Medien.Kultur.Wandel
Media, knowledge and cultural transformation
17. bis 19. Februar 2010 International Graduate Centre for the Study of Culture
Research Area 3 | Performativity
Justus-Liebig Universität Gießen
Keynote Speaker:
- Prof. Dr. Manfred Faßler, Frankfurt (Panel Netzwerk-Modelle)
- Prof. Dr. Wolfgang Hallet, Gießen (Panel Wissen)
- Prof. Dr. Frank Hartmann, Weimar (Panel Transformation und Transgression)
- Prof. Dr. Tanja Thomas, Lüneburg/Gießen (Panel Communities)
- PD. Dr. Thomas Weber, Berlin/Bonn (Eröffnungskeynote)
Vor dem Hintergrund aktueller globaler Krisen- und Konfliktlagen lassen sich laufende Prozesse gesellschaftlichen, medialen oder kulturellen Wandels nicht mehr als diskontinuierliche Dynamik umfassender Veränderungen beschreiben, die eine Abfolge stabiler Zustände suggerieren. Vielmehr befinden sich die Gesellschaften der Gegenwart in einer andauernden Transformation. Kulturelle und mediale Diskurslagen
als Parameter von Ordnung, Bedeutungsleistung und Wissensgenerierung können sich so jeweils nur situativ und mit begrenzten lokalen Reichweiten etablieren. Zugleich ersetzen solche neuen Parameter in der Regel vorhergehende Strukturen nicht vollständig; vielmehr kommt es zu Phänomenen der Gleichzeitigkeit von sozialen und kulturellen Dynamiken, die aufeinander einwirken, sich widersprechen oder verstärken
können.
Für wissenschaftliche Beobachtungen und Beschreibungen ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer stärkeren Beachtung der Temporalität und Prozessualität sowohl der zu analysierenden Phänomene als auch der eigenen reflexiven Praxis. Das ambivalente Verhältnis von Kontinuität und Transformation impliziert darüber hinaus besondere und neue Herausforderungen in Bezug auf individuelle wie kollektive Identitätskonstruktionen. Zudem wird die These der Dominanz von Transformationsprozessen in gegenwärtigen Gesellschaften längst nicht mehr allein auf der Ebene wissenschaftlicher Gesellschaftsbeschreibungen verhandelt. Vielmehr ist das Bewusstsein kontinuierlicher Veränderung längst Teil der alltäglichen Erfahrung von Gesellschaft und der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung geworden, wie sie u.a. in den Massenmedien präsent ist.
Unserer Annahme zufolge bezeichnet genau dieser Umstand eine zentrale Veränderung im Vergleich zu klassischen Vorstellungen von gesellschaftlichem Wandel. Die Implikationen und Konsequenzen dieser These für eine (medienkultur-)wissenschaftliche Gesellschaftsbeschreibung und -analyse wurden bisher jedoch nicht hinreichend reflektiert: Welche Folgen hat die These einer Transformation von Kultur und Gesellschaft in theoretischer und methodischer Hinsicht? Wie können wissenschaftliche Konzepte für die Beschreibung fortwährender Wandlungsprozesse formuliert werden? Welche etablierten Begriffe und Modelle erweisen sich als produktiv oder überholt, in welchen Bereichen haben sich bereits neue entwickelt bzw. wären wünschenswert und noch zu (er)finden? Entstehen in durch Transformationsprozesse geprägten Gesellschaften eventuell ganz neue Bedeutungen beispielsweise von Wandel und Kontinuität? Im Fokus steht somit nicht die Beschreibung von Transformationsprozessen, sondern die Frage nach den Möglichkeiten, Voraussetzungen und Bedingungen einer Beschreibung solcher Prozesse in konkreten Kontexten. Die Tagung „Medien.Kultur.Wandel“ will diese Fragen anhand von vier Schwerpunktthemen diskutieren und damit zur Reflexion medienkulturwissenschaftlicher Praktiken anregen.
Programm
Mittwoch, 17.2.2010
| 13:30 | Philipp Schulte/Martin Zierold: Einführung |
| 13:45 | Thomas Weber: Mediale Transformationskulturen. Perspektiven des Wandels |
| 14:35 | Kaffeepause |
Panel I: Wissen
Moderation: Kai Sicks | 15:00 | Wolfgang Hallet: Available Design. Die Multimodalität des kulturellen Wissens, medialer Wandel und kulturelle Transformation |
| 15:50 | Christina Schwalbe: Ein Bildungsmedium im Wandel. Mediologische Betrachtungen der Geschichte der Universität |
| 16:30 | Kaffeepause |
| 17:00 | Alexander Schwinghammer: Zwischen Imagination und Evidenz. Überlegungen zu Potentialen des dokumentarischen Bildes |
| 17:40 | Andreas Grünes: Erinnerungskultur im Netz als Transformation des Wissens? Optionen und Implikationen der Präsentation des Holocaust im Internet |
| 18:20 | Kaffeepause |
| 18:30 | Carsten Ochs: Wandel durch Wissen? Transformationen durch Technik? IKT Lokalisierung als strategisch-experimentelles Entwerfen von Kultur-Programmen |
Donnerstag, 18.2.2010
Panel II: Netzwerke
Moderation: Martin Zierold | 9:00 | Manfred Faßler: Netzwerk, - wann? Temporalität und Topografien eines globalen Betriebssystems |
| 9:50 | Alexander Friedrich: Die Transformation einer Metapher zu einem Modell der Transformation. Netzwerke als faszinationsgeschichtliches Phänomen |
| 10:30 | Kaffeepause |
| 11:00 | Christian Vogel: Ambivalente Verhältnisse. Der Beitrag neuerer Ansätze in der Akteur-Netzwerk-Theorie zum Verständnis aktueller Prozesse gesellschaftlichen Wandels |
| 11:40 | Hedwig Wagner: Globale Medienkommunikation und die Transformation des Nationalstaats |
| 12:20 | Kaffeepause |
| 12:30 | Sebastian Gießmann: Am Ende der Netzwerke. Aufpropfung, Transformation, Zusammenbruch |
| 13:10 | Mittagspause |
Panel III: Transgressionen
Moderation: Philipp Schulte | 14:30 | Frank Hartmann: Grenze und Passage. Moderne und postmoderne Bedingung der Möglichkeit in den Kulturwissenschaften |
| 15:20 | Kai Nowak: Skandalgemeinschaften. Der Filmskandal Ludwig der Zweite, König von Bayern (D 1929) |
| 16:00 | Kaffeepause |
| 16:30 | Branka Vujanovic: Level 5. From Transgression to Metanoia. Video, Art, and Visions of the Self |
| 17:10 | Jörg Hackfurth: Zwischen Transgression und Transzendenz: Horror als profanierter Krisenkult? |
| 17:50 | Kaffeepause |
| 18:00 | Sven Stollfuß: Biosplatter. Zur Transformation monströser (entgrenzter?) Körper |
Freitag, 19.2.2010
Panel IV: Communities
Moderation: Jörn Ahrens
| 9:00 | Tanja Thomas: Mediatisierte Gemeinschaften: Zwischen Re- und Dekonstruktion |
| 9:50 | Christoph Hilgert: Junge Staatsbürger hören Radio. Der Beitrag des Jugendfunks zur Demokratisierung Westdeutschlands |
| 10:30 | Kaffeepause |
| 11:00 | Christine Linke: Medienhandeln und die Konstruktion von Identität in Paarbeziehungen |
| 11:40 | Stefan Hölscher: Das ZDF-Nachrichtenstudio im neuen Design oder: Wie die Mitte besser sieht… |
| 12:20 | Abschlussdiskussion |