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GCSC-Newsletter 1/09

Editorial

Liebe Mitglieder von GGK und GCSC,
liebe Partner und Freunde des Graduiertenzentrums!

nachdem das Wintersemester bereits mit einigen Höhepunkten angelaufen ist, freuen wir uns, Ihnen mit unserem Newsletter wieder einen aktuellen Eindruck des vielfältigen akademischen Lebens am Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK) / International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zu geben. Egal, ob Sie sich primär für unsere Forschungsthemen, für die Menschen am Zentrum oder zum Beispiel für unsere internationalen Perspektiven interessieren – Sie werden sehen: an GGK und GCSC ist immer Vieles in Bewegung!

An dieser Stelle möchten wir vor allem die neuen Mitglieder noch einmal herzlich begrüßen, die im Oktober ihre Promotion in Gießen begonnen haben. Einen Bericht über die stimmungsvolle Welcome Ceremony für den neuen Jahrgang finden Sie unten, neben Informationen über die Erträge der Summer Schools der vergangenen Monate, die vielfältigen Aktivitäten der Arbeitsgruppen am Zentrum oder neue Initiativen wie das bi-nationale Onlinemagazin eTransfers, das wir gemeinsam mit dem Centre for German Anglo Relations der Queen Mary University of London gegründet haben. Dieses Projekt zeigt exemplarisch, wofür Promovieren in Gießen steht: viel Raum für gemeinschaftliche Initiativen von engagierten Nachwuchswissenschaftlern, attraktive Möglichkeiten die eigene Forschung zu verfolgen, sichtbar zu machen und zur Diskussion zu stellen sowie ein großes Gewicht auf der internationalen Vernetzung der Mitglieder.

Wir hoffen, dass auch dieser Newsletter wieder einen Eindruck von diesem besonderen Gießener ‚Spirit’ gibt. Viel Spaß beim Lesen!

Herzliche Grüße und die besten Wünsche für ein weiterhin erfolgreiches Semester im Namen des gesamten GGK/GCSC-Teams,

Ansgar Nünning & Martin Zierold
Direktor GGK/GCSC & Geschäftsführer GGK/GCSC

Events

Feierliche Begrüßung des neuen DoktorandenjahrgangsInsgesamt

48 neue DoktorandInnen aus 10 Ländern begrüßten das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und das Internationale PhD Programm „Literary and Cultural Studies“ (IPP) am Montag, 19. Oktober 2009, in der Aula der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen.

„Die Großstadt als soziales Gefüge“ oder „Nationale Geschichtsschreibung als identitätsstiftendes Element im ‚Neuen Europa’“ lauteten die Arbeitstitel der Dissertationen, die Forschungskoordinatorin Beatrice Michaelis vorlas, um die neuen DoktorandInnen auf die Bühne zu bitten. In deren Gesichtern spiegelte sich die Freude über die Aufnahme in die Graduiertenprogramme, so zum Beispiel bei Daniel Holder, der bekräftigte: „Ich habe richtig Lust auf die Promotion und bin gespannt auf das akademische Umfeld und den Austausch mit anderen DoktorandInnen, Postdocs und Professoren.“
WeCeGruppe

Diese und andere Aussagen belegten den im Laufe des Abends oft zitierten ‚Spirit’ des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften, als Partner internationaler Spitzenunis und Pioniermodell unter deutschen Promotionsprogrammen einerseits, als ein tatsächliches Zentrum für Dialog und Zusammenarbeit andererseits.

So zog Professor Joybrato Mukherjee, designierter Präsident der JLU, in seiner Ansprache eine direkte Linie vom Leben und Werken Justus von Liebigs bis zu GCSC und IPP. Denn Liebig habe erkannt, dass Ideen und Impulse in der Forschung nur durch intensive Förderung von Nachwuchswissenschaftlern möglich seien und pflegte zu diesem Zweck internationale Netzwerke gepflegt. Grußworte von Professor Monika Wingender, Geschäftsführende Direktorin des Gießener Zentrums Östliches Europa (GiZo), und Professor Winfried Speitkamp, Leiter der neu gegründeten und von der DFG geförderten Forschergruppe „Gewaltgemeinschaften“, verdeutlichten, dass das Graduiertenzentrum keine isolierte Institution darstellt, sondern sich weltweit sowie vor Ort stark vernetzt.

WeCeSPAMAuch Professor Ansgar Nünning, Geschäftsführender Direktor des Graduiertenzentrums, und Professor Wolfgang Hallet, Leiter des Teaching Centres am GCSC, hoben Kooperationsbereitschaft über Fächer- und Ländergrenzen hinweg sowie das direkte Einbeziehen von DoktorandInnen in Forschung und Programmgestaltung als wesentliche Erfolgsgrundlage des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften (GGK) hervor. Dies wurde bereits im Jahr 2001 vor dem Hintergrund einer Gradiertenbefragung gegründet, die insbesondere den Wunsch nach besser strukturierter Promotionsbetreuung offenbarte. Seitdem bewährt sich an GGK und GCSC das Prinzip „Promovieren mit System“. Doch mindestens ebenso wichtig wie die systematische Unterstützung der Dissertation ist laut Professor Nünning der Gießener ‚Spirit’: Weniger als Mitglieder einer Institution, denn eines Teams verstehen sich die hiesigen Promovierenden. Professor Hallet betonte dazu, dass das Graduiertenzentrum „keine Schule“ sei. Deshalb gebe es in Gießen zwar ein Curriculum als akademischen Rahmen, doch jeder PhD-Student sei in erster Linie „eigenständiger Forscher“.

Die neuen DoktorandInnen scheinen die Mischung aus strukturiertem Promotionsprogramm und Zentrum für persönlichen Austausch und Engagement zu schätzen. Dies gilt zum Beispiel für Farzad Boobani. Der gebürtige Iraner hatte am Montagmorgen zum ersten Mal am IPP-Kolloquium teilgenommen und war begeistert von „dem strukturierten Feedback der Professoren und den hilfreichen Hinweisen der anderen Docs“. Nach den Begrüßungsworten gingen die Teilnehmer der Eröffnungsfeier von der Aula in die Empfangshalle und damit vom offiziellen zum informellen Teil des Abends über. WeCeCaro Während die Jazzband SPAM mit lässigen Klängen für die entsprechende Stimmung sorgte, bewegten sich Farzad, Daniel und die anderen DoktorandInnen in der Nähe des Buffets.Beim Genuss von exotischem Finger Food unterhielten sie sich über Mountainbiking im Gießener Umland, den nächsten DoktorandInnenstammtisch oder den Renovierungsbedarf im eigenen WG-Zimmer. Farzad hat den Grund der guten Stimmung auf den Punkt gebracht: „Bisher haben sich alle meine positiven Erwartungen erfüllt. Ich bin sicher, dass ich mein Projekt hier hervorragend entwickeln kann. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung, in Gießen zu promovieren.“

Text: Elisa Antz
© Fotos: Katharina Luh

Gute Aussichten für Allrounder – GCSC Karrierekongress „Go International“

Unter dem Titel „Go International“ veranstaltete der Career Service des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften (GGK) am Samstag, 11. Juli 2009, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und der Gießener Sparkasse seinen sechsten Karrierekongress für DoktorandInnen. Im Foyer der Sparkasse berichteten vier ehemalige AbsolventInnen geisteswissenschaftlicher Fächer – Dr. Rudolph Glitz (Universität Amsterdam), Dr. Susanne Frane (Queen Mary University London), Dr. Aglaja Frodl (Behörde für Wissenschaft und Forschung, Hamburg) und Agnes Kolodziej (Botschaft von Kanada, Berlin) – darüber, wie sie zu ihren jetzigen Positionen gelangten und welche alltäglichen Aufgaben sie erfüllen. Die Kernbotschaften der ReferentInnen für die promovierenden KulturwissenschaftlerInnen lauteten: Vielseitigkeit als Stärke sehen und Netzwerke ausbauen.

Samstagmorgen, kurz nach neun in der Hauptfiliale der Gießener Sparkasse. Zwischen Beratungskabinen stehen auf kleinen Podesten Modelleigenheime im Miniaturformat. Ein passender Ort für den Karrierekongress, zu dem sich etwa 30 Besucher einfanden. Ungewöhnlich war vielmehr die Zielgruppe. Denn nicht etwa an Betriebswirte richtete sich die Veranstaltung, sondern an DoktorandInnen in den Kulturwissenschaften. „Nur ein Bruchteil unserer Doktoranden kann und will nach der Promotion an der Hochschule bleiben. Schließlich gibt es zahlreiche Alternativen zur Professur“, so Professor Ansgar Nünning. Deshalb hat der Direktor des GGK bereits 2001 mit seinem Team einen Career Service eingerichtet, der speziell auf die Bedürfnisse promovierender Geisteswissenschaftler eingeht. Der alljährliche Karrierekongress, bei dem Vortragende ihre persönlichen Werdegänge schildern, gehört seit sechs Jahren fest ins Programm.

Das Konzept geht auf. So urteilte Doktorandin Mirjam Bitter: „Der Karrierekongress ist sehr lebensnah und hat mir neue Perspektiven, zum Beispiel eine Tätigkeit im Wissenschaftsmanagement, aufgezeigt.“ Die Komparatistin Melanie Knaup hob außerdem hervor: "Der Karrierekongress ’Go international’ hat mir sehr deutlich gezeigt, dass die berufliche Orientierung promovierter Kulturwissenschaftler nicht ausschließlich in der deutschen Bildungslandschaft liegen muss. Hört man diese Beispiele, überdenkt man seine Ambitionen und späteren Berufswünsche auch hinsichtlich der eigenen internationalen Qualifikation.“


























von links: Dr. Martin Zierold, Dr. Rudolph Glitz, Dr. Susanne Frane, Dr. Aglaja Frodl und Agnes Kolodziej


Dass Kulturwissenschaftler in vielerlei Hinsicht besonders geeignet sind für Aufgaben in internationalen Berufsumfeldern, darin waren sich die Vortragenden einig. So verwies Agnes Kolodziej, Mitarbeiterin der kanadischen Botschaft in Berlin, auf die so genannten „soft skills“ wie Flexibilität, rasche Analysefähigkeiten, eigenständige Arbeitsweise und einen guten Schreibstil. Natürlich könnten auch Absolventen anderer Fächer, etwa Juristen, solche Fähigkeiten mitbringen. „Doch“, so Kolodziej „gerade Geisteswissenschaftler zeichnen sich in der Regel durch ihre Vielseitigkeit aus, eben weil ihre Studien auf kein deutliches Berufsbild abzielen. Das kann manchmal mühsam sein, ist aber auch unsere große Stärke.“ Auch Dr. Susanne Frane hob diese Vielseitigkeit als Voraussetzung für ihr DAAD-Lektorat hervor, bei dem sie „Allrounder für Sprachunterricht, Kulturmanagement, Studienberatung und vieles mehr“ ist.

