Protokoll Elterntreffen vom 16.12.2008
Ort: B 25
16.00-18.00 Uhr
Ergebnisprotokoll: Annette Cremer (AC)
Anwesend: neun Eltern;
In der Vorstellungsrunde berichten alle von ihren Lebenssituationen und den Schwierigkeiten, die die Vereinbarkeit von Familie/Kindern und einer Promotion bzw. einer Hochschulkarriere darstellen.
Ein grundlegendes Problem stellt die Kinderbetreuungsmöglichkeit dar. Es gibt immer noch zu wenige Betreuungsplätze und zu viele, die einen bräuchten. Zweitens fehlt die Betreuung zu Randzeiten, d.h., vor allem nachmittags oder abends. Versucht man als Eltern, dies alles abzudecken, muss man mit einem bunten Strauß von Betreuern arbeiten und auch mit schlecht gelaunten Kindern, die zuviel Fremdbetreuung nicht verkraften. Nötig wäre hier eine zentral gelegene Uni-Kindertagesstätte absolut notwendig, die bspw. In einem auf das Semester bezogenen Programm unübliche Betreuungszeiten regelmäßig abdeckt.
Ein besonderes Problem stellt die Kinderbetreuung während Forschungsaufenthalten im In-und Ausland dar. Bei längeren Aufenthalten ist eine Trennung von einem Elternteil nicht zu verlangen, für die emotionale Stabilität beider Seiten muss das Kind mitgenommen werden. Oft ist es aus verschiedenen Gründen (alleinerziehend, keine Oma, Partner mit Vollzeitjob) organisatorisch auch nicht möglich, das Kind zurückzulassen. Hier müssen vor allem finanzielle Möglichkeiten geschaffen werden, um die Betreuung der Kinder während der Forschungsaufenthalte zu gewährleisten. Will man die Internationalisierung ernsthaft betreiben muss auch hier eine gangbare Lösung für alle beteiligten Gruppen gefunden werden.
Stillende Mütter finden zurzeit keinen Rückzugsraum an der Uni vor, in dem sie ihre Säuglinge unbeobachtet füttern könnten. Damit werden junge Mütter von der Teilnahme und auch vom Aufenthalt an der Hochschule ausgeschlossen.
Das zweite Problem ist die Finanzierung von Kinderbetreuung. Letztlich muss man eine Kinderbetreuung zahlen, um arbeiten und promovieren zu können. Das Geld aus dem Job fließt jedoch direkt wieder in die Kinderbetreuung. Die Zeit für das Geldverdienen geht von der Zeit für die Promotion ab. Zusätzlich steigt durch die Ankunft von Nachwuchs der ökonomische Druck.
Der universitäre Alltag nimmt in seiner Terminplanung auch keine Rücksicht auf Eltern. Wichtige Veranstaltungen liegen oft außerhalb der betreuungsgesicherten Zeiten nachmittags oder abends, ebenso Gremiensitzungen. Dass dies bereits Teil der Zielvereinbahrungen des Audit Familiengerechte Hochschule ist, hat leider an der Umsetzung in der Praxis nicht geändert. Die Teilnahme am universitären Leben wird Eltern also massiv erschwert.
Schwierig gestaltet sich auch oft die Bewältigung der sekundären Folgen von Elternschaft. Der ehemals kleine Haushalt vervierfacht sich, Wäschehäufchen werden zu Wäschebergen und die Einkäufe müssen nun wirklich mit dem Auto erledigt werden. Die Arbeit muss gemacht werden. Hier fehlt eine Entlastung der Eltern.
Die fehlende Akzeptanz der Vereinbahrung von Familie und Hochschulkarriere trägt immer noch zu einer kinderfeindlichen Atmosphäre an der Uni bei. Bringt man sein Kind mit, wird man oft komisch angeschaut, auch wenn das Kind objektiv leise ist, stört allein die Anwesenheit. Hier müsste also eine grundsätzliche Mentalitätsveränderung angestrebt werden.
Eltern beschreiben meist die fehlende Unterstützung durch Doktorvater oder Doktormutter.
Im den leider noch seltenen Fall einer wohlwollenden Begleitung durch die akademischen Eltern, wird unterschwellig doch nicht die Idee der Vereinbahrung gestützt, sondern das Wegorganisieren der Kinder erwartet. Dies ist oft nicht im Sinn der Eltern, die sich tatsächlich bemühen, beiden Seiten – den Kindern und der Hochschule – gerecht zu werden. Eine Verleugnung der Kinder darf nicht das Ziel der kinderfreundlichen Politik sein. Eine Integration der Rollen Akademiker/-in und Mutter/Vater kann nur gelingen wenn das deutsche Hochschulsystem Abschied nimmt von der Forderung nach standardisierten Biographien und Altersdiskriminierung. Die Betreuung von Kindern muss als Kompetenzgewinn und nicht als Karrierebeschränkung verstanden werden.
Kinder erfordern oft ein diskontinuierliches Arbeiten in Blöcken, je nachdem, wie eben gerade Zeit ist. Das aber heißt, immer wieder „raus“ kommen und sich immer wieder neu einarbeiten müssen. Die Hürde ist manchmal zu hoch und Hilfestellung ist nötig, um den mental übergroßen „Berg Dissertation“ auf handhabbare Größe zu schrumpfen.
Eltern an der Hochschule sind nicht sichtbar genug. Zwei Zielgruppen müssen ins Auge gefasst werden: Einerseits die Eltern, die isoliert vor sich hin promovieren und andererseits die restliche akademische Welt, die man auf das Phänomen Elternschaft aufmerksam machen muss. Dazu muss die „Promovieren mit Kind“ - Homepage des GGK und GCSC besser platziert werden. Anonymisierte Profile der Eltern können dazu beitragen, die Wahrnehmung zu steigern. (AC)