätigkeit für sich gefunden haben, erfahren die zukünftigen Absolventen am 28. Juni im Foyer der Sparkasse Gießen auf dem Karrierekongress des GGK/GCSC.

Unter dem Motto „Promovieren mit Perspektive“ geben auf dem Karrierekongress ehemalige Doktoranden sowie ausgewiesene Experten aus verschiedenen Berufssparten detaillierte und vor allem lebensnahe Auskünfte über ihre Erfahrungen mit dem Berufseinstieg. In vier Kurzreferaten am Vormittag soll die Bandbreite möglicher Tätigkeitsbereiche und beruflicher Einstiegsmöglichkeiten promovierter Geistes- und Kulturwissenschaftler aufgezeigt werden. So erhalten die zukünftigen Absolventen Einblick u. a. in die Bereiche Unikarriere, Stiftungswesen, Literaturarchiv und Verlagswesen. Prof. Marion Gymnich, heute an der Universität Bonn Leiterin des Instituts für Anglistik, hat als wissenschaftliche Mentorin selbst vielen Doktoranden auf diesem steinigen Weg weiter geholfen. Aus Bonn reist Dr. Annette Julius an, promovierte Slavistin und Programmleiterin beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), um über wissenschaftsnahe Stiftungen und den Einstieg in diesen Bereich zu berichten. Im Deutschen Literaturarchiv Marbach hat eine weitere ehemalige Doktorandin den Weg in ihren Traumberuf gefunden: Nikola Herweg hat ihre Dissertation in Germanistik gerade erst abgegeben, sich damit aber gleich eine Art beruflicher „Startrampe“ gebaut: Sie schrieb über den Nachlass einer jüdischen Kinderbuchautorin – und Nachlassverwaltung ist auch jetzt ihr Aufgabengebiet. Schließlich stellt sich ein, wie er sagt, „typischer Quereinsteiger“ vor, dessen Einstieg aber offenbar nicht so ganz verquer gelaufen ist: Dr. Erwin Otto leitet heute den WVT-Verlag in Trier und repräsentiert damit einen klassischen Beruf für Geistes- und Sozialwissenschaftler.

Im Anschluss an die Kurzreferate können sich die Doktoranden mit den Ehemaligen in der Mittagspause informell austauschen und Netzwerke knüpfen. Auch dies ist ein Ziel des Karrierekongresses, der potentielle Mentoren mit hoch qualifizierten Berufsanfängern zusammenbringen will. Näher Informationen über den Karrierekongress finden Sie auf der GGK/GCSC Internetseite http://cultdoc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/cultdoc/karrierekongress.

Irene Lamberz und Sabrina Kusche

GGK/GCSC & Friends Party der Kulturmanagement AG

GGK GCSC Party Die Kulturmanagement AG lädt alle Mitglieder und Freunde des Graduiertenzentrums zur ersten „GGK/GCSC & Friends Party“ am 29. Mai ab 21 Uhr im MuK an der Automeile in Gießen ein. Der Eintritt beträgt 3 Euro, wofür verschiedenste DJ’s ein abwechslungsreiches musikalisches (Tanz-)Programm bieten werden. Wir freuen uns auf eine „exzellente“ Party.

Die Kulturmanagement AG ist aus dem Workshop „Kulturmanagement. Berufliche Möglichkeiten generell – und in Gießen als Hochschulort“ des GGK/GCSC Career Service im Juni 2007 hervorgegangen. Für Promovierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, die nicht in erster Linie eine wissenschaftliche Karriere an der Universität verfolgen, stellt sich das Berufsfeld Kulturmanagement als hochattraktiv dar. Ziel der Kulturmanagement AG ist es daher, die Berufsperspektiven für DoktorandInnen im Bereich Kulturmanagement zu erweitern, indem die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft bereits während der Promotion praktische Berufserfahrungen sammeln und universitätsexterne Netzwerke aufbauen können. Zudem können die Mitglieder über die Promotion hinaus weitere spezifische Schlüsselkompetenzen in den Bereichen Projekt- und Eventmanagement erwerben, die ihre beruflichen Erfolgschancen erhöhen.