Darüber hinaus ermunterten die ReferentInnen jedoch vor allem zu einem: Netzwerke zu bilden. Ob für eine Karriere im internationalen Hochschulbetrieb, im Wissenschaftsmanagement oder an einer Botschaft – Kontakte zu knüpfen und zu pflegen sei die Grundvoraussetzung für eine berufliche Weiterentwicklung. Gerade wenn man nicht nur an deutschen, sondern auch an internationalen Stellen interessiert sei, könne man schwerlich einen Überblick über offene und interessante Stellen behalten, erläutern Dr. Aglaja Frodl und Dr. Rudolph Glitz. Deshalb sei ein gutes Informationsnetzwerk absolut wichtig. Diese Lehre schienen die DoktorandInnen bereits verinnerlicht zu haben. Zumindest bildeten sich in den Kaffeepausen zwischen den Beratungsschaltern und Modellhäuschen rege Gesprächsgruppen, bei denen zahlreiche Visitenkarten die Besitzer wechselten.

Text: Elisa Antz
© Fotos: Katharina Luh

GCSC-Infotag: Direkte Kontakte und konkrete Tipps

Rund 100 Interessierte aus über 30 deutschen Städten und aus dem Ausland lockte der Infotag des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) am 2. Februar nach Gießen. Das Graduiertenzentrum an der Justus Liebig Universität hat sich die maßgeschneiderte Betreuung von Kulturwissenschaftlern in allen Phasen der Promotion zur Aufgabe gemacht. „Ein Dissertationsprojekt verlangt von jungen Forschern essenzielle Entscheidungen“, erklärt Professor Ansgar Nünning, Direktor des GCSC: Ist Promovieren überhaupt das Richtige für mich? Mit welchem Thema will ich mich mehrere Jahre intensiv beschäftigten? Und wie kann ich die Doktorarbeit finanzieren? All das sind Fragen, über die man sich bereits vor Beginn einer Promotion Gedanken machen muss.

Thomas Edeling war einer der Teilnehmer des Infotags und hat bereits erste Erfahrungen mit diesen Herausforderungen gemacht: „Meinen Master habe ich in Tübingen in deutsch-französischen Studien abgeschlossen. Dass ich meinen Doktor machen möchte, habe ich schon während des Studiums beschlossen. Doch wie anspruchsvoll die Bewerbungsverfahren für gute Promotionsprogramme sind, das habe ich erst danach gemerkt.“

Beratungsgespräch Infotag 2009; Foto: Stephanie NickelUm angehende DoktorandInnen bereits frühzeitig für diese Anforderungen zu wappnen, fanden während des Infotages verschiedene Gruppenberatungen zur Themenfindung in den Kulturwissenschaften sowie zur Forschungsfinanzierung statt. Insgesamt zehn Stipendien konnte das seit 2006 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderte GCSC im Jahr 2009 vergeben. „Eine Mitgliedschaft" so betonte Professor Ansgar Nünning, „lohnt sich jedoch auch ohne eines der GCSC Stipendien. Denn sie bringt durch rege Vernetzung und intensive Betreuung konkrete Vorteile für die Qualität der Forschungsarbeit.“

Erste Eindrücke dieser Unterstützung erhielten die Besucher im Verlaufe individueller Beratungsgespräche mit den ProfessorInnen. So konnte sich Jonas Meyer sogar über ein vorläufige Gliederung für seine Dissertation freuen. Sein Resümee: „Diese Veranstaltung hat mir wirklich durch direkte Kontakte und konkrete Tipps sehr geholfen. Ich bin froh, dass ich teilgenommen habe.“

Text: Elisa Antz
© Foto: Stephanie Nickel

Summer Schools

Tales from the Linguist’s Mecca: The 2009 Linguistic Institute at Berkeley

Amongst the world’s leading universities, Berkeley holds a special place. Dignified, eminent intellectuals will fondly reminisce about the now legendary student uprisings of the 1960s, Malcolm X and the Free Speech movement, whilst others will scathe the university’s role in the development of the nuclear bomb and yet others will mock Berkeley’s unabashedly liberal and egalitarian environment as “The People’s Republic of Berkeley”. In short, The University of California at Berkeley has become a legendary, almost mythical institution of sorts. For linguists, though, Berkeley offers yet another attraction: its Linguistics Department unites some of the finest, most influential scholars in the field. Founded in 1901 as the United States’ first Linguistics Department, it has been leading the field ever since. Today, prominent figures such as Charles Fillmore and George Lakoff ensure the department’s continuing success.
So when the Linguistic Society of America (LSA) announced that its biannual summer school, the Linguistic Institute, would be held at Berkeley in 2009, I was overjoyed. The Linguistic Institute is in itself one-of-a-kind, bringing together the world’s leading linguists and junior scholars, who spend 6 weeks every other summer discussing the latest developments and approaches in the field. For all these reasons, participating in a Linguistic Institute at Berkeley was sort of a dream-come-true to a nerdy linguist like me. So thus it was that thanks to a generous GCSC travel grant and holiday allowance, I boarded a flight to San Francisco in late June to spend the next four weeks as a Visiting Scholar at Berkeley and the Linguistic Institute.

AG Raum At the Institute, I took classes with George Lakoff, Mark Turner, Gilles Fauconnier, Teenie Matlock, Adele Goldberg, Bill Croft and Mike Tomasello. The sheer “rock star” status of most of the faculty was slightly overwhelming at first – after all, you were suddenly taught by the very person whose books you adore – but thanks to the very relaxed, informal and generally low-key approach the faculty employed, we students soon found ourselves engaged in lively discussions about all those things that make linguists tick. Why, oh why, do so many still follow Chomskyan linguistics? Where does language come from? How is language represented in the mind and brain? And what makes a verb a verb? These discussions were not limited to the classroom, but extended over lunch breaks, evening receptions, social programmes and even party nights. Being exposed to four weeks of non-stop linguistic talk naturally made my brain go wild with ideas for my project, and led to me learning a lot about the field in general. But Berkeley’s classrooms and lecture theatres was where most of the magic happened. AG Raum

Listening to heated discussions between the leading scholars in the field was a true eye-opener, finding out about the latest developments straight from the horse’s mouth constituted an overwhelming inspiration and, most importantly, being able to discuss your own project with the faculty was a true mind-blower. All faculty were very approachable, offering office hours in Berkeley’s lovely cafes and bars (the latter being dubbed “Happy Office Hour”). So it was that over a couple of semi-skimmed cinnamon lattes, my PhD project took a slightly different turn than originally anticipated. Thanks to suggestions from Mark Tuner, Gilles Fauconnier and Eve Sweetser, three of the leading developers and proponents of Conceptual Integration Theory, my PhD will now concentrate on the cognitive mechanisms that work behind creative language use in interaction, thus ensuring a truly innovative project.

For all these reasons, attending the Linguistic Institute and researching at Berkeley had a major impact not only on my PhD project, but also on my general take on and identification with my chosen field of research, linguistics. I would like to express my profoundest gratitude to GCSC for contributing so generously to the funding of my stay at Berkeley.

© Text und Fotos: Vera Stadelmann

International Summer School 'Kulturkontakt in Transformationsgesellschaften'

Das über tausend Jahre alte Kasan ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan und wird die dritte Hauptstadt Russlands genannt. Im Unterschied zu Moskau und Sankt Petersburg gilt die tatarische Metropole als kulturelle Kontaktzone zwischen dem Orient und Okzident. Die geschichtsreiche Staatliche Universität Kasan nimmt durch hervorragende international und interdisziplinär ausgerichtete Forschung einen besonderen Platz im russischen Bildungswesen ein. Damit wurde ein sehr geeigneter Veranstaltungsort für eine International Summer School mit dem Titel „Kulturkontakt in Transformationsgesellschaften“ gewählt: Kazanga rähim itegez! (dt. Herzlich willkommen in Kasan.)
KasanUni
Schon im Frankfurter Flughafen und während des Fluges Frankfurt – Kasan lernten sich viele Teilnehmer der Summer School aus Deutschland, Polen und den Niederlanden kennen, die weiteren Teilnehmer kamen aus Armenien, Kasachstan, Kroatien, Norwegen, Österreich, Russland und Schweden. Die erste Vorstellungsrunde machte gemeinsame Forschungsinteressen deutlich und versprach interessante Vorträge und spannende Diskussionen. Der erste Summer-School-Vormittag fing mit einer Exkursion durch die historische Zitadelle Kasaner Kreml an. Während der Hinfahrt kreisten im Bus Fragen wie „Как Вас зовут?“, „Aus welchem Land kommen Sie?“, „What is your research about?“, „Was ist Dein Promotionsfach?“ So gab die Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeit Kasans nicht nur Einblicke in die tausendjährige Geschichte der Stadt, sondern auch in die mehrsprachige, multikulturelle und freundliche Atmosphäre der Sommerschule.

Bei der offiziellen Eröffnung nannte die Veranstaltungsinitiatorin Monika Wingender das Ziel des internationalen und interdisziplinären Treffens, Fragen der Kulturkontakte bezogen auf Transformationsgesellschaften im östlichen Europa zu diskutieren. Die Gießener Professorin stellte das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) und das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC )als veranstaltende Institutionen sowie das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst als großzügigen Sponsoren der Sommerschule vor. Der Vizerektor der Universität Kasan, Danis Nurgaliew, hob die Fruchtbarkeit der Partnerschaft mit der Justus-Liebig-Universität im Rahmen des internationalen Bildungs- und Forschungsaustausches hervor. Nach der anschließenden Vorstellung der deutsch-polnischen Universitätspartnerschaft Gießen-Lodz sammelten sich DoktorandInnen und ProfessorInnen in Arbeitsgruppen und besprachen organisatorische und inhaltliche Einzelheiten der kommenden Sommer-School-Tage.

KasanKremlDreißig Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden in drei Arbeitsgruppen geteilt. Der Arbeitsalltag der Doktorandengruppen sah die Vorstellung und Diskussion der Forschungsprojekte und die Besprechung der Readertexte vor. Die täglichen Arbeitseinheiten wurden von Abendvorlesungen abgeschlossen. Zofia Wysokinska (Prorektorin der Universität Lodz) hielt einen Vortrag über Transformationsprozesse in Zentral- und Osteuropa im Hinblick auf ihre EU-Integration. Während ihrer Rede stellte die polnische Professorin Fortschritte der polnischen Wirtschaftsentwicklung und Vorteile der Integration in die EU dar. Elena Shevchenko (Kasan) wies im nächsten Abendvortrag auf ähnliche Entwicklungstendenzen in der russischen und deutschen Dramaturgie hin. Iskander Giljazovs Abendvorlesung (Kasan) behandelte ethnische Dispersität der Wolga-Tataren. Der tatarische Geschichtswissenschaftler bot einen historischen Überblick über politische, kulturelle und sprachliche Situation der Wolga-Tataren.

Die erste Doktorandengruppe hatte einen geschichts- und wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt. Hier fanden Themen wie soziale Interaktionen im tatarischen Unternehmensmilieu, Kulturkontakte in Turkmenistan, ungarische und slowakische Kultur in Zeiten der Transformation, Wirkung vom Banking auf kulturelle Transformation in Mittel- und Osteuropa, Museumskultur und Kulturgedächtnis in Russland sowie tatarische Geschichtsschreibung in Polen zwischen den Kriegen Platz. In der Gruppe mit literatur- und kulturwissenschaftlicher Ausrichtung ging es bei Projektpräsentationen und anschließenden Diskussionen um nationale Selbstdarstellung im Kunsthandwerk der Transformationsgesellschaften Usbekistans und Kirgisiens, Verhandlungen oberschlesischer Identität, slawisch-orthodoxe Zivilisation, georgische traditionelle Musik, russische Gegenwartsliteratur und Besonderheiten der Rezeption von deutschen literarischen Verfilmungen in Russland.

In der turkologischen und allgemeinlinguistischen Arbeitsgruppe widmete man sich in Sitzungen etwa der Diplomatiesprache der Krimtataren im 16. und 17. Jh., Ost-West-Diskursen in Orhan Pamuks Novellen, sprachlichen Transformationsprozessen in Kasachstan, der kroatischen Sprache im Internet und Minderheitssprachen in Polen.
Vertreten waren in allen drei Gruppen auch regionale Themen wie etwa Medizin-Kultur in der Kasaner Provinz, Institutionsbildungen im Islam unter russischem Einfluss, deutsche Lehnwörter im Tatarischen, Schulpolitik im gegenwärtigen Tatarstan.
Bei der abschließenden Plenarsitzung stellten die Doktoranden ihre Arbeitsergebnisse vor. Dabei stellte sich heraus, dass die drei Gruppen trotz der jeweiligen fachlichen Einteilung viele ähnliche Diskussionspunkte hatten. Bei allen Arbeitsgruppen tauchten in Zusammenfassungen Stichwörter wie ‚Kultur’, ‚Sprache’, ‚Transformation’, ‚Ost’ und ‚West’ auf.
KasanGruppe
Die TeilnehmerInnen der Summer School waren sich einig, dass die Forschungswoche in Kasan für alle jungen Wissenschaftler nützlich und ergiebig war. So schätzte die promovierende Literaturwissenschaftlerin Katarzyna Sobijanek (Lodz) ihre Teilnahme an der Sommerschule als wertvoll ein. Besonders nützlich fand die polnische Doktorandin die Diskussionen nach den Projektpräsentationen, in denen ihr bis dahin unbewusste Problematiken zur Sprache kamen. Eine einzigartige Gelegenheit, sich mit renommierten Experten über ihr Dissertationsthema auszutauschen, bat das Kasaner Treffen der Islamwissenschaftlerin Elena Smolarz (Ufa/Bonn), die über Institutionsbildungen im Islam unter russischen Einfluss promoviert. Für die Masterstudierende Alsu Rakhimova (Kasan), die nach ihrem Studienabschluss in tatarischer Philologie promovieren möchte, bot die Summer School Einblicke in die Entwicklung wissenschaftlicher Projekte.

Gelegenheiten zum Gedankenaustausch und Networking boten auch die gemeinsamen Mahlzeiten und weitere Exkursionen. Nach einer Woche merkte man, dass sich die Doktoranden gut verstanden und sich beim Abschied wünschten, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Am letzten Tag fand ein intensiver Austausch von Visitenkarten, Emailadressen und Telefonnummern statt.So meinte die Germanistin Anna Starostina (Kasan), dass ihr an der Summer School die Teilnehmer besonders gut gefallen haben. Die Kasaner Sommerschule ermöglichte somit den Austausch der jungen WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Ländern.KasanPauls Allein in der Arbeitsgruppe, der ich angehörte (Gruppe mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt), versammelten sich VertreterInnen von acht Muttersprachen: Tatarisch, Kroatisch, Kasachisch, Norwegisch, Holländisch, Russisch, Baschkirisch, Polnisch - das verwandelte unsere Arbeitsstunden in ein aktives Feld des Kulturkontaktes.

Für mich persönlich war diese Summer School die erste Gelegenheit, mein Dissertationsprojekt „Kasachisch als Staatssprache Kasachstans. Lexik zwischen Politik und Kultur“ im internationalen Umfeld außerhalb Deutschlands vorzustellen. Besonders gewinnbringend fand ich die fachliche Diskussionsrunde nach der Projektpräsentation. Ich bekam hilfreiche Tipps, beachtenswerte Kommentare sowie nützliche Literatur- und Linkhinweise. Spannend war festzustellen, dass ein internationales Interesse für das Thema besteht. Lustig war die Tatsache, KollegInnen aus Europa mit ähnlichen Themen erst tausende Kilometer weit entfernt kennenzulernen.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei den Veranstaltern für die wohl durchdachte Organisation der Summer School, ihren reibungslosen Ablauf, das ansprechende Arbeits- und Kulturprogramm und die ganzheitliche Finanzierung herzlich bedanken. Das Dankeswort gilt dem GiZo, dem GCSC, der Staatlichen Universität Kasan und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Diese spannende und produktive Spätsommerschule in Kasan wird allen Teilnehmenden in positiver Erinnerung bleiben.

© Text und Fotos: Saltanat Rakhimzhanova

GCSC und IPP bei der Hermes Summer School „Contemporary Developments in Emergent Literatures and the New Europe”

Zur Hermes Summer School „Contemporary Developments in Emergent Literatures and the New Europe“ jetteten Elisa Antz, Mirjam Bitter, Simon Cooke, Christina Mohr und Jutta Weingarten sowie Dr. Sibylle Baumbach und Prof. Ansgar Nünning Ende Juni dorthin, wo Europa waldreich und hügelig, aber definitiv zu Ende ist: Nach Santiago de Compostela, Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Galizien.

Aus zeitlichen Gründen entschied sich die Gießener Fraktion, zahlenmäßig von keiner anderen Abordnung der Hermes-Partner-Universitäten übertroffen, für eine Anreise per Flieger und verzichtete somit auf die dreißigtägige Pilgertour auf dem nordspanischen Abschnitt des Jakobswegs, der vor der Kathedrale in Santiago sein Ende findet. AG Raum Die Summer School fing offiziell im prächtigen Casa de Europa auf einem Campusteil der Universidade de Santiago de Compostela an. Bei einem kleinen Umtrunk schlossen die Summer Schüler erste Kontakte mit den LeiterInnen und MitsprecherInnen ihrer thematisch ausgerichteten Sessions, die am Nachmittag des 22. Junis begannen: Sibylle Baumbach präsentierte die Session „Literature as a Force for Emergence“ mit Beiträgen aus Aarhus und Lissabon.

Tags darauf wurde zwar kein roter Teppich ausgerollt, dennoch hatte die Gießener Abordnung im Rahmen der Session „Emergent Identities on the Move“ unter Vorsitz von Dr. Karen-Margrethe Simonsen (Aarhus) Premiere: Elisa Antz lieferte mit „Root Trips: How Narratives of Pilgrimage Present Emergent Identities in the New Europe“, Simon Cooke mit „Bruce Chatwin and the Rise of Travellers’ Tales in Contemporary European Literature“ fundierte und spannende Einblicke in die Formation und Erhaltung europäischer Gegenwarts-Literaturen. Am gleichen Tag hielten die Rolling Stones in der Session von Prof. Ellen Sapega (Madison/Wisconsin) moderierten Session „Emergent InterArts“ Einzug mit Christina Mohrs Paper zu „The Rolling Stones As A Transnational Phenomenon“.

Der nächste Tag stand als „International Symposium“ im Zeichen der Keynote Lectures von Professor William Rowe (London), Professorin Manuela Palacios (Santiago de Compostela), Professor Ansgar Nünning (Gießen), Dr. Søren Frank (Dänemark) und Professor Julián Jiménez Heffernan (Córdoba). AG Raum Professor Nünning stellte mit seiner Keynote „Travelling Concepts and Travelling Theorists: Exploring Literary Emergence, Questioning ‚Post-Theory’, and Reconceptualizing ‚Europeanness’“ gleich großräumig und stichhaltig die Hauptthesen der Summer School in Frage. Er ging unter anderem auf die Unmöglichkeit von Post-Theory im Kontext nie theoriefreier Literatur-Geschichtsschreibung sowie auf den rein metaphorischen Gebrauch des Konzepts der „Emergence“ ein.

Die Gastfreundlichkeit von Professor César Domínguez und seinem Team, die allen TeilnehmerInnen stets mit Fleiß, Einsatzbereitschaft und einer Großzahl an nützlichen Tipps zur Seite standen, verhalfen der Summer School ebenso zu reibungsloser Organisation wie zu offener und herzlicher Atmosphäre.