Die Mitglieder der Kulturmanagement AG organisieren kulturelle Veranstaltungen wie beispielsweise Filmabende und -reihen, Ausstellungen, Musikveranstaltungen und Lesungen. Des Weiteren veranstalten sie in enger Absprache mit dem Career Service berufspraktische Kulturmanagement Workshops. Um mit diesen Veranstaltungen über das Graduiertenzentrum und die Universität hinaus ein breites Publikum zu erreichen, vernetzt sich die Kulturmanagement AG mit Gießener Kulturschaffenden und dem Gießener Kulturleben. Damit möchten die Mitglieder der Kulturmanagement AG einen Beitrag dazu leisten, dass das Graduiertenzentrum nicht nur als Ort wahrgenommen wird, in dem Kultur erforscht, sondern auch aktiv mitgestaltet wird.

Katja Urbatsch

Master Class-Reihe Grundbegriffe kulturwissenschaftlicher Forschung mit Dr. Doris Bachmann-Medick

Bachmann Medick Die Kulturwissenschaften zeichnen sich durch die Einführung immer wieder neuer, disziplinenübergreifender Analysebegriffe und Kategorien aus. Diese dienen nicht nur dazu, die kulturwissenschaftlichen Phänomene zu beschreiben und zu analysieren, sondern sie überhaupt erst mit theoretisch geschärftem Blick wahrzunehmen, ja sie geradezu mitzuprägen. Doch viele dieser Grundbegriffe sind mittlerweile zu jargonähnlichen Formeln geronnen. Ihre methodisch-analytische Trennschärfe ist ebenso verloren gegangen wie ihr Erkenntnispotenzial. In einer Serie von Master Classes, die von Dr. Doris Bachmann-Medick geleitet werden, soll es darum gehen, die Begriffe, mit denen Kulturwissenschaftler täglich arbeiten, wieder analytisch-methodisch fruchtbar zu machen: Transnationalität/Transkulturalität, Hybridität, Identität, Fremdheit/Alterität/Alienität, Kultureller Text, Repräsentation, Performanz/Performativität, Gedächtnis/Erinnerung, Habitus, Netz/Vernetzung, Travelling Cultures/Travelling Concepts usw. Die Master Class-Reihe, die sich über mehrere Semester erstreckt, beginnt im aktuellen Sommersemester mit den zwei Master Classes „Transnationalität/Transkulturalität“ und „Hybridität“.

Stefanie Bock

Personalia

Willkommen und Abschied

Sumner und KöhlerZum Jahreswechsel verabschiedeten sich die Mitarbeiterinnen des GGK/GCSC Angela Sumner und Kristina Köhler von den Mitgliedern und Kollegen des Zentrums. Frau Sumner betreute als langjährige Mitarbeiterin insbesondere die GGK-Sektionen und baute das Engagement des Graduiertenzentrums für Promovierende mit Kind auf. Nun wird sie für die Universität Gießen in der Stabsabteilung Planung und Controlling tätig sein. Kristina Köhler leitete die Redaktion des Rezensionsmagazins KULT_online und betätigte sich in der Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums. Seit Februar arbeitet Frau Köhler als Assistentin am Seminar für Filmwissenschaften der Universität Zürich. Sie wird dem Graduiertenzentrum jedoch als assoziiertes Mitglied weiter treu bleiben. Frau Sumner und Frau Köhler möchten wir ganz herzlich für ihre hervorragende Arbeit und ihr außerordentliches Engagement danken und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft.