Innerhalb der Session von Dr. Susana Araújo (Lissabon) „The (Re-)Emergence of the Nation“ ließen Jutta Weingartens „Make Way for the Indian“ und Mirjam Bitters “Young Jewish Literature in Europe as a (Re-)Emerging Phenomenon. Transnational European Identities in Helena Janeczek’s Novel ‘Lezioni di Tenebra’” keine Zweifel aufkommen, dass das GCSC auch in Sachen Postcolonial und Post-Holocaust Fiction über vorzüglich belesenen Wissenschaftsnachwuchs verfügt.

Unterm Strich glänzten GCSC wie IPP durch hohe quantitative Repräsentanz wie durch kritische Themen und Fragestellungen, die herkömmliche Auffassungen von „Emergence“ nicht nur auf den Prüfstand zitierten, sondern auch innovative Forschungsinteressen in Sachen Travel Literature, Postcolonial Literature, Holocaust Literature und Cognitive Cultural Studies offenbarten. Die Frage, ob wissenschaftliche Exzellenz und 1 A Gastfreundschaft auch bei der nächsten Summer School groß geschrieben werden, dürfte sich erübrigen: Immerhin findet das Treffen 2010 auf Schloss Rauischholzhausen statt.
AG Raum Teilnehmer der HERMES Summer School während der Stadtführung

Text: Christina Mohr
© Fotos: Christina Mohr und Mirjam Bitter


Internationalisierung

Internationalisierung'Internationalisierung', wie eine Zauberformel klingt dieses Wort in aller Munde, wenn man deutsche Hochschulen ihres rückständigen Images entledigen will. Dass sich dahinter am Gießener Graduiertenzentrum mehr verbirgt, als bloß eine leere Worthülse, verdeutlichen bereits die drei obigen Summer School-Texte.

Doch wir möchten Erfahrungsberichten aus dem Ausland wie zum Beispiel von Reisen des PhDnet oder von internationalen Promovierenden, die eine gewisse Zeit am GGK/GCSC verbringen, noch mehr Aufmerksamheit zuteilwerden lassen. Deshalb hat das Team Internationalisierung von GGK/GCSC einen eigenen Newsletter lanciert. Unter dem Stichwort "English Newsletter" können Sie ihn auf unserer Homepage bestellen.

Forschung und Curriculum

AG Kulturkontakt: Bericht zum Workshop "Das Fremde und das Eigene"

Arbeitssitzung

Am zweiten Maiwochenende tagte die unabhängige, überregionale „AG Kulturkontakt“ mit großzügiger Unterstützung des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in Gießen. Die Arbeitsgemeinschaft verbindet NachwuchswissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Institutionen. So kamen diesmal elf DoktorandInnen und Postdoktorandinnen aus München, Tübingen, Kiel, Bremen, Mainz, Rostock und vom GCSC selbst zusammen.


Die TeilnehmerInnen bearbeiten themenverwandte Forschungsprojekte aus dem Blickwinkel verschiedener kulturwissenschaftlicher Disziplinen (derzeit Geschichts-, Literatur-, Sprach- und Politikwissenschaften). Die AG hilft ihnen, sich informell zu vernetzen, im Dialog zwischen den Fachkulturen die eigene Forschungspraxis zu reflektieren und sich gemeinsam mit Konzepten und Theorien über Begegnungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen zu beschäftigen. Zu diesem Zweck stand am Samstagvormittag ein Lektüre-Workshop auf dem Programm. Als Grundlage dienten drei vorab ausgewählte Texte zur Fortführung der Orientalismus-Kritik Edward Saids und zum Konzept des „Dritten Raums“. In der spannenden und lebhaften Diskussion ergaben sich rasch Bezüge zu den individuellen Forschungsinteressen. Obwohl sich die Forschungen der TeilnehmerInnen geographisch von Afrika bis Grönland und von Südamerika bis Zentralasien erstrecken und chronologisch die Zeit vom 16. bis zum 21. Jahrhundert abdecken, zeichneten sich rasch zahlreiche Verbindungen zwischen den einzelnen Arbeiten ab, die Perspektiven für die weitere Arbeit des Netzwerks eröffneten.


In einer zweiten Sitzung am Nachmittag ging es um die Zukunft der AG, um mögliche inhaltliche Fokussierungen und um künftige gemeinsame Vorhaben. Mit dem Ziel, ein Positionspapier zu entwerfen, ging die Gruppe der Frage nach, wie sich „Kulturkontakte“ mit Blick auf die eigenen Forschungsschwerpunkte konkretisieren lassen. Die TeilnehmerInnen sammelten zunächst Metaphern, Akteure und Konzepte, um ein gemeinsames Feld abzustecken, und stellten entsprechende methodische Zugänge und zentrale Fragestellungen der Forschung über Kulturkontakte zusammen. Mit dem Positionspapier möchte die Arbeitsgruppe eine eigenständige Programmatik formulieren, um konkrete Projekte (Tagung, Publikation) in Angriff nehmen und eine international wahrnehmbare Außendarstellung aufbauen zu können.


Am Sonntagvormittag besprachen die TeilnehmerInnen bei einem gemütlichen Brunch abschließend Organisatorisches, etwa die interne Kommunikation sowie Dokumentation und Planung der Treffen. Als Ergebnisse des AG-Treffens in Gießen werden nun eine kommentierte Bibliographie einschlägiger Literatur zusammengestellt, das Positionspapier fortentwickelt und eine Internetpräsenz gestaltet.Gruppenbild


Über das gesamte Wochenende tauschten sich alle nicht nur fachlich, sondern in angeregten Gesprächen auch persönlich aus: beim Kaffee, über dem Mittagessen und abends in der Kneipe. Wie konstruktiv die Arbeitsatmosphäre war, lässt sich daran erkennen, dass alle Beteiligten sowohl am Workshop als auch an der AG-Sitzung teilnahmen, obwohl diese unabhängig voneinander besucht werden konnten. Wir freuen uns daher besonders, in Gießen neue Mitglieder hinzu gewonnen zu haben. Die AG möchte die bisherige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem GCSC gern weiter stärken. Interessierte DoktorandInnen und PostdoktorandInnen des GCSC, IPP, PhDnet und GGK sind herzlich willkommen, und als Ansprechpartnerinnen stehen wir jederzeit zur Verfügung.



Text: Evelyn Gottschlich und Saltanat Rakhimzhanova
© Fotos: Evelyn Gottschlich

Ein Herzstück des Curriculums – Die GCSC Master Classes

Mit herausragenden Vertretern ihrer jeweiligen Fachdisziplinen aktuelle kulturwissenschaftliche Fragen und Probleme erörtern und in diesem Zusammenhang das eigene Dissertationsprojekt diskutieren – dieses Ziel verfolgen die Gießener Master Classes. Auch in diesem Jahr kamen dazu wieder zahlreiche renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ans Gießener GCSC.

„Master Classes sind ein Herzstück des GCSC-Curriculums“, so Nadine Pippel, die am GCSC für das Curriculum zuständig ist. „Denn durch ihre Struktur, die den Bezug auf konkrete Dissertationsprojekte vorsieht, fördern sie einen intensiven Kontakt zwischen unseren Doktoranden und Gastdozenten.“ In der Regel bestehen die Master Classes aus einem kurzen Vortrag des/r GastdozentIn und anschließender Diskussion, auf die sich die DoktorandInnen mit entsprechender Textlektüre vorbereitet haben. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen können Teilnehmer ihre Promotionsvorhaben präsentieren und Anregungen erhalten.

NLOkt09_MCGilgenNeben Dr. Doris Bachmann-Medick, die als Permanent Research Fellow inzwischen zum festen Team des GCSC gehört, waren zahlreiche weitere renommierte Forscher und Forscherinnen aus dem In- und Ausland zu Gast: die Ethnologin Michi Knecht und die Religionswissenschaftlerin Ulrike Brunotte, beide von der Humboldt Universität zu Berlin, der Stuttgarter Romanist Reinhard Krüger, der Komparatist Tyrus Miller von der University of California Santa Cruz, der Linguist Steven L. Thorne von der Pennsylvania State University, der Heidelberger Germanist Burkhard Dücker, die Historikerin Leora Auslander von der University of Chicago, die Komparatistin Naomi Segal von University of London, der Komparatist Peter Gilgen von der Cornell University, Ithaca, der Anglist Peter Hitchcock von der City University of New York sowie der Romanist Hans Ulrich Gumbrecht von der Stanford University.

NLOkt09_MCGumbrechtDas Themenspektrum der Master Classes reichte von disziplinenübergreifenden Veranstaltungen wie Doris Bachmann-Medicks Master Class zu „Travelling Concepts/ Travelling Theories“ bis hin zu vornehmlich literaturwissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltungen wie Professor Gumbrechts Master Class zum Konzept der Stimmung in zeitgenössischer Literatur. Letztere war sicherlich ein ganz besonderes Highlight im vergangenen Giessener Herbst. Ziel der Master Class war zum einen, das Konzept der Stimmung als ein Schlüsselkonzept literarischer Texte zu erarbeiten und im Kontext der Entwicklung metahistorischer und transkultureller Definitionen von Literatur zu diskutieren. Zum anderen ging es darum, historische Beispiele in Hinblick auf das Konzept der Stimmung zu analysieren. Dabei zeigte sich, dass ein besonderes Potenzial der Diskussion um Stimmung darin besteht, den Blick zurückzulenken auf grundlegende literaturtheoretische Fragen nach dem Wesen und dem Erkenntniswert der Literatur.

NLOkt09_MCHitchcockIm letzten Semester nutzten auch die Research Areas, in denen Promovierende, Postdocs und ProfessorInnen gemeinsam forschen, verstärkt die Chance, DozentInnen von anderen Universitäten für Master Classes einzuladen. So hinterfragte Professor Peter Hitchcock auf Anregung der Research Area ,Culture and Identity’ mit Gießener Graduierten die oftmals vernachlässigte Bedeutung von ,Zeit’ im postkolonialen Diskurs an Hand literarischer Beispiele („Cultural Transnationalism: Concept, Time and Space“). NLOkt09_MCDückerDie Research Area ‚Culture, Language and the New Media’ konnte Dr. Steven L. Thorne für Darstellung und Diskussion aktueller Methoden und Praktiken an der Schnittstelle von Soziologie, Linguistik und Kommunikationswissenschaften gewinnen („The Anatomy of Social Interaction: Research and Praxicological projects”). Darüber hinaus erforschte das Graduiertenkolleg ,Transnationale Medienereignisse’ gemeinsam mit Professor Burckhard Dücker die vielschichtige Beziehung zwischen „Ritual und Medien“. In diesem Zusammenhang hebt Nadine Pippel hervor: „Auch wenn eine Master Class von einer Research Area veranstaltet wird, können sich selbstverständlich auch alle anderen GCSC-Mitglieder anmelden und teilnehmen.“

NLOkt09_MCThorne

Auch in diesem Semester bietet das GCSC-Curriculum wieder interessante und abwechslungsreiche Master Classes. Da die Teilnehmeranzahl jedoch beschränkt ist, möchten wir ermuntern, sich möglichst bald auf unserer Homepage anzumelden.

Text: Regine Leitenstern und Elisa Antz
© Fotos: Christoforos Mechanezidis (Gilgen, Hitchcock, Dücker, Thorne)

Von „In-Vitro-Fertilisation als globaler Form“ bis zu „Konfigurationen
des Fremden“ - Keynote Lectures am GCSC 

Von „In-Vitro-Fertilisation als globaler Form“ (Michi Knecht) bis zu „Konfigurationen des Fremden“ (Wolfgang Müller-Funk) reichten die Themen der Keynote Lectures in den vergangenen zwei Semestern. Ebenso divers wie anschlussfähig spiegelten sie dabei das kulturwissenschaftliche Forschungsspektrum des GCSC wider und boten gleichzeitig neue Impulse für Diskussionen und Projekte.

Beispielhaft dafür ist der Vortrag des renommierten Literaturwissenschaftlers Hans-Ulrich Gumbrecht. Unter dem Titel „Wird das 21. Jahrhundert ein aristotelisches sein? Gegen den Konstruktivismus“ wandte der Komparatist sein analytisches Augenmerk auf: Dinge. Denn unsere gegenwärtige kulturelle Situation bezeichnete Gumbrecht als eine des „Ich denke, also bin ich“ und zunehmend als elektronischen Albtraum. Vor diesem Hintergrund ging er zwei zentralen Fragen nach: Wäre es wünschenswert, auf eine Beziehung zu den Dingen zurückzugreifen, die unmittelbarer und weniger konstruktivistisch wäre? Und: Können wir derzeit Anzeichen und Symptome eines solchen Wunsches, gar einer Rückkehr zu einer unmittelbareren Beziehung zu den Dingen in der Welt ausmachen?

NLOkt09_KLBM Demgegenüber widmete sich Doris Bachmann-Medick den Verbindungen zwischen verschiedenen Disziplinen und Entwicklungen von fächerübergreifenden Diskursen. Die Transformation des Konzepts der Hybridität hin zu einem Konzept von Übersetzung führte Bachmann-Medick zu den weiter gehenden Fragen, inwiefern diese ‚Reise’ des Hybriditätskonzepts geradezu das Konzept von travelling concepts/travelling theories überhaupt verändert.

Neben den travelling concepts waren kulturwissenschaftliche turns ein weiterer Begriff, der das Verständnis von und den Umgang mit Kulturwissenschaften am GCSC wesentlich prägte. Im Sommersemester 2009 hinterfragte Herbert Grabes, inwieweit die so genannten turns zum Erkenntnisgewinn in den Literatur- und Kulturwissenschaften beitragen können. Damit bot sein Vortrag „Theory Coming in Turns: Heuristics, Epistemology and Fashion” vielseitige Anhaltspunkte für andauernde Diskussionen.

Unter dem Titel „’The African Mind’: Psychotechniken und Macht – Zur globalen Kulturgeschichte europäischer ‚Entwicklungshilfe’ in Afrika, 1920 – 1975“ stellte Hubertus Büschel, seit Sommersemester Juniorprofessor am GCSC, Kernthesen seiner Forschungsarbeit vor, in der er gerade die vermeintlich wohlwollenden Bemühungen von Europäern zur Verbesserung afrikanischer Lebensumstände kritisch auf deren abwertende Subtexte untersucht. NLOkt09_KLStrowickIn der Anschlussdiskussion traten insbesondere Fragen zur heutigen Situation der Entwicklungshilfe in den Vordergrund, genauer gesagt zur Möglichkeit von Hilfsvarianten, deren Diskurse keine neuerliche Bekräftigung europäischer Überlegenheit bedeuten würden. Die Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Strowick ging in ihrem Vortrag „Verdacht: Zeichen der Moderne“ von der These aus, dass die Moderne bestimmte Arten des Verdachts (z.B. Formen des Ressentiments und Praktiken der Selbstdisziplinierung) hervorgebracht hat, und durchleuchtete die hierin angelegte Allianz von moderner humanwissenschaftlicher Wissensproduktion und Technologien des Selbst mit Bezug auf Texte Franz Kafkas.

Der größte Teil der weiteren Lectures wurde von den GCSC-Senior Fellows angeboten. „Gerade die Keynote Lectures bieten eine gute Gelegenheit, um unsere Gastwissenschaftler und ihre Forschungsvorhaben kennen zu lernen“, erklärt Nadine Pippel, die am GCSC für Curriculum und Evaluation zuständig ist. „In der Regel veranstalten die Senior Fellows auch Master Classes oder Workshops, deren thematische Ausrichtung den Keynote Lectures entspricht.“

NLOkt09_KLFunkSo konnten TeilnehmerInnen an Wolfgang Müller-Funks Lehrveranstaltungen auf die „Konfigurationen des Fremden: Alteritätsdiskurse im globalen Kontext“ zurückgreifen, die der Literatur- und Kulturwissenschaftler bereits in seiner Vorlesung anhand des Films Babel dargestellt hatte. Vor dem Hintergrund heutiger wissenschaftsgeschichtlicher Forschungen zu europäischen Religionstheorien im Modernisierungskontext bot Ulrike Brunotte mit ihrem Vortrag „Bild, Ritual und Geschlecht. NLOkt09_KLKnechtJane E. Harrisons Werk im Kontext moderner Aneignungen der Antike um 1900“ einen Einblick in Werk und Denken einer der ersten Religionsforscherinnen. Unter dem Titel “Commemorating Death, Obscuring Life? The Conundrums of Memorialization” rückte Leora Auslander am Beispiel von Shoah, Sklavenhandel und der Ausrottung amerikanischer Ureinwohner die Frage nach angemessenen Arten des Erinnerns ins Zentrum des Interesses. Und schließlich näherte sich Michi Knecht dem ethisch brisanten Thema „In-VitroFertilisation als globale Form: Ethnographisches Wissen und die Transnationalisierung von Reproduktionstechnologien.“

Auch die Workshops der Senior Teaching Fellows Thomas Weber und Martha Blassnigg schlossen inhaltlich dicht an ihre Vorträge an. Thomas Weber präsentierte „Das mediologische Feld“ als ergiebigen Denkansatz für eine Analyse der komplexen Korrelation von Ästhetik, Technik und Ökonomie, die den Prozess der kulturellen Übermittlung strukturiert. Martha Blassnigg verband in ihrer Vorlesung „Beyond 24 Times a Second: From the Immanence of Motion to Memory in Action” Theorien von Henri Bergson und Aby Warburg unter Aspekten von Zeit, Bewegung und Ästhetik. Darüber hinaus setzte Blassnigg ihre Forschungsinteressen auf ganz besondere Weise in Beziehung zur Justus-Liebig-Universität. Gemeinsam mit Professor Michael Punt gab sie im Margarete-Bieber-Saal einen Vortrag über „Early Cinema and the Liebig-Bilder. Science, Technology and Popular Culture“, der noch so manchem Bewohner Gießens im wahrsten Sinne des Wortes ein neues ‚Bild’ vom Unternehmergeist des berühmten Chemiker Justus von Liebig und dessen Produkten – allen voran „Liebigs Fleischextrakt“ – vermitteln konnte.

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Text: Elisa Antz
© Fotos: Katharina Luh (Bachmann-Medick, Müller-Funk, Blassnigg) und Christoforos Mechanezidis (Strowick, Knecht)

Tagungsberichte Zuhörer


Unser Rezensionsmagazin Kult_Online veröffentlicht regelmäßig Tagungsberichte. Besuchen Sie die Homepage von Kult_Online und lesen Sie Näheres über solche Sammelpunkte kulturwissenschaftlicher Forschung wie zum Beispiel die von der Universität Helsinki ausgerichtete Konferenz "Genre and Intrepretation" oder die im GCSC veranstaltete Tagung "Gewaltrepräsentationen in Massenmedien - Subjektstrategien und Mediengewalt".

Publikationen

eTransfers – erste Redaktionssitzung in London

Zusammen mit dem Centre for Anglo-German Cultural Relations der Queen Mary, University of London gründet das GCSC ein neues e-Journal für Postgraduierte: eTransfers. Vom 8. bis 10. Oktober 2009 kam die aus Gießener und Londoner DoktorandInnen und Postdocs zusammengesetzte Redaktion zu ihrer ersten Redaktionssitzung in London zusammen, um die für Juli 2010 geplante erste Ausgabe auf den Weg zu bringen. Workshops brachten das nötige Knowhow, ein inspirierendes Rahmenprogramm den nötigen Drive. E-Transfer

„Selbst denken ist beim akademischen Schreiben oft hinderlich“, bemerkte Matthias Politycki in seinem Workshop zum Thema „’Schreiben und Schreiben-Lassen’: Autorschaft als wissenschaftliche, fiktionale und digitale Vision“. Der vielfach ausgezeichnete deutsche Gegenwartsschriftsteller, der selbst über Nietzsche promovierte und derzeit writer in residence an Queen Mary ist, stellte polemisch literarisches und wissenschaftliches Schreiben – im Netz und anderswo – gegenüber und diskutierte seine Thesen mit der binational besetzten eTransfers-Redaktion. Der Workshop bildete den Abschluss eines intensiven und fruchtbaren Sitzungstages im ehrwürdigen Dean Rees House des Charterhouse Square Campus. Die Redaktion hatte das quirlige London hinter den Butzenscheiben gelassen und konzentriert über Inhalte, Formalia, Kommunikationswege über den Ärmelkanal und den zeitlichen Fahrplan für das neue e-Journal diskutiert, das im Bereich der britischen Germanistik, deutschen Anglistik und britisch-deutschen Beziehungen angesiedelt ist.