Annette CremerAls Nachfolgerinnen begrüßen wir Annette Cremer als Koordinatorin der GGK-Sektionen und der Unterstützung für Promovierende mit Kind sowie Mirjam Bitter als neue Redakteurin von KULT_online. Annette Cremer hat Kunstgeschichte und Anglistik in Mainz, Cork (Irland) und Marburg studiert. Sie promoviert im Fach Kunstgeschichte zu weiblicher Selbstdarstellung im höfischen Kontext in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Berufliche Erfahrungen sammelte sie an der Universität in mehrjähriger Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft in Germanistik und Kunstgeschichte, sowie als Mitarbeiterin der Frauenbeauftragten der Universität Marburg. In ihrer neuen Funktion möchte sie für alle Mitglieder des GGK als verlässlicher Partner offen und ansprechbar sein.

Mirjam BitterMirjam Bitter studierte Neuere Deutsche Literatur und Italienisch in Marburg, Venedig und Berlin. Anschließend absolvierte sie ein Lektoratsvolontariat im Berliner Verlag Klaus Wagenbach. In ihrem Dissertationsvorhaben befasst sich Frau Bitter mit Gedächtnis und Geschlecht in der Literatur deutsch-jüdischer und italienisch-jüdischer Autorinnen und Autoren der Gegenwart. Neben KULT_online wird Frau Bitter auch weitere Publikationen des Graduiertenzentrums betreuen und sich in der Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Wir möchten Frau Cremer und Frau Bitter herzlich Willkommen heißen und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Das GCSC begrüßt neuen Juniorprofessor Dr. Marian Füssel

Füssel Als Juniorprofessur für Kulturgeschichte bereichert Dr. Marian Füssel seit diesem Sommersemester die Forschungsaktivitäten des GCSC. Herr Füssel studierte Geschichte, Philosophie und Soziologie an der Universität Münster und war anschließend als Mitarbeiter im dortigen Sonderforschungsbereich „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur französischen Revolution“ tätig. Seine Dissertation verfasste Herr Füssel zur „Gelehrtenkultur als symbolische Praxis“. Nach seiner Promotion arbeitete er als Assistent am Lehrstuhl von Prof. Barbara Stollberg-Rilinger in Münster zu den Forschungsschwerpunkten Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Militärgeschichte, Mediengeschichte und Geschichtstheorie. In seinem Forschungsworkshop „Klassiker der Kulturgeschichte“ gibt Herr Füssel den Doktorandinnen und Doktoranden des GCSC einen exemplarischen Einblick in Theorie und Praxis der neuen Kulturgeschichte.

Dr. Marcel Vejmelka mit Preis des brasilianischen Außenministeriums ausgezeichnet

Vejmelka Für seinen herausragenden Essay „Eine Archäologie von Rio de Janeiro. Ausgrabungen im Roman Escavando O Suberrâneo do Morro do Castelo von Lima Barreto“ (Uma arqueologia do Rio. Escavando O Suberrâneo do Morro do Castelo de Lima Barreto) erhält Dr. Marcel Vejmelka den Förderpreis des brasilianischen Außenministeriums für die Verbreitung brasilianischer Literatur im Ausland. Als einer von fünf Preisträgern des Essay-Wettbewerbs über den brasilianischen Autor Lima Barreto wurde Herr Verjmelka am 24. April durch den brasilianischen Außenminister Celso Amorim vor den Mitgliedern der Akademie für Sprache und Dichtung in Rio de Janeiro geehrt. Darüber hinaus trug Herr Vejmelka seinen Essay vor den Studierenden der Diplomatenakademie des Außenministeriums vor und stellte ihn zur Diskussion. Die Essays aller Preisträger des Wettbewerbs werden als Buch veröffentlicht. Marcel Vejmelka hat an der Freien Universität Berlin mit seiner Arbeit zu "João Guimarães Rosas 'Grande sertão: veredas' und Thomas Manns 'Doktor Faustus' im interkulturellen Vergleich" promoviert und ist seit Januar vergangenen Jahres als Postdoc-Stipendiat am GCSC tätig.