Dass junge WissenschaftlerInnen durchaus selbst denken können und auch sollen, war allgemeiner Tenor. Eine Plattform, Ergebnisse dieses selbstständigen Denkens und Forschens anderen Interessierten der wissenschaftlichen community zugänglich zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen, soll das neue Postgraduierten-Journal bieten. Dabei steht die Qualität der Beiträge an oberster Stelle, um eTransfers als attraktive Fachzeitschrift und Pluspunkt in der eigenen Publikationsliste zu etablieren. Gesichert wird die Qualität durch ein double-blind review-Verfahren. Hier wird den NachwuchswissenschaftlerInnen nicht nur als AutorInnen, sondern auch als GutachterInnen selbstständiges Denken und Urteilen zugetraut. Jeder eingereichte Artikel wird jeweils von einem/r Postgraduierten und einem professoralen Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Zeitschrift begutachtet. Um für größtmögliche Transparenz im Auswahlverfahren zu sorgen, werden die Kriterien für die Begutachtung auf der Website zugänglich gemacht.

Damit nicht jede Postgraduiertenzeitschrift das Rad neu erfinden muss, gibt es die Association of Postgraduate Journals (APJ) als Austauschforum für Fragen, Probleme und Best-Practice-Beispiele. Chancen und Herausforderungen der APJ stellten Johanna Green und Marc Alexander aus Glasgow den aus Gießen angereisten Redaktionsmitgliedern Anna Rettberg, Martin Zierold und Mirjam Bitter sowie ihren englischen KollegInnen dar und gaben darüber hinaus am Beispiel ihres Journals esharp konkrete Einblicke darin, was passiert „when postgraduates run the show“.

london Ihr Fazit: Es gibt eine Menge Arbeit, aber auch jede Menge Spaß. Mit diesem ausgewogenen Verhältnis ging auch eTransfers durch die wunderbare Organisation der Londoner GastgeberInnen an den Start. Denn jenseits der konzentrierten Arbeit gab es eben auch die Metropole London: mit ihren Bars und Freaks auf der einen und der sogenannten Hochkultur auf der anderen Seite, hier repräsentiert durch Polityckis Lesung aus seiner kürzlich erschienen Jenseitsnovelle, die im gelehrten Sinologen-Milieu spielt. Doch auch diese vermeintlichen Gegensätze fanden in den zwei Tagen zu einer gelungenen Synthese.

Wer Fragen rund um eTransfers oder Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich gerne an etransfers@gcsc.uni-giessen.de wenden.

© Text und Fotos: Mirjam Bitter

Neues vom GCSC Team

Überarbeitete Website online

AG RaumRechtzeitig zum neuen Semester ging in der Nacht vom 24. zum 25. September 2009 eine überarbeitete Version der GCSC-Webseite ans Netz. Besonders freuen dürfte Doktoranden und Forscher rund um das GCSC der neue, chronologisch geordnete Veranstaltungskalender, der das umfangreiche Veranstaltungsangebot des GCSC merklich übersichtlicher darstellt. Neben dieser neuen Ansicht bleibt vorerst aber auch die klassische, thematisch gruppierte, Ansicht bestehen.

„Insgesamt haben wir die Website sehr behutsam überarbeitet, aber die wichtigsten Abschnitte dürften jetzt wesentlich einfacher und schneller zu erreichen sein“, so Björn Ganslandt, der die Online-Präsenz des GCSC betreut. Zu diesem Zweck wurde auch der untere Bereich aller Seiten mit einem Überblick zur Struktur der Website und Links zu allen Mitgliedern des Cultdoc-Portals ausgestattet. Diese Änderung wird in den kommenden Wochen auch auf die Seiten von GGK, IPP und PhDnet übertragen werden. Verbessert wurde auch die Kontakt-Seite, die es Besuchern in Zukunft einfacher machen wird, das GCSC-Gebäude zu finden.

Die Überarbeitung der Webpräsenz ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen, Ihr Feedback hilft uns die Seiten weiter zu optimieren.

Text: Björn Ganslandt

Neuzuwachs und Abschiede 


Auslandsaufenthalte, Stipendienerfolge, heiße Endphase des Dissertationsprojekts – all diese Aspekte bringen Bewegung ins Forschungsleben und sie gehen auch am GCSC Team nicht spurlos vorüber. So gab es auch in diesem Jahr wieder einige (vorläufige) Abschiede und Neuzuwächse im Alten Steinbacher Weg 38.

BeatriceSeit August 2009 dürfen wir Beatrice Michaelis bei uns im Team begrüßen, die sich in der Zeit bis September 2010 um die Forschungskoordination und die Stipendienberatung kümmert und somit Dr. Sibylle Baumbach vertreten wird. Dr. Sibylle Baumbach hat für diesen Zeitraum eines der begehrten Feodor-Lynen-Stipendien der Alexander von Humboldt-Stiftung erhalten. Dies ermöglicht ihr, zwei Semester an der renommierten University of Stanford zu forschen.

Beatrice Michaelis promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin im Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“ zum Thema ‚Reden und Schweigen in mittelalterlichen literarischen und wissenschaftlichen Texten’. Nach ihrer Promotion arbeitete sie als Lehrbeauftragte für Mediävistik an der HU Berlin und der TU Dresden. Auf Grund ihrer Interessenschwerpunkte im Feld der narrativen Konstruktion von Kultur und historischen Wissensdiskursen möchte sie sich insbesondere in den Research Areas 2 und 8 engagieren.

Hubertus BüschelAls Juniorprofessor für den Bereich „Kulturgeschichte“ konnte das GCSC Hubertus Büschel gewinnen. Am historischen Institut der JLU und am GCSC gibt Hubertus Büschel Lehrveranstaltungen im Bereich der neueren und neuesten Kulturgeschichte. Stefan Becker unterstützt ihn als wissenschaftlicher Mitarbeiter und erforscht "Built History on the borders of society – About critical junctures in urban spaces (Rio de Janeiro – Luanda – Lisbon)“.

Björn_GanslandtSeit Juni 2009 gehört auch Björn Ganslandt zu unserem Team. Seinen Magister schloss Björn Ganslandt erst kurz zuvor an der RWTH Aachen mit dem Schwerpunkt Technik-Kommunikation ab. Im Dienste größtmöglicher Benutzerfreundlichkeit kümmert er sich nun um die GCSC Website und schreibt seine Promotion zu dem Thema „Störung und Transparenz in der Schrift am Beispiel typografischer Lehrliteratur der Gegenwart“. Übernommen hat Björn Ganslandt die Aufgaben von Neill Busse, dessen Promotionsprojekt „Die chemische Elite. Das Netzwerk der Schüler Justus Liebigs“ seit dem Frühjahr durch die Gerda-Henkel-Stiftung gefördert wird.

Ab November wird Christiane Struth vertretend den Bereich Public Relations und Marketing von Elisa Antz übernehmen. Christiane Struth hat im Juni 2008 an der Philipps-Universität Marburg den akademischen Grad einer 'Magistra Artium' verliehen bekommen. In diesem Semester beginnt sie als Mitglied von IPP und GCSC ihre anglistische Dissertation unter dem Arbeitstitel: 'Meta-Autobiografien im Spannungsfeld von Sprach- und Erzähltheorie: eine narratologische Untersuchung zum Verhältnis von Literatur und Erinnern'. In den vergangenen Monaten konnte Christiane Struth bereits Berufserfahrungen als Übersetzerin und als Mitarbeiterin im internationalen Service einer Herausgebergemeinschaft sammeln.

Elisa Antz wird bis Oktober 2010 an der katholischen Universität Portugal in Lissabon an ihrem Promotionsprojekt „Root Trips – Exemplarische Untersuchungen ‚geneobiler’ Erzählungen in zeitgenössischen Filmen und Romanen’ arbeiten. Die Direktorin des dortigen Research Centre for Communication and Culture, Rene DietrichProfessor Isabel Capeloa Gil, ist Elisa Antz’ Zweitbetreuerin im Rahmen des PhDnet und dem damit verbundenen Cotutelle-Abkommen.

Schließlich wird sich auch das IPP ab November personell verändern. Simon Cooke Simon Cooke und Rene Dietrich, beide erfahrene Mitarbeiter am Anglistik-Institut, werden als neue ‚Doppelspitze’ die Leitung des IPP übernehmen. Die beiden Anglisten, die kurz vor Beendigung ihrer Promotionsphase stehen, sind selbst Mitglieder im IPP Jahrgang III und können ihre neuen Aufgaben mit der entsprechend hilfreichen Innenperspektive angehen.

SonjaDr. Sonja Altnöder, die seit Sommer 2008 als Koordinatorin des IPP tätig war und auch die damit verbundenen internationalen Kooperationen betreute, geht ab November in Mutterschutz. Auch Cultural Researcher Dr. Birgit Neumann ist zu Beginn des Wintersemester 2009/10 in Mutterschutz gegangen und wird voraussichtlich bis Frühjahr 2010 ans GCSC zurückkehren. Ihnen wünschen wir alles gute für die bevorstehende Elternzeit!

Text: Elisa Antz
© Fotos: Stephanie Nickel (Cooke) und Christoforos Mechanezidis (Büschel)

Aktivitäten der Arbeitsgruppen

pass by shootings: Vernissage im GCSC

Das Leben passiert in den Blickwinkeln - schon gesehen? Zwischen kleinen Gassen, fremden Ländern und einer Kamera findet Michael Wagener anscheinend ganz nebenbei seinen unverwechselbaren Blick. Mit der Ausstellung „pass by shootings“ präsentierte das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) 30 künstlerische Aufnahmen des Siegener Fotografen, die das Leben abseits von Glanz und Reichtum zeigen. Entstanden sind die Reisefotografien in den Jahren 2006 bis 2008 in Metropolen rund um den Globus. Am 13. Mai wurde die Ausstellung im GCSC eröffnet.

„Meine Aufnahmen sind aus der Bewegung und ohne bewusste Fokussierung entstanden. Alle Fotografien zielen auf ein unverfälschtes Bild alltäglicher Situationen, die für mich den Charme eines Ortes bestimmen.“ So umreißt Michael Wagener seine spezielle Fototechnik. Insbesondere das freie, zufallsbestimmte Agieren mit der Kamera ist ein markantes Merkmal seiner Arbeiten.

„Das Reisen birgt jede Menge Herausforderungen für einen Fotografen: Eine fremde Sprache, Hektik in der Luft und die Fülle der Eindrücke. Hier scheint die eigene Wahrnehmung eine zeitlang irritiert. Die ‚pass by shootings’ sind Ausdruck dieses Phänomens“, erläutert der Fotograf. Das Spiel mit der Unschärfe, die Betonung der Farbintensität und die Wahl ungewöhnlicher Blickwinkel steigern dabei die Expression der Bilder um ein Vielfaches.

Wagener inspirieren die Menschen, Augenblicke und Lebensorte. Die Ausstellung zeigt einfache Menschen in den Nebenstraßen pulsierender Städte wie Riga, Istanbul oder San Francisco, abseits der touristischen Attraktionen, jenseits von Reiseführerromantik. Mit seiner speziellen Technik gelingt es Wagener, die festgehaltenen Szenen lebensnah, authentisch und skurril zugleich wirken zu lassen.

Mit den „pass by shootings“ veranstaltete die Kulturmanagement AG des GCSC ihre dritte Ausstellung in den Räumlichkeiten des Graduiertenzentrums. Im letzten Jahr waren bereits die Ausstellungen „Sommer im Winter – Eine Jahreszeit reist durch Europa“ von Fotografin Monika Brand und „Szenen der Bahia - Schwarz auf Weiß“ von Katharina Luh auf großes Interesse gestoßen. Mit der Reihe möchte sich das GCSC nicht nur als kulturwissenschaftliche Forschungseinrichtung, sondern auch als ein Ort zeigen, an dem Kultur passiert.

pass by San Francisco; Foto: Michael Wagener

Lebensnah, authentisch und skurril zugleich: Die „pass by shootings“ von Michael Wagener, ab dem 13. Mai im GCSC.

Text: Nadine Pippel, Neill Busse
© Foto: Michael Wagener


Drei Tage – Sechs Museumszugänge: Die Berlin-Exkursion der AG Museumskultur

Über Langeweile konnten sich die TeilnehmerInnen der AG Museumskultur während ihrer dreitägigen Berlinfahrt vom 24. bis 26. Februar 2009 sicher nicht beschweren. In nur drei Tagen besichtigten die Kulturinteressierten fünf Museen und ein Denkmal. „Das waren allerdings Besuche der besonderen Art“, beschreibt Teilnehmerin Melanie Knaup begeistert. „Entweder nahmen sich Mitarbeiter die Zeit uns persönlich durch die Ausstellungen zu führen oder wir hatten unsere eigenen Experten in der Gruppe.“ Lutz Hengst, Leiter der AG Museumskultur und Veranstalter der einprägsamen Exkursion, berichtet von deren Verlauf, Höhepunkten und wissenschaftlichen Hintergründen.

AG RaumMit der Berlinfahrt verknüpften sich die weiteren Ziele der AG, aktuelle Museums- bzw. Ausstellungskonzepte zu reflektieren und Schnittstellen zu kulturwissenschaftlicher Forschung zu beobachten. Entsprechend richtete die Exkursionsvorbereitungsgruppe bei der Programmplanung ihr Augenmerk auch auf eine Museums- und Institutionenauswahl, in der sich Bezüge zu konkreten Forschungsprojekten einzelner Doktorandinnen und Doktoranden spiegelten.

Diesem Ansatz folgend, besuchten wir in Berlin am ersten Exkursionstag das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (mit Ort der Information), zu dem unser Mitglied Maike Mügge forscht. Ebenfalls fachkundige Anleitung zu stets engagierten Diskussionen erhielten wir von unseren Mittelalter- und Preußen-Spezialisten, Moritz Jäger und Uwe Ziegler, im Bode-Museum und im Deutschen Historischen Museum. Unsere Diskussionen, die sich dabei mehrfach auf die epistemische Geschichte musealer Exponate und den institutionellen Umgang mit ebensolchen konzentrierten, setzten wir überdies mit externen Experten fort. So hatte unser assoziiertes Gründungsmitglied, Dr. Christiane Holm (Universität Halle u. zuvor SFB Erinnerungskulturen), in der Abguss-Sammlung der Freien Universität ein Gespräch mit dem Kustos, Herrn PD Dr. Lorenz Winkler-Horaček, organisiert.

AG RaumAußerdem stellte uns Professor Dr. Michael Fehr, der geschäftsführende Direktor des Instituts ‚art in context‘/Universität der Künste, in Kreuzberg das Museum der Dinge mitsamt einer museumsreflexiven Sonderausstellung vor. Dieses Museum orientiert sich an historisch-didaktischen Prinzipien des Deutschen Werkbundes, dessen umfangreiches Archiv Teil des Hauses ist und zur wissenschaftlichen Nutzung offen steht. Einen zusätzlichen Höhepunkt der Exkursion stellte der Besuch des Instituts für Museumsforschung (Staatl. Museen zu Berlin) dar. Dort informierte uns der Institutsleiter, Herr Prof. Dr. Bernhard Graf, über die zahlreichen Aufgaben und die Kooperationsprojekte der Einrichtung. Diese gehen weit über die Kernaufgabe der wissenschaftlichen Museumsberatung und -evaluierung hinaus. Das Institut treibt derzeit mehrere DFG-geförderte Datenbankprojekte und Studien voran. Eingehender befassten wir uns bspw. mit einer vergleichenden Untersuchung zur Verwissenschaftlichung von Sammlungen in kanonbildenden Museen Europas (Projektleitung: Dr. Elsa van Wezel).

Damit wäre ein knapper Überblick über die Stationen unserer dreitägigen Exkursion geboten. Während der Tage in Berlin lernten wir exemplarisch sechs teils sehr verschiedene Konzeptionen von und Zugänge zu zeitgenössischen Museen kennen. Die konzeptionellen Fragen werden unsere AG gewiss weiter beschäftigen. Insbesondere interessiert uns auch zukünftig die Sichtbarkeit der Objekt- und Sammlungsgeschichte, aber genauso die Metafrage nach den Möglichkeiten heutiger Museen, Ort der Erinnerungskultur und der diskursiven Wissen(schaft)svermittlung zu sein.

Neben dem Museumsstudium und einem Networking mit externen Experten bot die Berlinreise schließlich auch Gelegenheit, GCSC-DoktorandInnen aller Jahrgänge mit Projekten aus unterschiedlichen Disziplinen in einer inspirierenden Atmosphäre besser kennenzulernen. Umso mehr freue ich mich auf die weitere AG-Arbeit.

© Text und Fotos: Lutz Hengst

Choco im Lädchen – Ein Abend voller Schokolade

AG RaumSchokolade ist wunderbar, mild, sinnlich, tief, dunkel, cremig, verführerisch, anregend, luxuriös, himmlisch und war einst sogar angsteinflößend. Schokolade ist Ruin, Glück, Vergnügen, Liebe, Ekstase, Phantasie... wusste Frau PD Dr. Annerose Menninger am 4. Februar 2009 in der Gießener Chocolaterie zu berichten.

An die 70 Personen fanden an dem kalten Februarabend den Weg in die Chocolaterie, in der nach eifrigem Stühlerücken auch bald der letzte (Steh-)Platz besetzt war. Annerose Menninger, Mitherausgeberin der Studien zur Geschichte des Alltags und Mitglied der International Comission for Research into European Food History untersuchte schon in ihrer Habilitationsschrift die Geschichte von Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in der Westhälfte Europas während des 16. - 19. Jahrhunderts. Im Zentrum des engagierten Vortrages stand die kulturgeschichtliche Entwicklung des Schokoladengenusses in Südamerika und Europa. AG RaumMenninger zeigte die Geschichte der Entdeckung der Kakaobohne in Südamerika auf und die Schrecken, die die Verbreitung der Schokolade in Europa zunächst auslöste. Die darauf folgende rasche Entwicklung vom kostbaren Luxusgut zum Massenartikel wurden dabei ebenso beleuchtet wie die edelste Verarbeitung der Schokolade, die Praline, die heute wieder ihre wahren Liebhaber gefunden hat.

Leckere Pralinen und Schokolade konnten die Besucher in mehreren Variationen selber kosten. Haben Sie schon weiße Schokolade mit erlesenem Lemonpfeffer probiert? Und Muskat- oder Trüffelschokolade? Diese und andere von Hand gefertigte Schokoladenkreationen reichte die Inhaberin der Chocolaterie Linda Gahn-Becker mit ausführlichen Informationen zum Herstellungsprozess und ihrer Besonderheiten herum. Wer auf den Geschmack gekommen war, konnte sich an heißer Chili-Schokolade erfreuen.

AG RaumAuch für die musikalische Untermalung war durch Improvisationen am Klavier von Christoph Schanze gesorgt. Derzeitig Doktorand am GCSC, umrahmte der künstlerische Leiter des Vokalquartetts „L’art vocal“ und Gastdirigent des Hechinger Kammerorchesters den Vortrag professionell.

Mit dieser interessanten Mischung aus Wissenschaftlichkeit und sinnlichem Genuss, gelang es den Organisatorinnen, Ursula Arning, Melanie Knaup und Nadine Pippel, Mitglieder der Kulturmanagement AG des GCSC, die Kulturwissenschaften anhand des höchst aktuellen Themas ‚Kakao’, vom Campus in die Stadt zu tragen.

Text: Ursula Arning, Melanie Knaup und Nadine Pippel
© Fotos: Katharina Luh

Ausblick und Erfolge

Auszeichnungen auf dem Weg zu Promotion und Habilitation

Auch im vergangenen Studienjahr wurden DoktorandInnen und PostdoktorandInnen vom Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK) und International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Die Doktorandinnen Katharina Luh und Susann Trabert erhielten Wissenschaftspreise für ihre Dissertationsprojekte. Dr. Sibylle Baumbach und Dr. Patrick Schmidt wurde das renommierte Feodor-Lynen-Stipendium für Postdoktoranden der Alexander von Humboldt-Stiftung verliehen.

Der Weg zum Doktortitel – er ist weit, mit Mühen gepflastert, mal eng und steinig, und ähnelt zuweilen mehr einem Hindernisslauf als einer Sprintstrecke. Am Ende der Zielgeraden winkt der Doktorhut als verdienter Lohn, der die Anstrengungen der vergangenen Jahre fast vergessen macht. Manch einer erhält jedoch schon vor dem eigentlichen Ziel Anerkennung für seine Leistung, wie die beiden Gießener Doktorandinnen Katharina Luh und Susann Trabert. Beide wurden im vergangenen Studienjahr für ihre laufenden Dissertationsprojekte mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. Das motiviert natürlich für die weitere Arbeit am Projekt Promotion.

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„Der Preis ist eine Wahnsinnsehre für mich“, sagt Katharina Luh, Mitglied des zweiten GCSC-Jahrgangs. Ihr Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit Ethnizitäts- und Genderkonstruktionen in zeitgenössischen neuseeländischen Romanen und wurde im vergangenen Juli mit dem „New Zealand Society Fellowship in New Zealand Studies“ des „Centre for New Zealand Studies“ (CNZS), Birkbeck, University of London ausgezeichnet. „Ich habe mich sehr gefreut, dass die Jury so viel Vertrauen in mich und meine Arbeit hat und denkt, dass ich dafür geeignet bin.“ Neben einem Preisgeld von 500 Pfund, wird ihr ein Jahr lang ein Arbeitsplatz am Londoner Zentrum zur Verfügung stehen, sodass sie vor Ort weiter an ihrem Projekt arbeiten kann. Nutzen möchte sie die Zeit in London vor allem zum Schreiben, darüber hinaus sind im Rahmen ihres Forschungsaufenthalts ein Vortrag über ihr Promotionsprojekt sowie einige Publikationen geplant.

Susann Trabert, Stipendiatin des Graduiertenkollegs Transnationale Medienereignisse und ebenfalls Mitglied des zweiten GCSC-Jahrgangs ist erst vor kurzem von einer Forschungsreise aus der britischen Hauptstadt zurückgekehrt, wo sie für ihr Promotionsprojekt mit dem Arbeitstitel „Differenzierung, Transfer und Verdichtung. Die Evolution des frühneuzeitlichen Medienereignisses ,Ballonfieber’ (1783-1786)“ recherchierte. Sie erhielt im Januar den Preis des „Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte“ der „Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft“ (DGPuk).

Ausgezeichnet wurde sie für den besten Vortrag des „Medienhistorischen Forums für Absolventen und Forschungsnachwuchs“, das im Oktober vergangenen Jahres in Wittenberg stattfand und in dessen Rahmen sie ihr Forschungsprojekt präsentierte. „Der Preis war eine absolute Überraschung“, sagt Susann Trabert. „Ich wusste zwar, dass es diesen Preis gibt, mir ging es aber vor allem darum, mein Projekt vorzustellen und mich mit anderen darüber auszutauschen.“ Gefreut hat sie sich natürlich umso mehr. Einen Preis für einen Vortrag zum Dissertationsprojekt zu bekommen, sei einfach eine tolle Motivation für den weiteren Weg in Richtung Promotion.

Dr. Patrick Schmidt, Postdoktorand am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse, und Dr. Sibylle Baumbach, Postdoktorandin und Forschungskoordinatorin am GCSC, haben die Etappe Promotion bereits erfolgreich hinter sich gebracht und ein neues Ziel vor Augen: Habilitation heißt es. Beiden wurde in diesem Jahr das renommierte Feodor-Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung verliehen, das Postdoktoranden langfristige Forschungsaufenthalte an ausländischen Universitäten ermöglicht. Sybille Baumbach wird auf Einladung des Komparatisten Prof. Russell Berman ein Jahr lang an der Stanford University an ihrer Habilitationsschrift mit dem Arbeitstitel „Medusa: Myth, Metaphor, Metamorphosis“ arbeiten. Patrick Schmidt erhielt eine Einladung des britischen Historikers Prof. Richard J. Evans an die Cambridge University. Dort kann er sich auf optimale Rahmenbedingungen für die weitere Arbeit an seiner Habilitation freuen, in der er sich mit Behinderung in medialen Diskursen der frühen Neuzeit auseinandersetzt. „In Cambridge gibt es ein riesiges historisches Institut und Experten für nahezu alles. Das Stipendium ist eine Chance für eine gewaltige Horizonterweiterung. Da kann man sich viel erwarten“, sagt er. Viel erwarten kann man sich auch von den ausgezeichneten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern und ihren Dissertations- und Habilitationsprojekten. Die Mitglieder und Mitarbeiter von GGK, GCSC, IPP und GK Transnationale Medienereignisse gratulieren ihnen ganz herzlich.

Text: Regine Leitenstern

Arbeiterkinder an die Uni! GCSC-Mitglied Katja Urbatsch erhält internationale Auszeichnung als Social Entrepreneur für Bildungsinnovation.

Katja Urbatsch Katja Urbatsch, Doktorandin am GCSC und Gründerin der Plattform ArbeiterKind.de, ist als eine von sieben deutschen Social Entrepreneurs 2009 in das weltweite Fördernetzwerk von Ashoka aufgenommen worden. Sie hat sich in einem mehrstufigen, nationalen und internationalen Auswahlprozess allein in Deutschland gegen rund 300 Mitbewerber durchgesetzt, weltweit wurden mehr als 7.000 Kandidaten begutachtet. Am 6. Oktober fand die feierliche Auszeichnung in Berlin statt.

Die Anglistin hat eine innovative Lösung für eines der zentralen Probleme des deutschen Bildungssystem gefunden: In Deutschland nehmen Abiturienten mit nicht-akademischer Herkunft im Vergleich mit Abiturienten aus Akademikerfamilien nur halb so oft ein Hochschulstudium auf – bei identischer Qualifikation. ArbeiterKind.de gibt dieser Gruppe erstmals eine positive Identität, und über mittlerweile 1.000 lokale Mentoren wichtige Einblicke und Argumentationshilfen für ein Studium.

Katja Urbatsch erhält von Ashoka finanzielle Unterstützung, Beratung und Verbindungen zu Wirtschaft und Wissenschaft, damit sie den Ansatz von ArbeiterKind.de systematisch ausweiten kann. Das bekannteste Mitglied des Ashoka-Netzwerks ist Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Darüber hinaus profitiert Katja Urbatsch von einer Kooperation von Ashoka Deutschland und der gemeinnützigen Vodafone Stiftung im Bereich Bildung und soziale Mobilität: Gemeinsam wollen die Organisationen die Innovationen von Social Entrepreneurs in die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik übersetzen.

"ArbeiterKind.de hilft finanzielle Hindernisse, mangelndes Selbstvertrauen und ein oft geringes Ansehen des Studiums in den Familien der Arbeiterkinder selbst zu überwinden und verringert so die wichtigsten Hemmnisse einer systematischen Bildungsungerechtigkeit" sagt Felix Oldenburg, Hauptgeschäftsführer von Ashoka Deutschland.

Die GCSC-Doktorandin und Mitglied des Internationalen Promotionsprogramm Literatur- und Kulturwissenschaften (IPP) sagt: "Die Aufnahme durch Ashoka bedeutet für mich und die Initiative ArbeiterKind.de eine großartige Unterstützung. Mit Hilfe der Förderung von Ashoka und der Vodafone-Stiftung kann ich ArbeiterKind.de zügig weiter ausbauen, um gemeinsam mit unseren Mentoren bundesweit noch mehr Schülerinnen und Schüler als erste in ihren Familien zum Studium zu ermutigen und auf ihrem Weg zum erfolgreichen Studienabschluss zu unterstützen."

Kontakt ArbeiterKind.de:
ArbeiterKind.de gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Katja Urbatsch, Geschäftsführerin
Tel. 0641-3993475
Email: urbatsch@arbeiterkind.de www.arbeiterkind.de

Text: Arbeiterkind.de

"Film & POP" startet am 7.11.2009

AG Raum
Am 7.11. 2009 geht „Film & POP“ in die erste Runde. Ab 19.30 liefert die AG Kulturmanagement des GCSC im Georg-Büchner-Saal (Bismarckstraße 37) ein neues Eventformat für Film- und Feierfreunde: Mit kurzem Einführungsvortrag, der Vorführung eines britischen Kultfilms und anschließender Party geht die Reihe unter dem Motto „Mods – die britischen 60er auf der Leinwand und am Plattenteller“ an den Start.

Angelpunkt der Veranstaltung ist ein britischer Kultfilm aus den 70ern, dessen Namen wir mangels (kostspieliger) Vorführungsrechte nicht nennen dürfen. Doch das Wesentliche kann gesagt werden: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Konzeptalbum der Band The Who und behandelt die Konflikte zweier Subkulturen der frühen 1960er Jahre in Großbritannien: die Rocker und die so genannten Modernists, kurz Mods genannt. Beide unterscheiden sich nicht nur in ihren gegensätzlichen Kleidungsstilen, sondern auch in ihren unterschiedlichen musikalischen Präferenzen. Die Rocker tragen schwarze Lederkleidung, fahren Motorrad und bevorzugen amerikanischen Rock’n’Roll. Markenzeichen der Mods sind elegante Anzüge und gediegene Parkas, in denen sie mit ihren Motorrollern durch die Straßen fahren. Die Mods hören Soul und britische Rockmusik – allen voran The Who, die selbst der britischen Modszene entstammen.

Der Filmvorführung wird ein einleitender Vortrag vorangehen. Der Kulturwissenschaftler, Journalist und DJ Björn Ahrend wird erläutern, inwiefern Lebensgefühl und –Stil der Mods als symptomatisch für die Entstehung von Subkulturen im Nachkriegsengland gelten können. Seine Überlegungen basieren vorwiegend auf den Forschungsarbeiten des Birminghamer Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS), insbesondere den Theorien Dick Hebdiges und Stuart Halls.

Im Anschluss an die Filmvorführung legt Ahrend Mods-mäßige Musik von Bands wie den Yardbirds, Small Faces, Kinks und natürlich The Who auf. Wir freuen uns auf euch!

Eintritt: Frei – Spenden willkommen!

Kontakt:
Email: Elisa.Antz@gcsc.uni-giessen.de
Tel.: 0641 - 99 300 42